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Kommentar Frankreichs Handyverbot in Schulen ist ein Armutszeugnis

Frankreich verbietet alle internetfähigen Geräte in der Schule. Tatsächlich sind Handys oft eine Pest im Unterricht. Doch sie können ihn auch vereinfachen.
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Paris verbietet in den Schulen sämtliche internetfähigen Geräte. Quelle: dpa
Handyverbot an Schulen

Paris verbietet in den Schulen sämtliche internetfähigen Geräte.

(Foto: dpa)

BerlinDie französische Nationalversammlung hat ein Wahlversprechen von Präsident Emmanuel Macron wahr gemacht: Paris verbietet in den Schulen sämtliche internetfähigen Geräte. Und das selbst bei Schulveranstaltungen außerhalb der Schule.

Viele deutsche Lehrer werden neidvoll aufseufzen. Kämpfen sie doch vielfach hilflos gegen die Konkurrenz der digitalen Hosentaschenwunder wie einst Don Quijote gegen Windmühlenflügel. Dennoch: Ein Verbot ist allenfalls die zweitbeste Lösung.

Sicher, vielfach sind Handys im Unterricht die reine Pest: Wer unter dem Tisch WhatsApp-Nachrichten schreibt oder Youtube-Videos schaut, bekommt weder mit, was Lehrer sagen, noch kann er oder sie sich an einer Gruppenarbeit beteiligen.

Wie groß die Versuchung ist, wissen die Erwachsenen selbst, die in mancher langweiligen Sitzung verstohlen aufs Smartphone linsen. Nicht zufällig versuchen umsichtige Eltern, zumindest die Mahlzeiten mit der Familie handyfrei zu halten. Konzentration muss man einüben. Daher ist es richtig, Handys im Unterricht einzusammeln und zu Pause wieder auszugeben. Einerseits.

Andererseits ist es ein Armutszeugnis. Denn ein Verbot von ganz oben nimmt Schülern und Lehrern die Möglichkeit, den sinnvollen Einsatz des modernen Zaubergeräts zu üben. Heute haben in Deutschland 98 bis 99 Prozent aller Schüler ab 14 Jahren ein Smartphone – es herrscht also Vollversorgung. Doch seine unendlichen Möglichkeiten werden im Unterricht nicht einmal im Ansatz genutzt.

Sinnvolle Ergänzung

Schüler könnten in Geografie in Bruchteilen von Sekunden Karten aufrufen, Bilder von Napoleon ansehen, in Biologie den Tapir googeln – Beamer oder gar Karten, die erst angeschlossen oder herangeschleppt werden müssen, erübrigen sich. Sie könnten Fotopräsentationen erarbeiten und Filme drehen – wenn man sie lässt und anleitet.

Und es geht auch keinesfalls nur um Begleitung des Unterrichts oder spezielle Projekte. Warum in einem Wörterbuch blättern, wenn ich die Vokabel im Internet schneller finde – und sie mir sogar vorlesen lassen kann, bei Bedarf wahlweise in britischem oder amerikanischem Englisch? Warum im Mathebuch mühsam nach Pi oder Pythagoras suchen, und nicht auf Wikipedia? Die Möglichkeiten sind unendlich.

Projekte dazu gibt es in Deutschland bereits an vielen Stellen: In Bayern gehen eine Handvoll ausgesuchte Schulen voran, in Hamburg startet in wenigen Wochen eine Plattform für Lehrer, die ihnen sinnvolle Apps für den Unterricht empfiehlt. In Thüringen machen schon Grundschüler einen „Medienpass“.

Sicher, all das kommt sehr spät, deutsche Technikskepsis hat es lange gerade an den Orten verhindert, an denen wir doch eigentlich unsere Kinder auf die Zukunft vorbereiten sollen. Doch es kommt.

Dafür brauchen die Schulen Unterstützung: Freiräume für die Lehrer, die sich engagieren, kostenlose Weiterbildungen und einen Geist der Experimentierfreude. Die Technik hingegen ist zweitrangig. Denn das Handy ist in den Hosentaschen vorhanden – es muss nur genutzt werden.

Eine unabdingbare Voraussetzung braucht es allerdings: ein funktionierendes High-Speed-Wlan in den Schulen. Davon sind wir weit entfernt: Aktuell gibt es Wlan nur an vier von zehn Schulen – und es ist meist nicht mal zur Nutzung für die Schüler gedacht. Hier kann und muss der vom Bund versprochene Digitalpakt schnell Wunder wirken.

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