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Kommentar Gerry Weber hat die Hallhuber-Rettung teuer erkauft

Der angeschlagenen Modekette bleibt die Insolvenz erst einmal erspart, weil ein Investor einsteigt. Aber die Lösung sichert die Zukunft nur vorübergehend.
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Die Kette braucht einen Investor, der das Unternehmen langfristig wieder auf Kurs bringt im Modemarkt. Quelle: dpa
Hallhuber

Die Kette braucht einen Investor, der das Unternehmen langfristig wieder auf Kurs bringt im Modemarkt.

(Foto: dpa)

Es ist erst mal eine positive Nachricht: Der Modekette Hallhuber bleibt das Schicksal ihrer Muttergesellschaft Gerry Weber International AG erspart. Sie muss nicht Insolvenz anmelden.

Ein Investor sorgt mit einer Brückenfinanzierung von zehn Millionen Euro für die nötige Liquidität, um den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten. Und der Investor hat sich auch noch eine Kaufoption gesichert, um eine Mehrheit an der Textilkette zu übernehmen.

Doch die Zukunft von Hallhuber ist damit nur vorübergehend gesichert. Bei dem Investor soll es sich um Robus Capital handeln, das den Deal aber weder bestätigen noch dementieren will. Das Frankfurter Investmenthaus investiert in mittelständische Unternehmen und stellt ihnen mittelfristig Fremdkapital zur Verfügung.

Hallhuber braucht aber einen Investor, der das Unternehmen langfristig wieder auf Kurs bringt im Modemarkt. Es muss sich von unprofitablen Filialen trennen oder mit den Vermietern neue, günstigere Mietverträge aushandeln. Es muss das Onlinegeschäft ausbauen und vor allem die Kette wieder in die schwarzen Zahlen zurückbringen.

Außerdem ist die Rettung von Hallhuber teuer erkauft. Der Kaufpreis für die Kette wurde zwar nie offiziell genannt. Aber laut dem Geschäftsbericht 2014/15 hatte Gerry Weber 140 Millionen Euro über Schuldscheindarlehen aufgenommen, um den Kauf von Hallhuber zu finanzieren. Der neue Investor zahlt nun, sollte er bis Mai seine Option ziehen, nur einen Bruchteil davon.

Legt man die Konditionen aus der Kaufoption zugrunde, zahlt er für zwei Prozent an Hallhuber rund 500.000 Euro. Rechnet man dies hoch, steht die gesamte Textilkette für nur 25 Millionen Euro zum Verkauf.

Das ist ein deutlicher Abschlag und bitter, wo sie doch der Hoffnungsträger für Gerry Weber war, als der Konzern sie 2015 kaufte. Er hoffte auf die im Vergleich zur Hauptmarkte Gerry Weber deutlich jüngeren Kundinnen, Synergieeffekte und einen Imagegewinn.

Doch davon wird die Muttergesellschaft Gerry Weber künftig nur noch wenig profitieren. Laut den Bedingungen der Kaufoption bleibt Gerry Weber lediglich mit maximal 14 Prozent an Hallhuber beteiligt. Die Muttergesellschaft kann sich also nicht mehr auf Erfolge ihrer Tochter Hallhuber verlassen.

Sie hängt damit auf Gedeih und Verderb von ihrem Kerngeschäft ab. Das muss sie auf Vordermann bringen – und zwar schnell. Doch das wird äußerst schwierig.

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