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Kommentar Gesellschaft und Investoren müssen die Klimaschutz-Vorsätze der Wirtschaft überprüfen

Bosch und andere Konzerne versprechen klimaneutral zu werden – das sind starke Signale. Damit aus Worten Taten werden, müssen die Rahmenbedingungen stimmen.
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Bosch will schon im kommenden Jahr klimaneutral arbeiten. Quelle: dpa
Bosch-Forschungscampus

Bosch will schon im kommenden Jahr klimaneutral arbeiten.

(Foto: dpa)

Deutschlands Manager haben ein neues Lieblingsthema für sich und ihre Unternehmen entdeckt - so zumindest scheint es, wenn man die Hauptversammlungen und Jahrespressekonferenzen der vergangenen Wochen verfolgt. Es geht um den Beitrag zum Klimaschutz. Reihenweise werden derzeit neue, ambitionierte Programme verkündet, mit denen Unternehmen ihre Kohlendioxid-Bilanz verbessern und klimaneutrales Arbeiten erreichen wollen.

Belächelt wird das Thema kaum noch. „Wir nehmen dies sehr ernst“, rief etwa Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender der Allianz, vor wenigen Tagen den Aktionären auf der Hauptversammlung in München zu. Und Bosch-Chef Volkmar Denner will den Technologiekonzern zum Vorreiter in der Klimarettung machen.

Denner kündigt an, dass Bosch schon im kommenden Jahr klimaneutral arbeiten werde. Es ist ein überraschendes Statement durch ein Unternehmen, dass als weltgrößter Automobilzulieferer die klimaschädliche Verbrenner-Technologie maßgeblich vorangetrieben hat und daran noch immer gut verdient.

Nicht nur im Fall Bosch wäre es ein Leichtes, die Ankündigungen als Marketinggeschwätz ohne Substanz abzutun; als warme Worte an eine Gesellschaft, die aufgeschreckt und beeindruckt ist von der juvenilen Kraft einer Greta Thunberg oder einer „Fridays for Future“-Bewegung.

Aber wäre das die richtige Reaktion auf die Versprechen der Wirtschaft? Nein. Die Unternehmen müssen beim Wort genommen, sie müssen in ihren Anstrengungen unterstützt werden. Aber: Sie müssen auch liefern. Die richtige Reaktion lautet: Fordern, fördern, kontrollieren.

Richtiges Signal

Wenn ein großer Konzern wie Bosch zu einem derart gewaltigen Öko-Vorstoß ansetzt, sendet dies ein unübersehbares und richtiges Signal. Das gilt ebenso für die Allianz: Der Versicherer will binnen vier Jahren nur noch grünen Strom beziehen und bis 2040 sein verwaltetes Vermögen in dreistelliger Milliardenhöhe komplett nicht mehr in Firmen anlegen, deren Geschäft dem Klima schadet.

Und es gilt besonders für den Chemiekonzern BASF, der im Vergleich zur Allianz mit ganz anderen Herausforderungen bei Energieverbrauch und Umweltbelastung zu kämpfen hat. BASF hat sich vorgenommen, bis 2030 CO2-neutral zu wachsen. Der Ausstoß soll bis dahin auf dem Niveau von 2018 gehalten werden. In der Praxis heißt das: Jedes Wachstum bei BASF darf nicht mit zusätzlichen Treibhausgasemissionen einhergehen.

Mit solchen Ankündigungen reagieren die Unternehmen auf zwei Entwicklungen: Erstens wächst in der Gesellschaft spürbar die Sensibilität für Umweltschutz und der Wille, endlich etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen. Das erhöht den Druck auf die Unternehmen, die heute viel mehr als früher auf gesellschaftliche Akzeptanz angewiesen sind und mit dem Etikett eine Dreckschleuder kaum mehr existieren können. Mit einem solchen Makel haben sie auch schlechte Karten im Kampf um die jungen Talente, die sie so dringend benötigen und die auf sichtbare Nachhaltigkeit Wert legen.

Zweitens wird diese Nachhaltigkeit auch von Investoren eingefordert. Parallel zur gesellschaftlichen Entwicklung zeigt sich, dass immer mehr Geldgeber Beiträge der Konzerne zu Umwelt- und Klimaschutz verlangen. Das trifft nicht nur die börsennotierte Firmen, sondern alle, die sich über den Kapitalmarkt refinanzieren, also auch Bosch.

Die Politik muss richtige Rahmenbedingungen schaffen

Klar ist: Starken Ankündigungen müssen starke Taten folgen. Und da wird die Sache schwieriger. Eine kurzfristige Verbesserung der eigenen Klimabilanz können Firmen oft nur durch Kompensation erreichen. Das heißt: Es werden erstmal nicht die eigenen Emissionen von Treibhausgas gesenkt, sondern irgendwo in der Welt CO2-Reduktionsprojekte gefördert etwa die Aufforstung von Wäldern.

Das aber darf nur ein erstes Mittel sein, denn es wirkt wie ein Alibi. Einen nachhaltigen Beitrag können die Unternehmen nur durch technologische Fortschritte erzielen, sei es durch eine effizientere Energienutzung oder durch innovative neue Verfahrenstechnik. Das kostet Zeit und Geld und braucht eine stabile Infrastruktur. BASF etwa könnte eine energieintensive Chemieanlage durchaus anstelle von Gas mit grünen Strom betreiben - nur müsste der in ausreichender Menge und stabil in der Anlage verfügbar sein.

An dieser Stelle ist die Politik gefragt, die ja ebenfalls Umweltschutz-Forderungen an die Unternehmen stellt: Sie muss ihnen dafür die richtigen Rahmenbedingungen schaffen und Klimaschutz noch stärker fördern. Gesellschaft und Investoren wiederum müssen kontrollieren, ob die Ankündigungen der Firmen tatsächlich zu einer messbaren und nachhaltigen Verbesserung führen. Greenwashing – also das Vorspielen von Umweltschutzinteresse ohne konkreten Inhalt – können sich Unternehmen heute nicht mehr leisten.

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