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Kommentar Getriebene Investoren: Die Rally an den Märkten ist überzogen

Mit der wirtschaftlichen Entwicklung hat die Dax-Entwicklung nichts mehr zu tun. Investoren laufen lediglich der Rally hinterher. Das birgt Gefahren.
21.07.2020 - 17:53 Uhr Kommentieren
Die Aktienmärkte haben Corona scheinbar abgehakt. Quelle: Reuters
Frankfurter Börse

Die Aktienmärkte haben Corona scheinbar abgehakt.

(Foto: Reuters)

Größer könnten die Widersprüche kaum sein. Vor allem in den USA tobt Corona weiter, die Weltwirtschaft steckt inmitten der Rezession, die Arbeitslosenzahlen schnellen weltweit hoch. Und was machen die Börsen? Sie steigen und steigen.

Der Dax ist wieder über die Marke von 13.000 Punkten gestiegen und notiert nur noch vier Prozent unter seinem Rekordhoch von Mitte Februar. Beim breiten US-Index S&P 500 ist es ähnlich, und der Index der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq hat Anfang der Woche bereits ein neues Allzeithoch erreicht. Damit sieht es so aus, als hätten die Börsen die Coronakrise komplett abgehakt. Die Kurseinbrüche von bis zu 40 Prozent zwischen Mitte Februar und Mitte März sind fast vergessen.

Dabei zeigen sich die Folgen der Corona-Pandemie erst jetzt, und wie sie sich letztlich auf die Wirtschaft und die Unternehmen auswirken, ist noch nicht absehbar. Die Wirtschaft, die wochenlang weltweit nahezu vollständig lahmgelegt wurde, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, fährt zwar wieder hoch, und Ökonomen gehen davon aus, dass der tiefste Punkt der Rezession überschritten ist – auch dank der Hilfspakete von Regierungen und Notenbanken weltweit.

Die Hilfen sind zwar in der Tat beispiellos. Weltweit summieren sich die Rettungspakete von Notenbanken und Regierungen schon jetzt auf 10,4 Billionen Dollar. Das entspricht rund zwölf Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts. Diese Zahlen sind jedoch nicht neu. Von daher zeigen die erneuten Kurssprünge an den Börsen nach der Einigung der EU-Staaten auf das 750 Millionen schwere Rettungspaket, wie sehr sich die Rally verselbstständigt hat.

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    Um das Ausmaß der Hausse zu erklären, reichen die Hilfspakte und die Hoffnung auf eine sich erholende Wirtschaft jedenfalls nicht.

    Denn erstens wissen die Investoren, dass das Narrativ vom langsamen Wiederaufschwung nur gilt, wenn es nicht zu einer neuen massiven Ausbreitung der Pandemie kommt. Zweitens bedeutet das mögliche Durchschreiten der Talsohle nicht, dass die Konjunktur gut läuft. Ganz im Gegenteil: Indikatoren wie in Deutschland zum Beispiel die Industrieproduktion sind zwar im Monatsvergleich zuletzt wieder deutlich gestiegen. Zu Vor-Corona-Zeiten oder im Jahresvergleich bleibt der Rückstand aber deutlich. Das gilt auch für Geschäftsklimaindikatoren aus den USA und für die Gewinne vieler Unternehmen.

    Gewinne werden einbrechen

    Analysten rechnen damit, dass die US-Unternehmen aus dem S&P 500 im zweiten Quartal im Schnitt nur halb so viel wie vor einem Jahr verdient haben. Für das Gesamtjahr erwarten sie einen Gewinnrückgang von mehr als 20 Prozent. Doch das könnte noch zu optimistisch sein, denn fast jedes zweite Unternehmen hat den Ausblick für das laufende Jahr gestrichen. Im Dax ist es ähnlich. Realistischerweise muss man auch für die Dax-Konzerne von einem Gewinnrückgang von 50 Prozent für das laufende Jahr ausgehen.

    Steigende Kurse bei gleichzeitig sinkenden Gewinnen sind jedoch eigentlich Gift für die Börsen.

    Das alles wissen auch Investoren. Auch die Gefahr einer Pleitewelle bei Unternehmen ist ihnen durchaus bewusst, ebenso wie die Tatsache, dass der Börsenaufschwung in den USA vor allem durch die Technologiewerte getrieben wird. Im S&P 500 entfällt ein Großteil des Kursanstiegs auf Facebook, Amazon, Netflix und die Google-Mutter Alphabet.

    Noch frappierender: Die sieben größten Unternehmen im S&P 500 haben mit 25 Prozent die gleiche Marktkapitalisierung wie die 383 Unternehmen am unteren Index‧ende. Die sieben Unternehmen beschäftigen aber weniger als zwei Millionen Menschen, die untere Gruppe hingegen etwa 11,7 Millionen. Auch das zeigt die große Lücke zwischen der Börsen- und der Wirtschaftsentwicklung.

    Rally hat sich verselbstständigt

    Doch die Investoren können mitunter gar nicht anders, als der Rally hinterherzulaufen. Fundamental nachvollziehbare Gründe für eine Erholung an den Börsen gab es jedenfalls nur anfänglich. Die Hilfspakete dämpften die Ängste vor einem ungebremsten Absturz der Wirtschaft. Die Rally hat sich aber längst verselbstständigt.

    Die fundamentale Analyse gerät mehr und mehr in den Hintergrund, weil Portfoliomanager, die den Börsenaufschwung verpassen, Druck von den Anlegern bekommen, die ihnen ihr Geld anvertraut haben. Deshalb müssen viele institutionelle Investoren einsteigen, solange die Märkte gut laufen.

    Die überzogene Hausse kann noch eine Weile so weitergehen. Leichte Rückschläge werden die Investoren wohl rasch wieder zum Einstieg nutzen.

    Doch eine größere zweite Pandemiewelle, Rückschläge bei Forschungen zu einem Impfstoff gegen das Virus oder oder auch steigende Inflationsraten können das Pendel umschlagen lassen. So schnell, wie die Investoren jetzt die Märkte nach oben treiben, werden sie dann auch wieder die Flucht ergreifen – eben weil sie Getriebene der Märkte sind.

    Mehr: So erzielen Anleger in einer Welt ohne Zinsen noch Renditen

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