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Kommentar Für Deutschlands Geldhäuser ist eine Konsolidierung unausweichlich

Den deutschen Banken geht es weiterhin schlecht. Ohne harte Einschnitte und Fusionen in ganz Europa wird das so bleiben.
10.12.2019 - 04:06 Uhr Kommentieren
Ohne eine Beschleunigung der Konsolidierung werden die deutschen Banken ihre Probleme kaum lösen können. Quelle: dpa
Frankfurter Banken bei Nacht

Ohne eine Beschleunigung der Konsolidierung werden die deutschen Banken ihre Probleme kaum lösen können.

(Foto: dpa)

Kurz vor Weihnachten läuft das Jahr für die meisten deutschen Konzernchefs langsam aber sicher aus. Nur noch ein paar Arbeitstage – und dann kommt die wohlverdiente Pause zwischen den Jahren. Christian Sewing, der Chef der Deutschen Bank, hat dagegen noch eine echte Bewährungsprobe vor sich - wieder einmal.

Am Dienstag muss Sewing beim großen Investorentag des Frankfurter Geldhauses Analysten, Fondsmanager und Großaktionäre davon überzeugen, dass sein Umbauplan wirklich funktioniert. Das ist eine alles andere als triviale Aufgabe. Denn seit Sewing den ohnehin komplexen Plan im Sommer auf den Weg brachte, hat sich das Umfeld noch einmal deutlich verschlechtert: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Minuszinspolitik zementiert, gleichzeitig trübt sich die Konjunktur in der Euro-Zone bedenklich ein.

Die Vorzeichen stehen schlecht, nicht nur für die Deutsche Bank, sondern für alle deutschen Banken. Eine Studie der Beratung Bearing Point bringt die wenig erfreuliche Lage auf den Punkt: Europas Banken kommen nicht vom Fleck, und die deutschen Institute hinken noch hinterher.

Deutschlands Banker, Aufseher und Politiker können es sich längst nicht mehr leisten, auf die Banken in anderen krisenanfälligen Ländern, vornehmlich in Südeuropa, mit dem Finger zu zeigen. Wenn die Verantwortlichen nicht schnell und entschieden handeln, drohen die heimischen Banken zum europäischen Problemfall zu werden.

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    Trüber Ausblick

    Bezeichnenderweise hat die große Ratingagentur Moody’s den Ausblick für die deutschen Banken gerade von stabil auf negativ herabgestuft. Grund: Die ohnehin schwache Profitabilität der Geldhäuser werde sich angesichts des widrigen Umfelds weiter verschlechtern. Fast gleichzeitig haben die Bonitätswächter den Ausblick für die italienischen Banken von negativ auf stabil geändert.

    Zwar schwächelt die italienische Wirtschaft noch immer, und der Staat bekommt seine Schulden nicht in den Griff, trotzdem kommen die Banken bei der Beseitigung ihres größten Problems, des Bergs fauler Kredite, voran. Zyniker könnten zu dem Schluss kommen, dass das Problem der italienischen Banken Italien ist, das Problem Deutschlands sind die deutschen Banken.

    Was muss geschehen, damit sich das ändert? Letztlich bleiben nur zwei Auswege: Die Banken müssen ihre Einnahmen deutlich steigern oder die Kosten massiv senken. Ersteres ist ziemlich unwahrscheinlich. Die brutale Konkurrenz auf dem deutschen Markt frisst die Margen auf, dazu kommt die verschärfte Minuszinspolitik der EZB. Beides zusammengenommen bedeutet, dass die Banken froh sein können, wenn sie ihre Erträge stabil halten.

    Bleiben also die Kosten. Die Branche spart zwar seit Jahren, aber effizienter geworden ist sie dadurch nicht. 2013 mussten Deutschlands Banken im Schnitt 69 Cent ausgeben, um einen Euro einzunehmen. Im vergangenen Jahr waren es über 74 Cent. Beide Zahlen liegen deutlich über dem europäischen Durchschnitt.

    Ein Ausweg aus der Misere ist die Digitalisierung, die den Geldhäusern neue Sparmöglichkeiten eröffnet. Künstliche Intelligenz und konsequente Automatisierung sorgen dafür, dass die Institute deutlich weniger Mitarbeiter brauchen werden. Das ist bitter für die Banker, für die Banken führt an einem weiteren Arbeitsplatzabbau allerdings kein Weg vorbei.

    Probleme für Sparkassen und Private Banken

    Wird das reichen, um Deutschlands Banken wieder auf Kurs zu bringen? Vermutlich nicht, denn die Digitalisierung ist für die klammen Geldhäuser erst einmal ein Kraftakt, der enorme Investitionen verschlingt. Diese Investitionen rechnen sich umso besser, je größer die Institute sind. Nicht nur deshalb wird an einer weiteren Konsolidierung kein Weg vorbeiführen.

    Am schwierigsten dürfte diese Aufgabe für die öffentlich-rechtlichen und die privaten Banken zu bewältigen sein. Im Genossenschaftslager werden an der Basis kleine Volks- und Raiffeisenbanken gezwungenermaßen weiter fusionieren. An der Spitze sind die Genossen mit einem einzigen Zentralinstitut, der DZ Bank, dagegen schon sehr effizient aufgestellt.

    Ganz anders die Sparkassen, die sich noch immer vier Landesbanken leisten. Eigentlich weiß jeder, dass sich das ändern muss, doch die verdienstvollerweise von Sparkassenpräsident Helmut Schleweis angestoßene Konsolidierungsdiskussion droht gerade im Klein-Klein der Partikularinteressen zerredet zu werden.

    Im Lager der Privatbanken haben sich Deutsche Bank und Commerzbank im Frühjahr zu Recht gegen eine Fusion entschlossen. Beide Institute müssen erst einmal konsequent ihre Altlasten beseitigen. Sobald diese schwierige Pflicht erledigt ist, wird sich aber erneut die Frage stellen, ob beide Häuser allein eine Zukunft haben.

    Im Rahmen einer früher oder später unausweichlichen Konsolidierung der europäischen Großbanken bliebe Deutscher Bank und Commerzbank aller Voraussicht nach nur die Rolle eines Juniorpartners. Angesichts dieser Aussichten könnte es sich für die beiden Institute in ein, zwei Jahren lohnen, die Frankfurter Bankenehe doch noch einmal einer wohlwollenden Prüfung zu unterziehen.

    Mehr: Deka will mit der Helaba über engere Zusammenarbeit sprechen.

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