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Kommentar Feindbild alter Mann: Daniel Günther verdreht die Realität

Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Günther nimmt sich die älteren Herren wie Friedrich Merz zur Brust. Dabei sind sie das Rückgrat der CDU.
30.10.2019 - 11:16 Uhr 10 Kommentare
Dass der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein nach der Thüringen-Wahl auf die Älteren einprügelt, wird sicherlich keinen Wähler zurückbringen. Quelle: dpa
Daniel Günther

Dass der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein nach der Thüringen-Wahl auf die Älteren einprügelt, wird sicherlich keinen Wähler zurückbringen.

(Foto: dpa)

Schleswig-Holstein bringt immer wieder interessante politische Persönlichkeiten hervor. Man denke nur an Wolfgang Kubicki oder Ralf Stegner. Beide sind eher die Enfants Terribles in ihren Parteien. Ministerpräsident Daniel Günter will sich da wohl einreihen.

Vor nicht all zu langer Zeit versuchte er, seine CDU in Richtung Linkspartei zu trimmen. Er hatte kein Problem damit, mit einem älteren Herren namens Bodo Ramelow ein Doppelinterview zu führen und für die Öffnung zur SED-Nachfolgepartei zu werben. Mit den älteren Herren aus der CDU ist er nicht so gnädig. Jetzt wirft er ihnen vor, keine Parteiarbeit zu leisten.

Das trifft zumindest auf den 63-jährigen Friedrich Merz nicht zu. Im Gegensatz zu Kanzlerin Angela Merkel nahm er bei den ostdeutschen Wahlen reihenweise Termine war, was man von der Kanzlerin nicht sagen kann. Merz hat sich nicht „vom Acker gemacht“ wie Günther es ihm unterstellt.

Dass jetzt gerade Günther versucht, CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer zu verteidigen, entbehrt nicht der Ironie. Nach seinem Rote-Socken-Vorstoß musste sie ihm in einem Vier-Augen-Gespräch den Kopf waschen.

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    Günther liegt auch in seiner Analyse falsch: Die Parteimitglieder sind überwiegend auch ältere Männer und teilweise auch Frauen, die hat er gleich mal mit seinem Rundumschlag mitbeleidigt. Außerdem hatte die CDU in Thüringen bei der Wählerschaft ein Ü-60-Problem. Jetzt auf die Älteren einzuprügeln wird sicherlich keinen Wähler zurückbringen. Übrigens: Ob sich der fast 60-jährige Armin Laschet angesprochen fühlt, ist nicht bekannt.

    Altersdiskriminierung

    Es ist zwar in der Politik Mode geworden, immer nach den jungen und jüngsten Wählern zu schauen. Aber die Alten und Mittelalten stellen die große Masse der Bürger dar. Das müsste auch Günther wissen. Seine Aussagen grenzen fast an Altersdiskriminierung.

    Die Politik hat beschlossen, dass die Menschen bis 67 Jahren arbeiten sollen. Aber politisch sollen sie entmündigt werden. Auch so kann man Daniel Günthers Einlassungen lesen. Er wird sicherlich von der linken Seite Recht bekommen. Die wählen aber nie und nimmer CDU.

    Was besonders erstaunt: In seinem Interview mit dem ZDF ist er sogar inhaltlich gar nicht so weit von Merz entfernt. Er sieht die Schwäche der Bundespolitik, die die Wahlergebnisse der CDU mit in den Keller getrieben haben.

    Günther will aber erst „sorgsam analysieren“. Das ist klassischer Politiksprech, der darauf hindeutet, dass er ein Weiter-so will. Das kann nicht mal der CDU-Chefin recht sein, die mit dem Versprechen angetreten ist, die Partei zu erneuern. In der CDU dürfte es eigentlich kein Erkenntnisproblem mehr geben. Sie hat offenbar ein Umsetzungsproblem.

    Mehr: Mit seinem Generalangriff auf Kanzlerin Angela Merkel wirbelt der CDU-Wirtschaftspolitiker die Union auf. Doch noch wackelt Merkels Stuhl nicht.

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    10 Kommentare zu "Kommentar: Feindbild alter Mann: Daniel Günther verdreht die Realität "

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • ich kann Herrn Renno nur vollumfänglich zustimmen!

    • Vorweg: ich bedauere, dass Merz nicht CDU-Vorsitzender geworden ist. Er hätte der Union gut getan.

