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Kommentar Ford muss mehr tun, als Mitarbeiter zu entlassen

Ford hat Trends wie Elektroautos oder Carsharing zu lange verdrängt. Der Konzern aus Detroit muss dringend aufholen – und nicht nur Kosten senken.
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Fords Stellenstreichungen und Werksschließungen in Europa sind Teil einer größeren Strategie des neuen Vorstandsvorsitzenden Jim Hackett. Quelle: Photothek/Getty Images
Ford-Fabrik in Köln

Fords Stellenstreichungen und Werksschließungen in Europa sind Teil einer größeren Strategie des neuen Vorstandsvorsitzenden Jim Hackett.

(Foto: Photothek/Getty Images)

„Ford – die tun was“: Damit hat der amerikanische Autohersteller in Deutschland lange geworben. Jetzt tun die Amerikaner tatsächlich etwas – sie bauen in Europa Tausende Arbeitsplätze ab, verhandeln mit den Arbeitnehmervertretern über Sozialausgleich und Werksschließungen.

Für die Beschäftigten etwa in der Europazentrale in Köln ist das bitter. Doch es ist ein Vorgeschmack auf die größeren Umwälzungen, die bei dem US-Konzern anstehen.

Dass Ford etwas tun muss, steht außer Frage. Nicht nur das Europageschäft, auch der Konzern als Ganzes befindet sich mitten in einer Identitätskrise in der neuen Autowelt.

Und damit steht Ford nicht allein, denn auch General Motors und Fiat-Chrysler kämpfen mit massiven Problemen. Alle drei großen Autobauer aus Detroit drohen die Neuzeit der Autowelt zu verpassen. Elektroautos, autonomes Fahren, Carsharing – all diese Trends haben die Amerikaner lange verdrängt.

Nun steuern sie gegen. Fords Stellenstreichungen und Werksschließungen in Europa sind Teil einer größeren Strategie des neuen Vorstandsvorsitzenden Jim Hackett. Er hat das Kernproblem erkannt: Ford schreibt zwar insgesamt immer noch Gewinne. Das liegt aber vor allem an seinem noch starken US-Geschäft.

Die Amerikaner kaufen dank boomender Wirtschaft und niedriger Steuern nach wie vor freudig vor allem spritfressende SUVs und Pick-ups. Der Erfolg fußt fast vollständig auf dem Riesen-Pick-up F-150. Der ist für 90 Prozent der Gewinne verantwortlich. Dieses Klumpenrisiko ist für Ford höchstgefährlich. Denn im Rest der Welt sieht es düster aus.

In Südamerika und Asien schreibt der US-Autobauer rote Zahlen – sogar in China, wo andere Hersteller prächtig verdienen. Ford Europa hat in den vergangenen fünf Jahren fast eine Milliarde Dollar Verlust eingefahren. Das kann sich der Konzern nicht mehr leisten. Immerhin hält Ford am kriselnden Europageschäft fest, während Erzrivale General Motors sich mit dem Verkauf der europäischen Problemtochter Opel an PSA schon 2017 vom Kontinent zurückgezogen hat.

Autowelt strukturiert sich neu

Doch auch General Motors greift angesichts des Wandels in der Autowelt massiv durch. Konzernchefin Mary Barra hat bereits vor einigen Wochen eine weitreichende Restrukturierung angekündigt, die auch den amerikanischen Heimatmarkt betrifft. 14.000 Stellen fallen weg, fünf nordamerikanische Werke schließen. Und das, obwohl das Unternehmen zumindest bei Umsatz und Gewinn immer noch sehr gut dasteht.

GM hat ebenso wie Ford die vergangenen Boomjahre nicht dazu genutzt, die hohen Schulden zu senken. Das könnte sich bald rächen, wenn die Konjunktur sich abkühlt und die Käufer nicht mehr so freudig wie bisher zugreifen.

Bei Fiat-Chrysler sieht die Lage zumindest in Sachen Schulden besser aus. Doch alle drei führenden amerikanischen Autobauer leiden darunter, dass sie sich viel zu spät auf die sich abzeichnende neue Automobilwelt einstellen, die von E-Antrieben und Mobilitätsdiensten geprägt ist. Diese Trends haben die Amerikaner lange verdrängt – zu gut lief das Geschäft mit benzinfressenden Pick-ups und SUVs.

Doch nicht zuletzt der Erfolg von Tesla hat ihnen klargemacht, dass es sogar auf dem US-Markt eine Nachfrage für E-Autos gibt. Hinzu kommen die immer strengeren Anforderungen bei Emissionen weltweit.

Jetzt versuchen die US-Hersteller fast verzweifelt aufzuholen. GM immerhin ist bei den neuen Technologien noch besser positioniert als die anderen und hat bereits Milliarden in neue Technologien investiert.

Volkswagen konnte Ford helfen

Ford hinkt hinterher und muss nun aufholen – und dabei könnte auch Volkswagen helfen. Voraussichtlich noch in der kommenden Woche wollen die Amerikaner mit VW Einzelheiten zu ihrer neuen Kooperation bekanntgeben. Bereits im Juni hatten die beiden Unternehmen eine Zusammenarbeit bei Nutzfahrzeugen angekündigt.

Nach dem Besuch im Weißen Haus Anfang Dezember hatte VW-Vorstandschef Herbert Diess noch eine weitgehende Zusammenarbeit in Aussicht gestellt. Für Ford wäre der Deal mit VW eine gute Gelegenheit, in relativ kurzer Zeit wichtiges Know-how zu erlangen. Während Volkswagen etwa in die Ford-Sparte für autonomes Fahren investieren könnte, könnte Ford im Gegenzug von der Technologie für Elektrofahrzeuge profitieren.

Ford-Chef Hackett spricht gern in Sportmetaphern und nennt den Stellenabbau „Fitnessprogramm“. Weltweit hat er damit das Ziel ausgegeben, die Kosten bis zum Jahr 2022 um mehr als 25 Milliarden Dollar zu senken. Aber reines Cost-Cutting ist noch keine Erfolgsstrategie. Es kann zwar kurzfristig helfen.

Langfristig braucht das Unternehmen aber Modelle und Technologien, die die Kunden auch kaufen oder mieten wollen. Wenn Hackett auch in Zukunft in der Automobilwelt oben mitspielen will, muss er zeigen, dass Ford wirklich etwas tut.

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