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Kommentar Führungssuche: Eine Teamlösung passt nicht zur CDU

Die CDU liebäugelt mit einem Führungsteam an der Spitze. Die Geschichte zeigt: Keine gute Idee, denn Machtteilung liegt nicht in der DNA der Partei.
18.02.2020 - 18:19 Uhr Kommentieren
Viele CDU-Politiker fordern, dass ein Team ihren Posten füllen soll. Quelle: Bloomberg
Annegret Kramp-Karrenbauer

Viele CDU-Politiker fordern, dass ein Team ihren Posten füllen soll.

(Foto: Bloomberg)

Als Annegret Kramp-Karrenbauer vor neun Tagen ihren Verzicht auf Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur bekannt gab, war sie in einem Punkt sehr klar: Beide Ämter gehören aus ihrer Sicht in eine Hand. Wer Deutschlands stärkste Partei führt, muss auch den Anspruch haben, das Kanzleramt erobern zu wollen.

Doch je länger sich die Suche nach einer neuen Führung in der CDU hinzieht, desto lauter werden die Stimmen aus der Partei, die eine wie auch immer geartete Teamlösung an der Spitze fordern. So etwa Gesundheitsminister Jens Spahn, der selbst zum Kandidatenkreis zählt: „Es gibt ein hohes Bedürfnis bei unseren Wählern und unseren Mitgliedern, dass wir das im Team und mit viel Verantwortungsbereitschaft regeln.“

Mutmaßlich meinte er damit, dass man sich über die Führungsfrage besser nicht komplett zerstreiten sollte. Aber es gibt auch andere Funktionäre, die laut darüber nachdenken, ob nicht die CDU und, zu Ende gedacht, die gesamte Union von einer Doppelspitze, einer Troika oder gar einem Quartett geführt werden müsste.

In der Praxis könnte das bedeuten: Armin Laschet wird Parteivorsitzender, Friedrich Merz Kanzlerkandidat, Jens Spahn Fraktionsvorsitzender der Union im Bundestag. Und entrückt vom Parteien-Klein-Klein schwebt darüber im Kanzleramt auch noch Angela Merkel. Oder in einer etwas weniger NRW-lastigen Variante, die in Berlin spätestens nach dem zweiten Bier durchgespielt wird: Merz oder Laschet machen den Parteivorsitz, der CSU-Chef Markus Söder wird Kanzlerkandidat. Dass am Dienstag auch noch Ex-Umweltminister Norbert Röttgen seine Ansprüche auf den CDU-Vorsitz angemeldet hat, macht die Planspiele nicht einfacher.

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    Ob solch eine Aufteilung der Macht funktionieren würde, ist aus zwei Gründen fraglich. Erstens: Die handelnden Personen sind dafür nicht die richtigen. Vor allem Friedrich Merz, der Liebling des rechten Parteiflügels, ist in der Vergangenheit durch vieles aufgefallen, aber nicht durch übertriebene Teamfähigkeit. Andernfalls hätte er nach seiner Niederlage gegen Annegret Kramp-Karrenbauer auf dem Parteitag 2018 reichlich Gelegenheit gehabt, sich in dienender Funktion in der Parteispitze einzuordnen.

    Zweitens: Die Union wird nicht durch inhaltliche Projekte oder Debatten zusammengehalten, sondern durch den Willen zur Macht. Anders als bei der SPD oder den Grünen gibt es in CDU und CSU keine Tendenzen, um der ideologischen Reinheit willen mit der Oppositionsrolle zu liebäugeln. Man begreift sich als die natürliche Regierungspartei der Bundesrepublik, die man seit 1949 zusammengerechnet ja auch über ein halbes Jahrhundert lang war und ist.

    Merkels Macht wurde nie infrage gestellt

    Die Partei folgt demjenigen, der diesen Weg zur Macht weisen und sichern kann. Über 15 Jahre hinweg war das Angela Merkel als Parteivorsitzende und Bundeskanzlerin. Dass sie die Herrschaft im Bund festigte, indem sie die Partei inhaltlich nach links verschob, sorgte zwar für sonores Begleitgegrummel unter Mittelstandsfunktionären. Doch Merkels Macht wurde nie wirklich infrage gestellt.

    Ähnlich bei Helmut Kohl, ebenfalls Parteivorsitzender und Bundeskanzler. Ein halbherziger parteiinterner Putschversuch gegen ihn scheiterte 1989, anschließend regierte er unangefochten bis zu seiner Wahlniederlage 1998. Der greise Konrad Adenauer wiederum musste vom Koalitionspartner FDP gedrängt werden, 1963 endlich die Kanzlerschaft abzugeben. Den CDU-Vorsitz behielt Adenauer weiter.

    Umgekehrt sind alle Versuche, die Macht zu teilen, für die Union schlecht ausgegangen: Der Kurzzeitkanzler Ludwig Erhard war auch deshalb so schwach, weil ihm über lange Zeit der Parteivorsitz als zweite Säule der Herrschaft fehlte. Die beiden Kanzlerkandidaturen von CSU-Vorsitzenden, Franz Josef Strauß 1980 und Edmund Stoiber 2002, endeten jeweils mit Wahlniederlagen für die Union.

    Gesetzmäßigkeiten lassen sich aus diesen historischen Beispielen nicht ableiten, nur Wahrscheinlichkeiten. Die besagen: Die Union ist immer dann am besten gefahren, wenn sie sich hinter einem Mann oder einer Frau an der Spitze versammelt hat mit dem obersten Ziel, das Kanzleramt zu erobern oder zu verteidigen.

    Was nicht ausschließt, dass Spitzenfunktionäre in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit der Nummer eins andere inhaltliche Schwerpunkte setzen, von marktliberal-konservativ bis christlich-sozial. Im Gegenteil, diese Breite der Positionen gehört seit jeher zur Stärke der Union. Doch deutlicher noch als in anderen Parteien muss in der CDU jederzeit klar sein, wer Koch ist und wer Kellner.

    Gerade in der aktuellen Lage der CDU stehen die beiden aussichtsreichsten Kandidaten für den Parteivorsitz auch für eine klare inhaltliche Festlegung: weiter auf der Merkel-Linie mit Laschet. Oder Schwenk nach rechts mit Merz. Die CDU sollte sich rasch für eine dieser beiden Strategien entscheiden und dann das tun, was sie seit jeher am besten kann: geschlossen demjenigen folgen, der den Weg zum Machterhalt ebnet.

    Mehr: Mit Norbert Röttgen bekommen Spahn, Merz und Laschet einen weiteren Mitstreiter um den Chefsessel der CDU.

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