      Der Kommentar geht aber am eigentlichen Anliegen von Daniel Günther vorbei: Die Wahlniederlagen werden als Schwungrad für die Inbetriebnahme des parteiinternen Personenkarussells mißbraucht. So hat sich bereits die SPD selbst massakriert, das muß man ja nicht unbedingt nachmachen.

    • da war es höchste Zeit das Friedrich Merz mit offenem Visier nach vorne tritt und Führung einfordert und ebenso das er es anbietet diese zu liefern. Ein echte Wohltat in dem verschreckten Haufen der "Weichspüler" die oftmals nicht mehr wissen wie man mit mündigen Bürgern umgehen kann. Mir bleibt es zu hoffen, das sich auf dem Bundesparteitag in Leipzig eine deutliche Mehrheit für einen Kanzlerkandidaten Friedrich Merz ausspricht und der dann die Erosion an der Basis der CDU/CSU beendet. Es muss ein Führungsanspruch aus der Mitte der Republik erarbeitet und kommuniziert werden. was will Herr Günther denn hier bewegen, mit SED/Linke Herr Ramelow einen Dialog führen, die SPD streicheln, Grün geht natürlich auch irgendwie..., bitte einfach wieder in Deckung gehen hinter Frau Merkel!

    • In Deutschland gibt es rund 17,5 Millionen Menschen, die 65 Jahre oder älter sind, die rund 21 % der Bevölkerung ausmachen. Es ist schon erstaunlich, wie Politiker diese Kohorte diskriminiert, wobei es nicht nur um "Pöstchen" in den Regierungen geht. Ich denke da an ca. 9 Millionen Senioren in der KFZ-Versicherung die von etwa 8 % ab 65 Jahren und bis etwa 100 % ab 80 Jahren bei über 30 Jährigen unfallfreien Verläufen zahlen müssen. Oder die doppelten Krankenkassenbeiträgen bei den Betriebsrentnern. Mir fällt auch auf, dass Abgeordnete nicht einmal die Probleme. Erst ein Petitionsverfahren hat schließlich ein wenig Bewegung zu der Benachteiligung der Älteren in dieser Gesellschaft geführt.
      Der MP Günther hat sich meiner Meinung nach deutlich im Ton in der Sache vergriffen.

    • Hat er das nötig? - Man sollte es vielleicht einmal ausprobieren, was Herr Merz kann. Irgendwo ist auch ein Kanzlerkandidat aus den Reihen der CSU angesprochen worden. Das hat bisher noch nie funktioniert!

    • Bei dem Titel brauch ich mir den Kommentar von Herrn Sigmund erst garnicht durchlesen! Meinem Bauchgefühl nach geht es Friedrich Merz nicht um die CDU oder gute Politik sondern nur um sich selbst!

    • Es geht bei Daniel Günther um Profilierungssucht.
      Wenn er meint, einen Politiker von Format aus den eigenen Reihen anzugreifen, dann
      ist er wirklichkeitsfremd. Denn immer noch sollte die persönliche Geisteshaltung über die der Parteipolitik stehen. Einem Staatsbürger bleibt ja nicht verborgen, wohin die
      Parteipolitik führen kann.

    • Dabei sind sie das Rückgrat der CDU..........
      welches Rückgrat?

    • ... das unglückliche Agieren von AKK und die zunehmende internationale Bedeutungslosigkeit unserer Regierung führen nicht zur Stärkung der GroKo, auch nicht zur internationalen Stärkung Europas. Auch glaube ich nicht mehr an das Heil von Proporz-/Quotendamen. Auch auf die schwierigen Auftritte eines Jungspunds Daniel Günther folgen keine Erneuerung. Bleibt abzuwarten welche durchschlagenden Erfolge er einmal bilanzieren wird. Für eine Straffung der politischen Ziele mit technisch-wirtschaftlicher Aufholjagd bedarf es des Wechsels zu einer männlichen Kanzlerschaft. Sie ist von Nöten und kann gerne von Herrn Merz probiert werden...

    • Die CDU ist genau so wie die SPD dem Untergang geweiht wenn sie es nicht schaffen ihre Regierungskoalition die nur noch der eigenen Versorgung dient zu beenden. Ob Herr Merz es schafft genügend Unterstützer zu mobilisieren ? Wenn nicht dann wäre es für unser Land schlimm.

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