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Kommentar Gefahr für den Wohlstand: Trump bricht mit den Regeln der Weltordnung

Aus dem Handelskrieg zwischen den USA und China droht ein Währungskrieg zu werden. Für die schwache Weltwirtschaft ist das eine unkalkulierbare Bedrohung.
5 Kommentare
Der Dollar war in dieser Woche erstmals seit April 2008 mehr als sieben Yuan wert. Quelle: AP
New York Stock Exchange

Der Dollar war in dieser Woche erstmals seit April 2008 mehr als sieben Yuan wert.

(Foto: AP)

Als Donald Trump vor zweieinhalb Jahren ins Weiße Haus einzog – eine Ewigkeit scheint es her –, hat er sich nichts Geringeres als eine Neudefinition der Weltwirtschaft vorgenommen. Wer wollte bestreiten, dass dem US-Präsidenten das ein Stück weit gelungen ist.

Trump will bestimmen, wie Globalisierung funktioniert, wer am Handel in welcher Größenordnung teilnehmen und wie viel er dabei verdienen darf. Internationale Regeln gelten nur, sofern sie der größten Volkswirtschaft und deren CEO Donald Trump dienen.

Das ist das neue Spiel der Weltwirtschaft – und Trump ist ohne Zweifel der Mächtigste unter den Mächtigen in diesem Spiel. Seine wichtigsten Instrumente: Willkür und Unberechenbarkeit – und natürlich der Dollar. Der Greenback ist immer noch unumstrittene Leitwährung. Ein Großteil des Welthandels wird in Dollar abgewickelt.

Wer ihn nutzt, muss sich an US-Regeln halten – mögen Chinesen und Europäer auch noch so intensiv den Amerikanern das Dollar-Privileg streitig machen wollen. Der europäische Kapitalmarkt ist nach wie vor zu zersplittert und die chinesische Währung immer noch nicht frei konvertierbar.

Konflikt um Währungsmanipulation

Nun bezichtigt die US-Regierung China auch offiziell der Währungsmanipulation. Das ist nicht einmal falsch, denn dass der Wechselkurs des Yuans seit Jahrzehnten ein politischer ist, bestreiten auch die Chinesen nicht. Trotzdem markiert der offizielle Status des „Währungsmanipulators“ eine neue Dimension in diesem epochalen Konflikt zwischen Amerika und China.

Allein weil dieser Status es Trump noch leichter machen wird, den größten Rivalen der USA zu sanktionieren. Erst der Zollstreit, jetzt der Konflikt um die Währungsmanipulation – der Weg zum veritablen Wirtschaftskrieg ist nicht mehr weit.

Niemand sollte daran zweifeln, dass Trump 15 Monate vor den Präsidentschaftswahlen alle ihm verfügbaren Mittel einsetzen wird, um die bei seiner Klientel so ungeliebten Chinesen, wo es nur geht, einzudämmen. Und genau das macht die Sache so gefährlich. Denn auch das ist spätestens seit dieser Woche klar: China weiß sich zu wehren, wenn auch nur vorsichtig.

Es ist kein Zufall, dass der Dollar in dieser Woche erstmals seit April 2008 mehr als sieben Yuan wert war. Die chinesische Notenbank hat es schlichtweg unterlassen, jene Marke zu verteidigen, die gemeinhin als „rote Linie“ gilt. Auch wenn die chinesische Zentralbank den Mittelkurs zwischen Dollar und Yuan am Dienstag leicht unter sieben festlegte – das Signal aus Peking ist klar: „Seht her, wir können auch anders!“

Tatsächlich ist das Kalkül Trumps, er könne den Chinesen viel mehr Schaden zufügen als umgekehrt, weil die Volksrepublik viel mehr in die USA exportiert als umgekehrt, falsch. Die von Trump erhobenen Zölle lassen sich eben über eine Abwertung des Yuans neutralisieren. Und Peking verfügt durchaus über weitere Instrumente, um das destruktive Spiel zwischen beiden Ländern auf die Spitze zu treiben.

Nach wie vor ist China der größte Gläubiger der USA. Sollte sich das Politbüro dazu entschließen, massiv Dollar auf den Markt zu werfen – insgesamt verfügt China über rund drei Billionen Dollar an Währungsreserven –, kann das auch die Amerikaner in ernsthafte Schwierigkeiten bringen.

Es muss nicht so weit kommen. Denn China würde sich selbst schaden, allein weil die Währungsreserven an Wert verlören. Und auch das ist wahr: Trotz aller berechtigten Kritik am merkantilistischen Wirtschaftsmodell der Chinesen – im Konflikt mit den USA agiert Staatschef Xi Jinping wesentlich besonnener und auch rationaler als sein Amtskollege in Washington.

Handelsgespräche stocken

Fakt ist allerdings auch: Die Handelsgespräche zwischen den Kontrahenten kommen offenbar kein Stück voran – was wohl auch zur Gereiztheit insbesondere auf amerikanischer Seite führt. Denn auch die US-Wirtschaft, die zuletzt noch wegen der Steuersenkungen kräftig gewachsen war, zeigt erste Schwächen, nicht zuletzt wegen des eskalierenden Handelskonflikts.

