Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Rentner-Paar im Park

Warum nicht selbst über das Rentenalter entscheiden?

(Foto: dpa)

Kommentar Frühe Rente oder arbeiten bis 69: Jeder sollte selbst entscheiden

Die Bundesbank will die Menschen länger arbeiten lassen. Was demografisch richtig ist, ist politisch heikel. Sinnvoller wäre ein anderes Modell.
4 Kommentare

Unter dem demografischen Blickwinkel hat die Bundesbank völlig recht. Die Menschen in Deutschland sind in der glücklichen Lage, immer älter zu werden und dabei gesund zu sein. Die Zentralbanker weisen auf die Kehrseite dieses wundervollen Umstandes hin. Die umlagefinanzierte Rentenversicherung kann diesen demografischen Wandel nicht mehr stemmen.

Wie viele andere sind die Bundesbanker aber nicht mutig genug zu sagen, dass die Renten dann gekürzt werden müssten. Deshalb wird empfohlen, länger zu arbeiten. Natürlich gibt es das Phänomen der jungen Alten, denen man durchaus zutrauen kann, länger im Berufsleben zu bleiben. Aber es besteht auch die Gefahr, dass sie in den Unternehmen auf die gefürchteten Elefantenfriedhöfe verschoben werden.

Dort sind all die, die aus welchen Gründen auch immer, das Tempo nicht mehr mithalten können oder nicht mehr wollen. Darunter fällt nicht nur der oft genannte Dachdecker, der angeblich später in der Materialausgabe arbeiten soll. Vielleicht hilft ja der Fortschritt mit Robotik und Künstlicher Intelligenz, dass das Arbeiten im Alter einfacher wird.

Sicher aber ist das nicht. Die Erfahrung lehrt eher, dass die Jungen mit neuen Technologien und Ansätzen umgehen können.

Viel klüger wäre es, den Renteneintritt zu flexibilisieren. Wer will, darf schon mit 60 gehen. Er muss es sich eben leisten können und die Abschläge aus eigener Tasche zahlen. Umgekehrt sollte man keinen 68-Jährigen daran hindern, im Beruf zu stehen, wenn er das möchte.

Aber da müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Flexible Arbeitszeitmodelle sind genauso wichtig, wie steuerlich günstige Hinzuverdienstmöglichkeiten. Auch die Weiterbildung sollte steuerlich gefördert werden.

Die Koalition tut das Gegenteil. In der letzten Legislaturperiode hat sie die Rente mit 63 eingeführt. Jetzt will sie die Rentenkasse mit der Grundrente belasten. Der Vorschlag der Bundesbanker kommt da wie ein Warnschuss gegen Union und SPD daher. Unterm Strich bleiben die Bürger verwirrt zurück.

Die Politik sagt ihnen: Ihr könnt mit 63 in Rente gehen. Die Experten der Bundesbank wollen die Leute bis knapp 70 im Arbeitsmarkt halten. Rentenpolitik ist eben für die Politik eine heiße Kartoffel. Wer sagt den Bürger schon gerne, dass sie länger arbeiten müssen.

Glaubwürdiger wäre die Empfehlung der Bundesbanker allerdings, wenn sie auch die immensen Pensionslasten der Beamten stark herausstellen würden. Hier rollen hohe Finanzierungskosten auf die Steuerzahler zu. Man darf auch gespannt sein, ob die Bundesbank mit gutem Beispiel vorangeht und in der eigenen Zentrale in Frankfurt bald viele knapp 70-Jährige beschäftigt.

Mehr: Die Bundesbank empfiehlt, das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln.

