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Kommentar Für Zuschauer in Fußballstadien ist es noch zu früh

Die Deutsche Fußball-Liga sollte mit dem Öffnen der Stadien für die Fans noch warten. Alles andere wäre momentan lediglich ein falsches Signal.
11.08.2020 - 03:54 Uhr 1 Kommentar
Die Deutsche Fußball Liga (DFL) will im September die neue Saison wieder mit Zuschauern im Stadion starten. Quelle: Imago
Allianz Arena ohne Fans

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) will im September die neue Saison wieder mit Zuschauern im Stadion starten.

(Foto: Imago)

Mit der Pandemie im März kam die große Fußball-Nostalgie im TV. Was war da nicht alles zu sehen, als der aktuelle Spielbetrieb ruhen musste! Die WM-Halbfinalschlacht der Deutschen gegen Italien im Aztekenstadion von Mexiko-City (1970), der „Rambazamba“-Stil der Nationalelf bei der Europameisterschaft zwei Jahre später sowie natürlich die WM-Triumphe 1974, 1990, 2014.

Man begriff die große Faszination, die von diesem Sport ausgeht, die mit den Jahren verständlicherweise das ganz große Geld der Investoren und Milliardäre angezogen hat. Und man begriff angesichts der Jubelbilder, dass Fußball ohne Fans so attraktiv ist wie die Rolling Stones mit Play-back.

Doch das heimtückische Virus, das sich in einer Art „Dauerwelle“ auch in Deutschland eingenistet hat, setzt selbst dem so attraktiven Treiben von 22 Spielern mit Ball einen engen Rahmen. Das betrifft dementsprechend auch die Deutsche Fußball Liga (DFL), die am liebsten im September die neue Saison der beiden obersten Profiligen wieder mit Zuschauern im Stadion starten möchte. Dafür hat sie ein Detailkonzept vorgelegt, das die Beherrschbarkeit des Coronavirus vor und in den Arenen und um sie herum suggeriert.

Aus vielerlei Gründen ist bei diesem ambitiösen Plan eine große Portion Skepsis angebracht. Da sind zunächst einmal die seit einiger Zeit wieder ansteigenden Fallzahlen in Deutschland. Weil Politik, Wissenschaft und Wirtschaft einen zweiten Lockdown strikt vermeiden müssen, konzentriert sich der Blick nun auf „Superspreader“ und „Cluster“ mit besonders hohen Ansteckungsgefahren.

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    Solche Einzelfälle mit Multiplikatoreffekt sollen genau verfolgt werden. Dazu gehören Familienfeiern, Schulklassen, Gottesdienste, aber auch Fußballgemeinschaften, die sich aus Freude am Kicken treffen.

    Bildung muss die Gesellschaft mehr interessieren

    Wie labil die derzeitige Situation ist, zeigt das Beispiel des spanischen Spitzenklubs Atlético Madrid: Dort sind aktuell zwei Spieler positiv getestet worden, und dies ausgerechnet kurz vor dem Viertelfinalspiel der Champions League gegen RB Leipzig. Falls sich in der Delegation der Madrilenen noch mehr Fälle ergeben sollten, muss die Begegnung womöglich verschoben werden.

    Des Weiteren stellt sich beim DFL-Hygienekonzept die Frage, ob eine Nahkontaktaufnahme der Zuschauer wirklich zu verhindern ist. Sicher, man macht brauchbare Vorschläge: kein Alkoholausschank, keine Gäste-Fans, keine Stehplätze, großer Abstand durch frei bleibende Sitze, Einlass nach Zeit-Slots über online vergebene Karten.

    Allerdings muss auch das Nahverkehrssystem, das die Tausendschaften herantransportiert, mitspielen. Sonst ist es so wie im Flugreiseverkehr: Dort achten Airlines wie die Lufthansa penibel auf kontrollierten Einstieg, doch später am Zielflughafen stehen die Passagiere dann eng an eng im Flughafenbus.

    Es stellt sich die Frage, ob Tests nicht wertlos werden, wenn die Fans dann wieder unter vielen Leuten im Stadion sind, und ob die Schlachtenbummler künftig das Alkoholverbot nicht einfach mit Trinkgelagen vor dem Spiel umgehen. Verlangt „König Fußball“ diesmal mit seinem Experiment nicht einfach zu viel? Die Frage, wie wir unseren Kindern in den Schulen ohne Gefährdung Bildung zukommen lassen, muss die Gesellschaft mehr interessieren als das „The show must go on“-Mantra der kickenden Millionäre.

