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Schriftzug des Unternehmens Blackrock

Stärkere Ausrichtung des Geschäfts auf alternative Investments.

(Foto: Reuters)

Kommentar Für Vermögensverwalter wie Blackrock brechen schwere Zeiten an

Große Vermögensverwalter stehen unter Druck. Um zu überleben, werden viele ihr Geschäft neu ausrichten müssen – was auch das Beispiel Blackrock zeigt.
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Die goldenen Zeiten in der Vermögensverwaltung sind vorbei. Wenn es noch eines Beweises für diese These bedurfte, dann hat Blackrock ihn in diesen Tagen geliefert. Mit einem weitreichenden Managementumbau definiert sich der weltgrößte Asset-Manager gerade neu.

Gleichzeitig richtet Blackrock-Chef Larry Fink das Geschäft stark auf alternative Investments wie außerbörsliche Beteiligungen und unregulierte Hedgefonds aus. Auf beiden Feldern gibt es deutlich höhere Gebühren zu verdienen.

Blackrock leidet wie die gesamte Branche unter dem Fluch, den die Amerikaner selbst maßgeblich mit ausgelöst haben: dem Siegeszug der börsennotierten Indexfonds, die nur einen Bruchteil der Margen von aktiv gemanagten Fonds verlangen. Doch das ist es nicht allein.

Fast ein Jahrzehnt lang konnten sich die Vermögensverwalter in ihren Erfolgen sonnen. Die Börse kannte nur einen Weg: nach oben. Und mit dem steigenden Vermögen, das inzwischen weltweit bei 80 Billionen Dollar angelangt ist, kassierten die Fondsmanager auch mehr Gebühren, da sich Letztere an der Höhe des verwalteten Anlagegeldes messen.

Doch die guten Zeiten an den Börsen mit stetig steigenden Kursen dürften bald vorbei sein, was sich in einem sinkenden verwalteten Kapital der Fonds widerspiegeln wird. In einem Bärenmarkt aber geraten manche Häuser in Existenznöte, auch wenn die Industrie in den guten Zeiten hohe Cash-Reserven aufgebaut hat, die einen Puffer bieten.

Ohnehin zählen Aktien- und Mischfonds zu den Ertragsbringern der Verwalter. Mit fallenden Kursen bei Dividendentiteln werden die Anleger verstärkt in Alternativen wie Anleihen oder Indexfonds umschichten, wo es weniger zu verdienen gibt. Der Preiswettbewerb in der Branche wird sich daher weiter verschärfen.

In Europa bezahlen Privatanleger etwa bei aktiv betreuten Aktienfonds rund zwei Prozent Jahresgebühr. Indexfonds kosten oftmals nur ein Zehntel. Und Amundi als einer der großen Asset-Manager hat jetzt eine Reihe der sogenannten ETFs aufgelegt, bei denen die Gesamtkosten nur noch bei 0,05 Prozent liegen.

Zudem gilt in Europa inzwischen die schärfere Anlegerschutzrichtlinie Mifid II, die die Kosten für die Asset-Manager erhöht. Für von Banken bezogene Analysen muss inzwischen bezahlt werden, und die Dokumentation des eigenen Wertpapierhandels wird aufwendiger. Gleiches gilt für die Informationen an die Kunden, die umfangreicher und hinsichtlich der Gebühren transparenter sein müssen.

Schwächere Vermögensverwalter werden deshalb künftig schneller aussortiert in einer Branche, in der viele nur eine mittelmäßige Leistung abliefern.

Gleichzeitig erhöhen Pensionsfonds und Versicherungen den Druck auf die Gewinnmargen. Sie verhandeln immer härter um die Konditionen bei aktiv betreuten Geldern. Das führt beispielsweise zu flexiblen Gebührenmodellen, bei denen eine feste Provision mit einem variablen Anteil kombiniert wird, der vom Anlageerfolg abhängt. Fidelity als einer der großen Asset-Manager der Welt etwa hat im vergangenen Jahr eine solche variable Managementgebühr selbst für Privatanleger eingeführt.

Doch das allein reicht nicht aus, um auf Dauer zu überleben. Die Konsolidierung in der Branche muss weiter fortschreiten – daran führt kein Weg vorbei. Gerade große, aktive Asset-Manager schauen sich immer wieder nach Kaufgelegenheiten um, um Größensynergien zu erzielen. Vor gewaltigen Veränderungen stehen die Vermögensverwalter sowieso, wenn sie nicht als Dinosaurier aussterben wollen. Disruptive Geschäftsmodelle sind gefragt.

Und es geht auch um die Verwaltung, das Backoffice. Technische Entwicklungen wie die Blockchain werden hier die Prozesse revolutionieren. Dies geht auf Kosten des Personals, das bereits gekürzt wird.

Der kommende Technologiesprung bietet aber auch die Möglichkeit, Kunden maßgeschneiderte Lösungen für ihre Wünsche anzubieten. Gerade bei Pensionsfonds werden Datenmanagement und Automatisierung es künftig ermöglichen, auf die demografische Entwicklung zu reagieren und flexible Ruhestandsleistungen im Alter zu bieten. Ein Bereich, in dem die großen Technologiekonzerne künftig mit den Asset-Managern konkurrieren werden.

Am schnellsten lässt sich sicher ein breiteres Produktangebot bewerkstelligen, wie Blackrock es geplant hat. Alternative Investments wie Private Equity, Hedgefonds oder Infrastrukturinvestments sind heute bei Anlegern gefragt wie nie. Das Wachstum wird in Zeiten von Negativzinsen unvermindert anhalten. Doch die Konkurrenz ist groß, da es hier noch satte Gebühren zu verdienen gibt und langjährige Spieler sich nicht einfach verdrängen lassen.

Bleibt die Ausweitung des Geschäfts in Richtung Asien. In Ländern wie China gibt es im Asset-Management viel nachzuholen. Die Staaten öffnen sich. Das gilt jedoch nur für große Anbieter. Wer klein ist, dem bleiben letztlich nur zwei Möglichkeiten, um zu überleben: fusionieren oder sich spezialisieren.

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