Die Stimmung der Manager und der Verbraucher bricht ein, die Investitionen sinken. Das Welthandelswachstum ist praktisch zum Stillstand gekommen.

Der Konflikt zwischen den beiden Supermächten wird die Weltwirtschaft in den kommenden Jahrzehnten prägen. Erste Opfer sind womöglich nicht einmal die Verursacher selbst, sondern all diejenigen, die etwas hilflos am Rande stehen – allen voran Deutschland.

Denn während in den USA die Exporte nur zwölf Prozent zur Wirtschaftsleistung beitragen, sind es in Deutschland 48 Prozent. Langfristig aber werden alle unter der aggressiven Politik Trumps leiden.

Zur Ironie dieser traurigen Geschichte gehört auch, dass es ja durchaus auch einen konstruktiven Teil der Trump‘schen Politik gibt. Ja, die Chinesen haben jahrzehntelang ihre Marktmacht genutzt, um ausländische Investoren fast nach Belieben zu diskriminieren. Ja, das Land, das sich unter Xi weltweit mit Macht als Systemalternative zum liberalen Westen anbietet, beansprucht immer noch die Privilegien eines schutzbedürftigen Schwellenlands.

Doch anstatt mit den europäischen Partnern sanft, aber effizient Druck auf die Volksrepublik auszuüben, legt Trump, der Außenpolitik als Wurmfortsatz der Innenpolitik betrachtet, gleich jene regelgebundene Weltordnung ad acta. Jene Weltordnung, die über Jahrzehnte so vielen Milliarden Menschen Wachstum und Wohlstand gebracht hat – in China, Europa, in den USA, eigentlich überall, wo es stabile staatliche Institutionen gibt.

Mehr: Der Handelsstreit sorgt nicht nur an den Aktienmärkten für unruhige Zeiten. Auch bei anderen Investments sollten Anleger jetzt vorsichtig sein.

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5 Kommentare zu "Kommentar: Gefahr für den Wohlstand: Trump bricht mit den Regeln der Weltordnung"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Noch gibt es die Möglichkeit nach Amerika aus zu wandern.
    Nur den mutigen Kapitalisten gehört die Welt.

    Denk ich an Deutschland in der Nacht,
    dann bin ich um den Schlaf gebracht. (Heinrich Heine)

    ICH AUCH !!

  • @Herr Helmut da Silva
    Sie haben in allen Punkten RECHT!
    China hat mit einer Marktwirtschaft nichts am Hut.
    Sie wollen die Weltherrschaft und da werden Preise durch staatliche Zuschüsse erfunden.
    Der gesamte Solarmarkt aus Deutschland ist mit dieser Wirtschaftspolitik zerstört worden und die deutschen Politiker haben nur mit den Schultern gezuckt.
    Der Ausbau der Seidenstraße wird auch Europa das Genick brechen.

  • Das Trump Bashing ist nur ein dumpfer Antiamerikanismus von geistig Minderbemittelten. China hält sich an keine Regel, es herrscht Willkür für ausländische Investoren, es werden Produkte kopiert, Patente werden bewußt verletzt, ausländische Investoren können Firmen nur zu 50% übernehmen. China schottet seinen Markt, ab subventioniert chinesische Firmen und zerstört den freien Wettbewerb. Aber das scheint man in Europa nicht wahr haben zu wollen. Der Kommentar ist nur ein weiterer Beleg dafür.
    Da zählen nicht Fakten und in dem Kommentar widerspricht man sich gerade so wie es einem passt.
    Nur zum Beispiel: 1.) Die von Trump erhobenen Zölle lassen sich eben über eine Abwertung des Yuans neutralisieren", 2.) " Sollte sich das Politbüro dazu entschließen, massiv Dollar auf den Markt zu werfen – insgesamt verfügt China über rund drei Billionen Dollar an Währungsreserven –, kann das auch die Amerikaner in ernsthafte Schwierigkeiten bringen." Nun 1. steht zu 2. im Wiederspruch.
    Ja der US-Dollar würde bei 2. fallen die US-Exporte verbilligen was Trump ja will.
    Der Kommentar gleich einer Bauernregel: " Kräht der Hahn auf dem Mist ändert sichs Wetter oder nicht".
    Wir sollten lieber die USA bei China unterstützen in richtung fairer Wettbewerb, öffnung der Märkte ohne Schikanen, freier Wettbewerb auch auf dem chinesischen Markt.

  • Der Beitrag gefällt mir. Er drückt das Wesentliche gut aus.

  • Ich bin mir sehr sicher, dass China auf Dauer in diesem Konflikt gewinnen werden, da China sehr weit in die Zukunft agiert. Herr Trump denkt nur in kurzen Zeiträumen, z.B. die nächste Wahl zu gewinnen. Mit seiner Politik wird Herr Trump China stärken!

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