    Kein Wunder, dass die Fußballfrage die Politik spaltet. Das zeigte sich auch bei einer Beratung der Gesundheitsminister von Bund und Ländern. Während etwa Bundesminister Jens Spahn sehr offen für das DFL-Konzept ist, erkennt Bayern offenbar eine Abseits-Position. Ministerpräsident Markus Söder gab sich zuletzt sehr kritisch angesichts der Perspektive voller Stadien – zu Recht. Dabei hatte gerade er sich im Frühjahr erfolgreich für die Beendigung der Bundesliga-Saison durch TV-Geisterspiele eingesetzt.

    Experten vermissen die wissenschaftliche Basis

    Galt es damals für die Klubs, sich die TV-Überweisungen der übertragenden Sender wie Sky oder Dazn zu erhalten, so dürften jetzt die stolzen Beträge für Business-Seats in den Logen der Kampfbahnen eine Rolle spielen. Ist dies aber ein erhöhtes Übertragungsrisiko wert, das etwa der Ärzteverband Marburger Bund sieht? Die Gefahr von Massenansteckungen hält man dort für „real“, das Schutzkonzept der DFL für „unrealistisch“. Experten vermissen zudem die wissenschaftliche Basis für den DFL-Plan.

    Man hätte sich vorstellen können, dass die DFL in der für sie zugegebenermaßen prekären Lage nicht nur ein Corona-Stadionerlösmodell präsentiert, sondern auch Vorschläge zur besseren, gerechteren Verteilung von TV-Geldern sowie eine Corona-Kostenrevolution. Zu ihr müssten Obergrenzen für Spielergehälter und ein Deckel für Transferdeals gehören. Das alles oder Ähnliches soll im Herbst noch kommen.

    Im Kern nämlich bleibt ein Grundproblem: Zu viele Klubs – jenseits der Vorzeigebetriebe wie FC Bayern München, Borussia Dortmund oder RB Leipzig – haben viel zu sorglos gewirtschaftet. Immer in Erwartung eines ewigen Booms und des nächsten, zu teuren Spielerkaufs. In einer Marktwirtschaft wird solches Fehlverhalten mit Insolvenz bestraft.

    Das darf im Fußballkapitalismus nicht tabu sein. Kurzum: Vielleicht sollte sich die DFL erst einmal wirtschaftlich selbst nachhaltig reformieren – und es dann zum Start der Rückrunde Anfang 2021 mit einem neuen Zuschauerkonzept noch einmal versuchen.

    Mehr: DFL einigt sich auf Leitfaden für Spiele vor Zuschauern.

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Für Zuschauer in Fußballstadien ist es noch zu früh"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Sehr geehrter Herr Jacobs,
      ein wie ich finde sehr gelungener Kommentar .. leider werden diese Themen nicht so offen auf großer Bühne diskutiert. Ich bin ein sehr interessierter und begeisterter Fußballfan, aber gleichzeitig auch Unternehmer .. so hoffe ich noch immer auf den "Sport" beim Fußball ( wenngleich ich nicht mehr daran glaube - Verteilung von TV Geldern ) und verstehe andererseits nicht, dass sich dieses Multimilliarden Business von allgemeinen Business Prinzipien lösen darf ( auch wenn der unbestritten beste Profi dieses Genres Uli Hoeneß dann wieder wütet und alle sich ducken ) .. die Bundesliga verdient Unsummen und der Steuerzahler muss für die Infrastruktur, Polizei etc. aufkommen und jetzt bürgt sogar das Land NRW für Schalke 04 .. wer mit Spielern wie mit Aktien o.ä. zockt - denn um nichts anderes scheint es noch zu gehen - der muss auch die wirtschaftlichen Konsequenzen tragen, wenn er sich verzockt ..
      Allerdings wäre es doch ganz einfach zu lösen .. der Großteil der Vereine spielt gegen Bayern u Dortmund nur mit der B-Elf ( verlieren tun sie zu 95% ohnehin ) und alle verlieren zweistellig. Die Spiele werden uninteressant und Werbepartner, TV Sender etc. werden mangels Interesse Abstand nehmen. Die beiden Vereine kommen sportlich nicht mehr auf Drehzahl und werden international keine Chance mehr haben.
      Vielleicht verstehen die Bayern dann, dass sie selbst davon profitieren, wenn die BL wieder wirtschaftlich u. sportlicher ausgeglichen ist. Die Aufsteiger müssen den größten Teil aus dem Topf bekommen, damit sie wirtschaftlich nicht Harakiri spielen und anschließend nach unten durchgereicht werden. So können sie sportlich aufrüsten u. wirtschaftlich lohnt sich ein Aufstieg dann auch. Die BL würde ausgeglichener werden, denn ohne Gegner will auch keiner mehr die Bayern mit ihren Stars sehen .. weder im Stadion noch im TV.
      Mit freundlichen Grüßen Michael Klinzmann

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