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Kommentar Fusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank wäre keine Traumhochzeit

Ein Zusammenschluss zwischen der Deutschen Bank und der Commerzbank sollte eine Notfalloption sein. Die Erfolgsaussichten des Projekts sind fraglich.
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Eine Fusion der beiden Geldhäuser würde zunächst einmal viel Geld kosten. Quelle: picture alliance/dpa
Commerzbank und Deutsche Bank

Eine Fusion der beiden Geldhäuser würde zunächst einmal viel Geld kosten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nach der großen Finanzkrise herrschte lange Jahre eine Art Eiszeit zwischen Berlin und Frankfurt. Warum die Bundesregierung den Banken nicht mehr über den Weg traute, muss nach den diversen teuren Rettungsaktionen nicht näher erklärt werden. Aber auch die Banker fühlten sich unverstanden, weil die Politik ihre Reformanstrengungen nicht würdigte.

Der Zeitpunkt, zu dem der Liebesentzug endgültig endete und sich in eine Umarmung verwandelte, lässt sich genau datieren. Am 30. August des vergangenen Jahres verkündete Bundesfinanzminister Olaf Scholz auf dem Bankengipfel des Handelsblatts eine neue Industriepolitik für die Finanzbranche und hat seither in schöner Regelmäßigkeit klargemacht, dass er sich mindestens eine starke, global wettbewerbsfähige heimische Bank wünscht.

Die jüngsten Nachrichten aus Berlin sprechen sehr dafür, dass Scholz auch schon weiß, wie sich dieses Ziel erreichen lässt: durch einen Zusammenschluss zwischen der schwächelnden Commerzbank und der kränkelnden Deutschen Bank.

Die grundsätzliche Idee dahinter ist durchaus richtig. Als Exportweltmeister braucht Deutschland weltweit handlungsfähige Banken. Bereits die Finanzkrise hat gezeigt, dass in einer Notsituation der Heimatmarkt für internationale Geldhäuser immer Vorfahrt hat. Und das war lange vor den nationalistischen Tönen eines Donald Trump und der Bedrohung, die von einem Handelskrieg ausgeht.

Aber der Finanzminister und die Bundesregierung müssen aufpassen, dass aus der neuen Zuneigung für die Banken keine erdrückende Umarmung wird. Denn eine Deutsche Commerzbank oder wie immer die neue Megabank heißen würde, wäre allenfalls bedingt geeignet, die Berliner Ziele zu erreichen. Schnell könnte aus den Spekulationen um eine Übernahme der Commerzbank durch den größeren Frankfurter Rivalen eine sich selbst erfüllende Prophezeiung werden.

Mit jedem neuen Gerücht aus Berlin droht sich bei den Investoren der Eindruck zu verfestigen, dass die Bundesregierung den Glauben daran aufgegeben hat, dass Deutsche Bank und Commerzbank auf Dauer auch allein zurechtkommen könnten.

Der erste Einwand gegen eine Bankenehe ist simpel: Aus zwei lahmenden Gäulen lässt sich kein Rennpferd züchten.

Aber das ist nicht das einzige Argument, das gegen einen Zusammenschluss spricht. Unternehmen verlassen sich ungern auf eine einzige Hausbank. Im Moment hätten sie für ihre Geschäfte zwei große deutsche Privatbanken zur Verfügung, nach einer Fusion wäre es nur noch eine. Die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von den Wall-Street-Häusern und anderen internationalen Konkurrenten könnte durch einen Deal also sogar noch größer werden statt kleiner.

Auch für die Fusion sprechen einige Argumente

Für den Notfall, wenn sich die Schwäche einer oder gar beider Großbanken als chronisch und nicht heilbar erweist, muss eine Fusion aber natürlich eine Option sein. Es gibt ja auch einige Argumente, die für das Projekt sprechen. Eine vereinte private Großbank könnte genug Marktmacht entwickeln, um auf dem zersplitterten Heimatmarkt ausreichend Geld zu verdienen.

Außerdem ließen sich durch eine Fusion massiv Kosten sparen. Das neue Institut könnte deutlich effizienter arbeiten als beide Häuser allein. Deshalb unterstützen auch einige Analysten einen Zusammenschluss. Allerdings existieren all diese Vorteile erst einmal nur in den Excel-Tabellen der Übernahmeberater. Allzu viele erfolgreiche Fusionen unter Großbanken gab es in den vergangenen Jahren nicht, eben weil es extrem schwierig ist, theoretische Synergien in reale zu verwandeln.

Aber nicht nur die Erfolgsaussichten eines derart komplexen Projekts sind fraglich. Die mühsame Arbeit an der Fusion würde die neue Großbank auch auf Jahre hinaus lähmen, und das in einer Zeit, in der sich das Management eigentlich voll auf den technologischen Wandel konzentrieren müsste.

Durch die Digitalisierung werden auf Dauer die Marktanteile in der Branche völlig neu verteilt. Dass das Management in der Lage ist, gleichzeitig zwei derart große Herausforderungen zu bewältigen, darf man getrost bezweifeln.

Außerdem würde eine Fusion, bevor sie Einsparungen bringt, erst einmal sehr viel Geld kosten. Das Aufräumen der Bilanzen ist teuer, vor dem Abbau von Personal müssen Abfindungen bezahlt werden. Ohne Kapitalerhöhung würde das aller Wahrscheinlichkeit nach nicht funktionieren. Nach dem brutalen Kurssturz beider Aktien dürfte sich die Begeisterung der Investoren dafür in engen Grenzen halten.

Der Bund, der durch die Rettungsaktion in der Finanzkrise mit rund 15 Prozent an der Commerzbank beteiligt ist, müsste wohl bei der Kapitalbeschaffung mitziehen. Das heißt, dass eine Fusion kein Vehikel für den Ausstieg des Staates wäre, der Bund wäre am Ende wohl an einer noch sehr viel größeren Bank beteiligt. Alles in allem wäre die Frankfurter Großfusion ganz sicher keine Traumhochzeit, sondern eine aus der Not geborene Zwangsehe.

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  • Größe ist kein Vorteil
    Die Finanzbranche erscheint immer deutlicher als jener Bereich, der am ehesten von der beschleunigten Entwicklung künstlicher Intelligenz profitieren kann, aber auch vereinnahmt wird. Technologie-affine, junge Fintech - Unternehmen machen es vor, ohne Altlasten und angewachsene Personalhoheiten sind sie flexibler und kostengünstig.
    Große Institute haben scheinbar die Wahl zwischen Skylla und Charybdis, der radikalen Transformation mit markantem, reduktivem Umbau der Personalebene zu digitaler Verwaltung und Dienstleistung oder den langsamen Untergang durch den Kostenballast.
    Diese Thematik werden auch Kapitalzuführungen und Fusionen nicht lösen, sie unterliegt dem Wandel der Zeit und der Technik. Auch Aufsichtsräte und Betriebsräte hinken derart dynamischen Entwicklungen scheinbar hinterher und reagieren bestenfalls, statt zu agieren.
    Ich wollte gerne an anderes glauben, aber Maschinen werden in ganz wenigen Jahren komplexe Aufgaben übernehmen, Entscheidungen treffen und Kundenbedürfnisse regeln, in irrwitziger Geschwindigkeit, nahezu fehlerfrei und verlässlich wie wir es von ihnen gewohnt sind.

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