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Kommentar Für das Regime im Iran geht es ums Überleben

Nach dem Abschuss eines ukrainischen Passagierflugzeugs regen sich, trotz der Angst vor Repressionen, massive Proteste gegen die iranische Führung.
12.01.2020 - 17:41 Uhr Kommentieren
Iraner nehmen an einer Trauerfeier für die Opfer des Flugzeugabsturzes teil. Quelle: dpa
Proteste nach Flugzeugabsturz im Iran

Iraner nehmen an einer Trauerfeier für die Opfer des Flugzeugabsturzes teil.

(Foto: dpa)

Diese Rakete hat mehr als 176 Menschen an Bord des Flugs „Ukraine International PS 752“ getötet und die Herzen von deren Angehörigen und Freunden getroffen. Und dass die Führung in Teheran nach tagelangem Leugnen letztendlich eingestehen musste, die ukrainische Boeing 737 versehentlich abgeschossen zu haben, zerstört noch viel mehr: Erstmals gab das Regime damit öffentlich eine Lüge zu.

Zuvor war immer geleugnet worden, nie wurden Fehler eingestanden. Jetzt wissen die Iraner, dass sie von ihrer Führung belogen werden, und gehen empört auf die Straßen. Dass sie dies tun, obwohl sie wissen, dass Demonstrationen brutal niedergeschlagen werden (bei den Massenprotesten gegen die Benzinpreiserhöhungen kamen so Hunderte zu Tode), zeigt aber noch viel mehr: Es ist die tiefe Frustration, nun nicht einmal mehr aus Hoffnungslosigkeit, Wirtschaftsmisere und Tristesse fliehen zu können.

Denn an Bord der ukrainischen Maschine saßen gerade einmal zwei ukrainische Passagiere. Die anderen hatten die Billigroute via Drehkreuz Kiew zu günstigen Besuchen in der alten Heimat genutzt und waren auf dem Rückweg. Die Namensliste der Passagiere belegt, dass auch die allermeisten Kanadier, Briten und Schweden iranischstämmig waren. Immer mehr gut ausgebildete junge Perser wollen ihre Heimat verlassen.

Sie bietet durch die katastrophale Wirtschaftslage und die politische Repression kaum noch eine Zukunft. Viele haben es in Auswanderungsländer wie Kanada geschafft. Auch die durch den Abschuss gestorbene Polymer-Forscherin aus Mainz war in Teheran geboren worden.

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    Für die iranische Führung sind die Proteste brandgefährlich: Waren Tage zuvor noch Millionen für Proteste gegen die USA nach deren Ermordung des iranischen Generals Ghassem Soleimani auf die Straßen gegangen und hatten so das System gestärkt, brechen sich nun wieder die Regimegegner Bahn.

    Viele haben ihre Angst überwunden und für sich entschieden: Sie haben nichts mehr zu verlieren. So wird es jetzt bitterernst. Denn für das Regime geht es ums Überleben und für die Islamische Republik Iran um ihren Bestand.

    Dabei können die auf Irans Straßen Aufbegehrenden einen Unterstützer nicht gebrauchen, der schon wieder eifrig twittert: Donald Trump. Die USA sollten sich tunlichst aus dem Aufstand im Iran heraushalten.

    Veränderung kommt nicht durch ausländische „Regime-Change“-Fantasien, sondern nur von innen, ausländische Einmischung ist kontraproduktiv und gefährlich: Der Iran ist ein Vielvölkerstaat, der entlang ethnischer und konfessioneller Trennlinien genauso zerbrechen kann wie Nachbar Irak. Dann aber geriete der ganze Mittlere Osten in Brand. Nur: Die Friedhofsruhe à la Mullah-Regime ist auch keine Alternative.

    Mehr: Der Irak ist zum Hauptkriegsschauplatz in der Konfrontation zwischen dem Iran und den USA geworden: Wird das Land zerfallen?

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