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Kommentar Flughafen-Streik: Auch Verdi muss das Streikrecht schützen

Mit Streiks wie dem am Frankfurter Flughafen praktiziert Verdi eine gefährliche Gratwanderung. Mehr Vernunft würde guttun – auf allen Seiten.
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Die Gewerkschaft Verdi hat an verschiedenen Standorten zu mehrstündigen Warnstreiks aufgerufen. Quelle: dpa
Flughafen Schönefeld

Die Gewerkschaft Verdi hat an verschiedenen Standorten zu mehrstündigen Warnstreiks aufgerufen.

(Foto: dpa)

„Unverhältnismäßig“, „Warnstreik ad absurdum geführt“ – die Luftfahrtbranche tobt. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sorgt im Tarifstreit um eine bessere Bezahlung des Sicherheitspersonals an den Flughäfen mit ihrer Guerillataktik für Ärger. Am Dienstag wird es den dritten Ausstand innerhalb weniger Tage geben – dieses Mal mit massiven Auswirkungen auf den Luftverkehr. Denn mit Frankfurt ist das größte deutsche Drehkreuz betroffen.

Nun sind Arbeitgeber- und Branchenverbände schnell mit Aussagen wie die oben erwähnten zur Hand, wenn es zu einem Arbeitskampf kommt. Festzuhalten bleibt: Ein Streik ist ein legitimes Mittel zur Durchsetzung von Forderungen für die Mitarbeiter. Ein Ausstand ist hinzunehmen, so ärgerlich er auch sein mag. Das Streikrecht ist ein Gut, das nicht anzufechten ist und geschützt werden muss.

Allerdings ist dieser Schutz auch Aufgabe von Gewerkschaften. Das wird zuweilen vergessen. Kein Wunder: Deutsche Arbeitsgerichte schlagen sich im Bewusstsein um den Wert der Tarifautonomie im Zweifel auf die Seite der Arbeitnehmervertretungen. Eher selten wird ein Streik für illegal erklärt.

Dennoch ist das, was Verdi seit einiger Zeit praktiziert, eine Gratwanderung. Die Funktionäre dehnen den Begriff des Warnstreiks extrem – nicht erst im aktuellen Tarifkonflikt um das Sicherheitspersonal. Auch der mehrtägige Arbeitskampf der Geldtransporteure war offiziell ein Warnstreik.

Die Machtprobe mit den Arbeitgebern ist nicht überraschend und eine Folge der Fragmentierung auf Gewerkschaftsseite. Spartengewerkschaften – häufig Vertretungen für Berufe mit einem hohen Potenzial, eine ganze Branche lahmlegen zu können – haben es vorgemacht, wie man hohe Forderungen durchsetzt. Verdi kopiert diese Strategie dort, wo es möglich ist. Und das ist nun einmal der Infrastrukturbereich – seien es Geldtransporte, Kitas oder eben die Flughäfen.

Die Strategie ist verständlich und für sich genommen auch nicht zu kritisieren. Dennoch sollten sich die Verdi-Verantwortlichen im aktuellen Arbeitskampf an den Flughäfen doch einmal zurücklehnen und ihr Verhalten in Ruhe reflektieren.

Nach dem Dienstag sollte Waffenruhe herrschen. Beide Seiten brauchen Zeit zum Nachdenken – die Arbeitgeberseite, ob sie nicht doch noch was drauflegen kann, und die Arbeitnehmerseite, ob ein Stundenlohn von 20 Euro für einen Anlernberuf nicht doch etwas arg hoch gegriffen ist. Mehr Vernunft auf allen Seiten würde gut tun – nicht zuletzt der Luftfahrt in Deutschland, die nach dem Chaosjahr 2018 dringend wieder Normalität braucht.

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