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Kommentar Fed-Chef Powell hat sich erpressbar gemacht

Jerome Powell hat die erste Zinssenkung seit über zehn Jahren verkündet. Doch diese verfehlt ihre Wirkung. Das liegt auch am Zickzackkurs des Fed-Chefs.
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Der Chef der Federal Reserve Bank lässt eine weitere Lockerung des Leitzinses offen. Quelle: AFP
Jerome Powell

Der Chef der Federal Reserve Bank lässt eine weitere Lockerung des Leitzinses offen.

(Foto: AFP)

Die erste Zinssenkung in den USA seit der Finanzkrise müsste die Märkte eigentlich jubeln lassen. Schließlich gibt sie der ohnehin solide wachsenden Wirtschaft Rückenwind. Doch nachdem die US-Notenbank Fed am Mittwochabend den Leitzins gesenkt hatte, kam alles anders.

Statt zu sinken, kletterte der Dollar-Index, der den Kurs der US-Währung gegenüber Währungen weltweit abbildet, auf ein Zweijahreshoch. Das wird es für amerikanische Exportunternehmen noch schwieriger machen, ihre Produkte zu verkaufen. Die Aktienmärkte brachen ein.

Und die Renditen auf zweijährige Staatsanleihen zogen entgegen den Erwartungen weiter an. Das machte eine ohnehin schon flache Zinskurve noch flacher. Wenn die Differenz zwischen kurz- und langfristigen Renditen sinkt, ist das typischerweise kein gutes Zeichen für die Wirtschaft und drückt auf die Margen der Banken im Kreditgeschäft.

Es ist eine Rebellion gegen den Fed-Chef Jerome Powell, der selbst innerhalb des Zinsausschusses nicht die Unterstützung aller Notenbanker hat. Zwei Mitglieder des Zinsausschusses, Esther George, die Präsidentin der regionalen Fed in Kansas City, und Eric Rosengren, Chef der Fed aus Boston, wollten die Zinsen lieber konstant halten. Es ist das erste Mal, seitdem Powell im Februar 2018 die Führung der Notenbank übernahm, dass ihm gleich zwei Mitglieder ihre Zustimmung verweigern.

Sicher, die Märkte können sich in den kommenden Tagen und Wochen wieder entspannen. Doch es ist kein gutes Zeichen, wenn die ersten Reaktionen auf eine Leitzinsentscheidung derart von den Erwartungen abweichen.

Die Rebellion hat Powell weitgehend selbst verschuldet. Er sorgte mit widersprüchlichen und missverständlichen Aussagen auf der Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid für Verunsicherung – wieder einmal.

Für den Chef der mächtigsten Notenbank der Welt ist es schwierig, die richtige Balance zu finden: Er soll den Marktteilnehmern klar kommunizieren, wie die mittelfristige Strategie der Fed aussieht, und muss sich gleichzeitig Optionen offenhalten. Am Mittwoch ist das misslungen.

Die Zinssenkung sei nicht der Beginn einer langen Phase von Niedrigzinsen, sagte er. Investoren interpretierten seine Worte so, als könne nach diesem Schritt schon wieder Schluss sein. Später sagte er, dass die Notenbank durchaus zu mehreren Zinssenkungen bereit sein könnte. Das machte die Verunsicherung perfekt – nicht nur an den Märkten, auch bei den Journalisten.

Auf der Fed lastet ein hoher Druck

Selten schwang in den Fragen der Fed-Reporter so viel Unverständnis mit: „Was für ein Problem werden geringere Kapitalkosten lösen?“, wollte ein Reporter wissen. „Geht es jetzt eher darum, Schlagzeilen rund um den Handelsstreit auszuwerten, als um die Daten zu Arbeitslosigkeit, Wachstum und Inflation?“, fragte ein anderer. „Sie haben die Zinssenkung eine ‚Anpassung mitten im Zyklus‘ genannt. Wie sollen wir das verstehen?“

Powell hatte an verschiedenen Stellen argumentiert, dass die Verunsicherung durch den Handelsstreit die Fed zu neuen Schritten zwinge. Gleichzeitig hatte er auch betont, dass sich die Notenbank weiter von harten ökonomischen Daten leiten lasse.

Man muss Powell eines zugutehalten: Er steuert die amerikanische Geldpolitik durch unsichere Zeiten, die von einem erratischen Präsidenten im Weißen Haus noch unberechenbarer gemacht werden. Die USA befinden sich im längsten Aufschwung aller Zeiten.

Der Druck auf die Fed ist hoch, diesen Aufschwung nicht durch Fehler in der Geldpolitik zu beenden oder Risiken zu übersehen. Doch mit dem Zickzackkurs, den Powell bereits seit Beginn seiner Amtszeit vorlegt, macht er die Lage noch schlimmer.

Noch im Dezember hob die Fed die Zinsen an und signalisierte zwei weitere Erhöhungen im laufenden Jahr. Wenig später kündete Powell eine Zinspause an, nun senkt er den Leitzins.

Powell hat sich mit seiner Unsicherheit an den Märkten erpressbar gemacht. Das wird erst aufhören, wenn er deutlicher kommuniziert. Bis dahin werden die Anleger seine Schwäche ausnutzen.

Mehr: Fed-Chef Powell hat auf der Pressekonferenz für neue Verunsicherung gesorgt, statt die Anleger zu beruhigen. Neuer Druck kommt auch von Präsident Donald Trump.

„Die mangelhafte Transparenz der Fed hat an der Wallstreet zu einem Abverkauf geführt“

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1 Kommentar zu "Kommentar: Fed-Chef Powell hat sich erpressbar gemacht"

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  • Sehr geehrte Frau Dörner,

    was lese ich denn da? "Powell ist erpreßbar geworden". Dumm gelaufen. Aber warum helfen Sie ihm nicht? Sie als wortgewande und formulierungssichere Journalistin schaffen das doch.

    Was wir brauchen ist eine Beschreibung des mittelfristigen Kurses der Geldpolitik, der für die FED keine Festlegungen trifft, andererseits aber der Meute von Wallstreet-Indianern die eingeforderten Versprechnungen gibt.

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