Startseite

Mehr zu: Kommentar - Frühe Rente oder arbeiten bis 69: Jeder sollte selbst entscheiden

4 Kommentare zu "Kommentar: Frühe Rente oder arbeiten bis 69: Jeder sollte selbst entscheiden"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Laut einer aktuellen WHO-Studie hat Deutschland ohnehin die niedrigste Lebenserwartung aller 22 westeuropäischen Länder. Was gerne verschwiegen wird – nicht Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck oder Fettleibigkeit, sondern Armut, Arbeitslosigkeit und schlechte Bildung sind die größten Risiken für die Gesundheit. Forscher des Max-Planck-Instituts haben erst jüngst in einem Artikel im angesehenen British Medical Journal dargelegt, dass Arbeitslosigkeit das Sterberisiko verdoppelt. So dürfte die Agenda-Politik der Bundesregierung – neben den beschriebenen methodischen Fehlern der Statistik – zeitversetzt ganz maßgeblich dazu beigetragen haben, dass die Lebenserwartung der Deutschen ihren Höhepunkt offenbar erreicht, wenn nicht gar überschritten hat. Diese wichtigen Faktoren tauchen jedoch nicht in den Modellen des statistischen Bundesamts und schon gar nicht in der manipulativen Prognose der Bundesbank auf. Und so werden die toxischen Nebenwirkungen der Neoliberalen Politik verschwiegen, um für eine Verstärkung ebenjener im wahrsten Sinne des Wortes tödlichen Politik zu trommeln.

  • Schuster bleib bei deinen Leisten sagte man früher" Wer von dem nichts versteht, sollte schlicht und ergreifend den Mund halten. Aber da die Herrchaften eh nicht betroffen sind, kann man natürlich mit solchen Daten, die so ungenau sind, dass man damit alles erreichnen kann, aber mit Sicherheit nicht wie alt die Menschen dann werden.

    Ungeachtet dessen nicht das Alter sondern die Produktivität eines Landes ist entscheidend. Würden so wie früher üblich die Produktivitätssteigerungen eins zu eins auf die AN übertragen plus Inflationsausgleich, würde man überhaupt keine Probleme haben. Im Gegenteil, Österreich, Schweiz, Holland oder die Skandinavischen Länder machen es doch vor? Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in den o.g. Ländern keine Beitragsbemessungsgrenzen und es werden auch alle Einkunftsarten zur Berechnung herangezogen? Und haben diese Länder auch im Gegensatz zu Deutschland eine Vermögenssteuer, sowie eine Erbschaftssteuer die den Namen auch verdient.

    Aber um auf die Zahlen einzugehen, die sind sehr manipulativ,Wie die Bundesbank manipuliert hat, zeigt die folgende Grafik aus ihrem Monatsbericht. Offenbar hat man ganz einfach die – statistisch wahrscheinlich fehlerhaft berechnete – Entwicklung von 1970 bis 2005 linear in die Zukunft extrapoliert und dabei die Abschwächung der Steigerung ab 2010 vollkommen ignoriert. Besonders auffällig ist auch, dass die aktuelle Stagnation und der Rückgang der Lebenserwartung von 2016 auf 2017 in der Grafik der Bundesbank überhaupt nicht berücksichtigt wird. Die durchgezogene Linie, mit der die „gesicherte“ Entwicklung aufgezeigt werden soll, weist am Ende eine Steigerung auf, die jedoch nicht durch die Zahlen des Statistischen Bundesamts gedeckt ist. Diese Grafik ist eine Manipulation.

  • Die Beamten der Bundesbank, die eh keinen Cent in die Rentenversicherung einzahlen,
    sollen ihre A u f g a b e n zur Zufriedenheit aller Deutschen wirklich ernsthaft nachkommen, (EZB, BAFIN,0-Zinsen usw.), statt sich um "ungelegte Eiern" zu kümmern.

  • Es wird zeit dass alle in die rentenkasse einzahlen! Auch Politiker, Selbstständige und Beamte. Es wird auch Zeit sich Alternativen in der Rent zu suchen z.B.: wie Norwegen oder Österreich. Aber die EZB zerstört mit Ihrer Niedrigzinspolitik jeder Art der Altervorsorge und nicht nur dass Herr Olaf Schäuble unser Finanzminister bringt nun noch die Finanztransaktionssteuer bei Aktienkäufen. das trifft wieder mal die kleinen Aktienanleger! Den die großen werden sich nach Luxemburg verziehen weil die nicht mitmachen. Danke Herr Scholz