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Kommentar Für den langfristigen Erfolg von SAP ist Flexibilität wichtiger als Kurspflege

Das neue Führungsduo des Dax-Konzerns dämpft die Erwartungen und enttäuscht die Aktionäre. Damit tut es dem Unternehmen jedoch einen Gefallen.
13.11.2019 - 16:29 Uhr Kommentieren
Das neue Führungsduo des Dax-Konzerns dämpft die Erwartungen der Aktionäre. Quelle: dpa
SAP

Das neue Führungsduo des Dax-Konzerns dämpft die Erwartungen der Aktionäre.

(Foto: dpa)

Falls Aktionäre gehofft haben sollten, dass SAP üppige Ausschüttungen ankündigt, dürften sie enttäuscht sein. Der Softwarehersteller hat auf einem außerordentlichen Kapitalmarkttag am Dienstag zwar „signifikante Rückzahlungen“ in Aussicht gestellt, diese aber an Bedingungen geknüpft und verbindliche Zusagen verweigert. An der verhaltenen Entwicklung des Aktienkurses zeigt sich, dass die Erwartungen an den Termin höher waren.

Mit der Anberaumung der Konferenz wie auch markigen Ansagen gegenüber den Akteuren auf den Finanzmärkten hat SAP unter der Führung des langjährigen Chefs Bill McDermott die Spekulationen selbst angefacht.

Dass seine Nachfolger Christian Klein und Jennifer Morgan im Zusammenspiel mit Finanzchef Luka Mucic nun die Luft rauslassen, ist trotzdem richtig: Für den langfristigen Erfolg ist ein Grundmaß an Flexibilität wichtiger als maximale Kurspflege. Es gilt daher, übertriebene Erwartungen auf ein realistisches Maß zu stutzen.

Das SAP-Management ist eigentlich in einer komfortablen Situation. Dem Softwarehersteller ist es gelungen, sich innerhalb eines Jahrzehnts neu auszurichten, und dabei weiter gute Geschäfte zu machen – eine selten zu beobachtende Kombination.

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    Heute beherrscht der Konzern das Cloud Computing, das die IT-Welt revolutioniert, und verspricht mit dem Programmpaket S/4 Hana den Kunden wichtige Hilfe bei der Digitalisierung. Die selbstbewusste Prognose für 2023 bezeugt die starke Position.

    Aktionäre dürfen weiterhin hoffen

    Dass die Aktionäre davon profitieren wollen, ist legitim. Der Hedgefonds Elliott Management ließ im Frühjahr wissen, dass er den Konzern für unterbewertet halte und eine deutliche Steigerung des Gewinns pro Aktie möglich sei. Elliott stand dabei stellvertretend für viele. Zurecht: SAP ist zu einer komplexen Organisation mit einer komplexen Produktpalette geworden, in der sich einiges effizienter gestalten lässt.

    Als Reaktion darauf hat SAP für 2020 bereits eine zusätzliche Ausschüttung in Höhe von 1,5 Milliarden Euro angekündigt, entweder als Sonderdividende oder als Aktienrückkauf. Auch in den Jahren danach dürfen Aktionäre auf zusätzliche Zahlungen hoffen, wie der Softwarehersteller jetzt den Investoren versprochen hat. Das Effizienzprogramm schaffe einigen Spielraum, sagte Finanzchef Mucic – und er wolle das Geld nicht horten.

    Allerdings sind weitere Ausschüttungen nur geplant, wenn nach Investitionen, Tilgung und Dividende ausreichend Mittel übrig bleiben. Diese dürften indes nicht so üppig sein, wie vielleicht einige angloamerikanische Investoren hoffen. SAP rechnet zwar damit, dass der Cashflow im kommenden Jahr 4,5 Milliarden Euro beträgt und danach beständig wächst. Das Unternehmen muss aber bis 2023 gut sechs Milliarden Euro Schulden zurückzahlen und es will sich etwas Spielraum bewahren.

    Diese Prioritäten mögen bei einigen Investoren auf Skepsis stoßen, aber sie sind strategisch sinnvoll. So stärkt die Entschuldung die Bilanz und schafft Möglichkeiten für künftige Ausschüttungen oder Investitionen. Und Übernahmen sind immer ein Mittel, um in der dynamischen IT-Welt auf Trends zu reagieren – selbst für vergleichsweise kleine Firmen werden schnell dreistellige Millionenbeträge fällig.

    Zudem muss der Softwarehersteller einiges tun, um die Kundenzufriedenheit zu steigern. Die Unternehmen fordern, dass die zahlreichen Produkte im Portfolio zusammenspielen. Das ist schließlich die Voraussetzung, um Routineaufgaben zu automatisieren oder bessere Entscheidungen zu treffen, was SAP stets als Argument anführt. Und die Kunden benötigen genaue Pläne für die Produktentwicklung, auf deren Grundlage sie die Digitalisierung ihrer Organisation planen können.

    Der Vorstand muss einen Balanceakt meistern

    Die massiven Beschwerden, die in den letzten Monaten an die Öffentlichkeit gelangt sind, sind für SAP ein deutliches Warnzeichen. Dass die neue Führungsspitze Ausgaben für Forschung und Entwicklung parallel mit dem Umsatz weiter steigern will und gleichzeitig eine Fokussierung auf die wichtigsten Geschäftsbereiche ankündigt, zeigt, Klein und Morgan haben das Problem verstanden.

    Zugleich haben sie aber auch die Chance erkannt – wenn der deutsche Konzern die Kunden wieder von sich überzeugen kann, ist das Marktpotenzial gigantisch.

    Der Vorstand versucht einen Balanceakt zwischen kurzfristigem Shareholder Value und langfristiger Unternehmensentwicklung. Aktionäre, die nicht nur auf einen schnellen Kursgewinn aus sind, sollten das als gutes Zeichen werten: Die neue Führung denkt über das Quartal hinaus.

    Auf Dauer kann SAP die Aktionäre allerdings nicht mit ungenauen Informationen stehen lassen. Wenn die vielen Initiativen, die das Management vorgestellt hat, einmal Wirkung zeigen, muss der Konzern konkreter werden, was er mit dem zusätzlichen Profit zu tun gedenkt: Verlässlichkeit ist wichtig. Dafür braucht es nicht einmal einen außerordentlichen Kapitalmarkttag, den Aktionären reicht auch eine schlichte Ad-hoc-Mitteilung.

    Mehr: Mehr Profit, aber auch mehr Kundenzufriedenheit: SAP will beides erreichen – und verspricht den Aktionären weitere Ausschüttungen.

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