Kommentar Frankreich droht der Herbst der Empörung

In Frankreich haben die Sozialisten bereits einen Großteil ihres Wahlprogramms umgesetzt. Doch ihre Popularität schwindet. Langsam merken die Bürger, dass die Reichensteuer auch nach hinten losgehen könnte.
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Der Autor ist Korrespondent in Paris. Quelle: Pablo Castagnola

Der Autor ist Korrespondent in Paris.

(Foto: Pablo Castagnola)

Bei einer Regel kennen die Franzosen keinen Spaß: Mit dem August beginnt die Ferienzeit. Das gilt für die Arbeiter von Peugeot und Citroën, die um ihren Arbeitsplatz bangen, genauso wie für die Minister der erst seit Juni amtierenden Regierung, die sich noch über ihre Posten freuen und zum Teil nicht richtig in ihren neuen Büros eingerichtet sind.

Doch richtig glücklich werden in diesem Sommer weder die einen noch die anderen: Die Sozialisten haben zwar bereits einen großen Teil ihres Wahlprogramms abgearbeitet, vor allem die angekündigten Steuererhöhungen für wohlhabende Franzosen, doch ihre Popularität nimmt bereits ab. Die Arbeitnehmer erkennen - falls sie es vorher nicht auch schon wussten -, dass es ihr Los nicht unmittelbar verbessert, wenn die Reichen stärker belastet werden.

Premier Jean-Marc Ayrault hat seinen Ministern ein paar mahnende Worte mit auf den Weg in den Urlaub gegeben: Im Herbst werde man sehr genau auf die Lage der Unternehmen achten und die Wettbewerbsfähigkeit der ganzen Volkswirtschaft verbessern müssen. Man hört das nicht zum ersten Mal, doch noch immer ist nicht klar, was genau die Regierung sich darunter vorstellt.

Nur vage zeichnet sich ab, dass sie die Belastung des Faktors Arbeit mit Sozialabgaben verringern will. Doch zunächst hat sie das Gegenteil getan, nämlich die Rentenbeiträge erhöht. Eine große Umfinanzierung schwebt ihr vor, weg von Sozialbeiträgen, hin zu Steuern.

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9 Kommentare zu "Kommentar: Frankreich droht der Herbst der Empörung"

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  • Ich weis auch nicht wie lange es dauert, bis das ein jeder versteht. Die Arbeit der Politiker ist nicht auf nur ein paar Jährchen zu bewerten, sondern auf längere Frist. Wenn man aber nicht immer auf dem ganzen Sozialgeschätz herumdrücken würde, hätten wir es auch besser.

  • Nach der Meinung unseren gut Menschen (SPD und Grüne) sollen wir jedem unseres Steuergeld in den Rachen werfen, ob Griechen oder Italiener, es gibt halt Mentalitäten die wir nicht so verstehen können. Ich verstehe auch nicht das unsere Renten so niedrig sind, das Arbeitslosengeld mit einem Namen"Harz" bennant wird, einem Namen was für Koruption und Selbsherlichkeit steht. Tja wehlen wir weiter die Gutmenschen, bleiben wir weiter so blöd, den wie gesagt mit blöd regiert sich gut.

  • „Haben denn die Sozialisten oder gar die Komunisten jemals ein Land auf Vordermann gebracht?“


    1) Marktwirtschaft, richtig angewandt, ist ganz sicher treibender Motor.

    2) Konzerne sind nicht mehr für das Wohl der Menschen zu lenken (Abwanderung in Billigländer, Zerstörung von Klein- und Mittelstand über „Vertriebsstärke“)

    3) Zinseszins, Geld aus dem Nichts schöpfen, das kann Marktwirtschaft nicht kompensieren.

    4) Zu Ihrer These, wie dieses „tolle“ System die Welt „auf Vordermann gebracht“ hat:

    a) Es geht nicht um den Euro!
    Es ist eine Systemkrise!
    Der Dollar ist am sterben, in den USA geht eine Stadt nach der anderen Pleite,
    auch der Boom in China konnte keine stabile Währung gewährleisten

    b) Vergiftung der Meere mit Schwermetallen, Plasteabfällen, Verseuchung des Grundwassers, kranke Tiere durch Massentierhaltung, denaturierte Lebensmittel, chronischen Krankheiten, u. a. Depressionen, Burnout, Alzheimer/Demenz, sogen. Altersdiabetes bei Kindern, Todesursache Nr. 1 Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Jugend- und Massenarbeitslosigkeit, Korruption und organisierte Kriminalität in allen Bereichen, auch in der Medizin, Beispiel Organtransplantation, gefälschte Studien, giftige Medikamente etc.

    c) Diese „tolle“ System wollte unter dem Vorwand einer Euro-Krise die Demokratie über den ESM auszuhebeln!


