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Kommentar Für Geimpfte darf es keine Sonderrechte geben

Die wirtschaftliche und soziale Teilhabe stehen auf dem Spiel: Würde der Impf- und Immunitätsstatus zu einem entscheidenden Kriterium, wären die Folgen fatal.
28.12.2020 - 17:38 Uhr 2 Kommentare
Hinter den Überlegungen, zwischen Geimpften und Nicht-Geimpften zu differenzieren, steht der unerreichbare Traum einer Nullrisikogesellschaft. Quelle: dpa
Button am Kittel eines medizinischen Mitarbeiters in Italien

Hinter den Überlegungen, zwischen Geimpften und Nicht-Geimpften zu differenzieren, steht der unerreichbare Traum einer Nullrisikogesellschaft.

(Foto: dpa)

Der Impfstart bringt eine Debatte zurück, die in den ersten Pandemie-Monaten geführt wurde. Damals ging es um die Frage, ob Menschen nach einer überstandenen Corona-Infektion einen Immunitätsausweis bekommen sollten. Antikörper als Eintrittskarte in die Normalität – Gesundheitsminister Jens Spahn nahm von dieser Idee aus gutem Grund wieder Abstand. Auch der Impfstatus darf nicht dazu führen, dass ein Teil der Bürger Sonderrechte erhält.

Die Historikerin Kathryn Olivarius von der Stanford University hat über die Gelbfieber-Epidemie Mitte des 19. Jahrhunderts in den Südstaaten der USA geforscht. Ihre Arbeit zeigt, wohin Immunitäts-Privilegien führen können. Damals galt eine überstandene Gelbfieber-Erkrankung in Großstädten wie New Orleans als Voraussetzung, um eine Arbeit zu finden. Immunität wurde Voraussetzung für einen Bankenkredit. Olivarius spricht von „Immunkapital“, das in der Zeit die soziale Ungleichheit verschärfte.

Historische Vergleiche haben Grenzen, auch in diesem Fall. Doch es braucht nicht viel Fantasie, sich Folgen für die wirtschaftliche und soziale Teilhabe auszumalen, wenn der Impf- und Immunitätsstatus bei Corona zum entscheidenden Kriterium würde.
Für bestimmte Bereiche lohnt es sich, über einen Immunitätsnachweis nachzudenken. Etwa in Pflegeheimen oder medizinischen Einrichtungen, in denen besonders große Risiken bestehen. Wie dieser Weg aussehen kann, hat die Regierung mit dem Masernschutzgesetz vorgezeichnet.

Gewahrt werden muss aber die Verhältnismäßigkeit. Absolut unverhältnismäßig wäre das Impfzeugnis als eine Art allgemeiner Corona-Passierschein, mit dem man sich freier bewegen kann.

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    Der Traum einer Nullrisikogesellschaft

    Das sollte für öffentliche Einrichtungen, aber auch für Dienstleistungen privater Unternehmen gelten. Die Vertragsfreiheit stößt dann an Grenzen, wenn ein Teil der Bevölkerung wegen eines Merkmals – hier der fehlende Nachweis von Immunität – ausgeschlossen wird.

    Zudem stellt sich die datenschutzrechtliche Frage, ob Unternehmen von Kunden die Angabe des Impfstatus verlangen dürfen.

    Hinter den Überlegungen, zwischen Geimpften und Nicht-Geimpften zu differenzieren, steht der unerreichbare Traum einer Nullrisikogesellschaft. Auch Corona wird sich zu einem vertrauten Risiko entwickeln, das im Alltag austariert wird.

    Womöglich passiert das schon im Frühjahr, wenn die betagten Risikogruppen durchgeimpft sind und das Schreckensszenario des überlasteten Gesundheitssystems schwindet. Damit würde auch dann die Erklärung schwieriger, warum ausgerechnet dieses Gesundheitsrisiko einen besonderen Nachweis erfordert.

    Mehr: Datenschützer warnen vor Corona-Impfpflicht durch die Hintertür.

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    2 Kommentare zu "Kommentar: Für Geimpfte darf es keine Sonderrechte geben"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Stimme Herrn Boehm 100% zu.

    • Das ist wieder einmal eine typisch deutsche "wir sind alle gleich" Debatte. Es ist ja genau das Ziel der Impfung den Weg in ein normales Leben mit allen Freiheiten eines normalen Lebens zu ebenen. Einige sind eher dran einige später. Aber es ist doch völlig absurd zu verlangen, dass alle bis zum erreichen einer 60-prozentigen Impfquote sich so verhalten sollen, als wären sie nicht geimpft worden.
      Statt überflüssige Debatten zu führen, sollten sich die Herrn Söder und Spahn lieber bemühten, in möglichst kurzer Zeit ausreichend viele Impfdosen zu beschaffen

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