    Wir müssen uns klar werden, wie wir die Welt lebenswert gestalten, wie wir die Ursachen der Krisen dauerhaft beseitigen.
    Ganz sicher nicht über Sprücheklopfer, wie Draghi, oder die deutschen Wendehälse, die für den ESM gestimmt haben und nun das Gegenteil behaupten.

    Lassen wir die anderen Länder ihren Weg finden.

    Fangen wir bei uns in Deutschland an!

    verfassungsbeschwerde.eu bereits 35 000 Zeichnungen!

    mehr-demokratie.de


    Harald Münzhardt

  • Das sehe ich Anders. Schröder hat das Problem erst geschaffen. Die Südländer müssen billiger werden und die Nordländer eher teurer, so die gängige Meinung. Unabhängig von der schreienden Ungerechtigkeit dass Jemand Jahrzehnte einbezahlt hat und dann bei Arbeitsplatzverlust abgestraft wird, ist es doch so, dass die Deutschen wettbewerbsfähiger geworden sind, was nach der Theorie die Südländer hätten tun müssen. Das Ergebnis ist erschütternd: nun sollen die Deutschen für den Süden zahlen (nach all den sozialen Schmerzen), der Schuss geht nach hinten los. Das Ergebnis fühlt sich für mich wie Sklaverei an. Zumindest derzeit, wenn sich nicht noch etwas ändert an dem unheilvollen Ablauf dieser Geschichte. Das alte System war besser, brachte Frieden in Europa, nun wollen die Deutschen auch den Wettbewerb gewinnen, was die Südländer nicht schaffen, also Jeder gegen Jeden, und Verlagerung des Problems "wer zahlt"? Das ist schlimm sehr schlimm. Für mich ist das derzeitige System am Ende. Und eine Änderung erschaaft wegen der weltweiten Vernetzung "Feinde". Wie soll Deutschland da wieder rauskommen?

  • Und wenn die Betriebe dann abwandern, das Geld knapp wird, muß Hollande keine Angst ahben.
    Deutschland zahlt dann ganz bestimmt.
    Es sei denn, die Franzosen machen eine zweite Revolution wie eisnt 1798.
    Und diese schwappt dann üb r zu uns.
    Dann würde vielleicht das große Reinemachen beginnen

  • "Haben denn die Sozialisten oder gar die Komunisten jemals ein Land auf Vordermann gebracht?"

    Eher vielleicht ein JEIN. Wo wäre Deutschland denn in den Jahren 2008 bis heute gestanden ohne die Schröderschen Reformen. Die haben uns wirtschaftlich schon was gebracht, nur halt nicht der breiten Masse und darin liegt halt des Pudelskern.

  • In Deutschland haben auf jeden Fall die Konservativen mit dem Versprechen zum Euro, der Organisation der Einheit aus der Portokasse und den EURO-Rettungsschirmen unter Kohl und Merkel die größten Böcke der letzten 50 Jahre geschossen. Schröder dagegen kann man ehr Dinge wie die EEG-Umlage oder den Griechenland-Beitritt zum Euro anlasten. Die ach so guten Haushälter der Konservativen haben die Schulden in ungeahnte Höhen getrieben, das hätte die SPD nicht schlimmer machen können...

  • Haben denn die Sozialisten oder gar die Komunisten jemals ein Land auf Vordermann gebracht? " N E I N ! " und nochmals nein. Das einzige was die sozialistischen Systeme versuchen ist, dass alle Bewöhner ihrer Partei so angenehm leben können, wie bisher die Reichen und die Fleissigen.
    So ist es doch.... ob man das lesen will oder nicht !

  • Je eher die Franzosen kapieren, das sie mit Hollande auf dem Holzweg und auf dem totalen Abstieg sind, umso besser. Sarkozy war deren letzte Chance. Enorm hohe Staatsverschuldung, keine Wettbewerbsfähigkeit, denn man will ja mit 60 in Rente und nicht auf hohe Löhne verzichten, die Franzosen gehen ja bekanntlich wegen jedem Pups auf die Straße, -selbst 17-jährige, die noch nie gearbeitet haben, streiken für die Rente mit 60- sowie hohe Arbeitslosigkeit, massive Überfremdung des Landes und keine industrielle Mittelschicht wie bei uns, die den Karren aus dem Dreck zieht. Überdies ein verträumter Hollande, der den Leuten das "Blaue vom Himmel" verspricht und nicht mit Geld umgehen kann. Frankreich, reformier' Dich nachhaltig, so wie wir es auch gemacht haben. Ansonsten: Gute Nacht. Und nicht bei uns betteln kommen.

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