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Kommentar Gleichzeitige Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel werden die Arbeitswelt prägen

Handwerksbetriebe lehnen Aufträge ab, weil Fachkräfte fehlen – gleichzeitig gibt es Massenentlassungen. Dieser Widerspruch wird sich noch verstärken.
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Viele Handwerksbetriebe stehen ohne Nachwuchs da. Quelle: dpa
Arbeitsmarkt

Viele Handwerksbetriebe stehen ohne Nachwuchs da.

(Foto: dpa)

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht ein namhafter Konzern Stellenstreichungen verkündet – und doch war die Entlassungsquote seit der Wiedervereinigung noch nie so niedrig. Zeitarbeiter verlieren ihren Job, der Informationsbedarf zur Kurzarbeit steigt – und Handwerker müssen Aufträge ablehnen, weil sie keine Leute finden.

Es sind überaus widersprüchliche Signale, die der deutsche Arbeitsmarkt derzeit aussendet. Und es steht zu erwarten, dass sich diese Situation künftig noch verschärft. Die Gleichzeitigkeit von Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel wird die Arbeitswelt von morgen prägen.

Es sind vier Trends, die diese Entwicklung befeuern: der drohende konjunkturelle Abschwung, der bisher vor allem die exportorientierte Industrie erfasst hat. Der technologische Strukturwandel durch Digitalisierung und Elektromobilität, der Jobs in der Finanzbranche oder im Motorenbau kostet. Der ungebrochene Run der Schulabgänger auf die Hochschulen, der dazu führt, dass viele Handwerksbetriebe ohne Berufsnachwuchs dastehen. Und der demografische Wandel, der den Personalbedarf in den Sozialberufen deutlich anwachsen lässt.

Auch wenn – im positiven Fall – statt einer längeren Rezession nur eine konjunkturelle Delle drohen sollte, werden viele Tausend Arbeitsplätze wegfallen. Auf der anderen Seite entstehen wahrscheinlich mindestens ebenso viele neu. Das Problem ist die fehlende Schnittmenge: Die Menschen, die ihren Job verlieren, haben in den seltensten Fällen die Qualifikationen, die in anderen Branchen oder Berufen gebraucht werden.

Doch es muss nicht zwangsläufig zu einer wachsenden Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern auf dem Arbeitsmarkt kommen. Vorausschauende Personalplanung und Entwicklung darf nicht nur ein Schlagwort aus Personalerhandbüchern sein, sondern sollte gelebter Alltag in jedem Unternehmen werden. Von den Beschäftigten wird verlangt, sich künftig unter Umständen mehrfach in ihrem Berufsleben neu zu erfinden und auch im fortgeschrittenen Alter noch einmal etwas ganz Neues zu wagen. Der Staat kann entsprechende Umschulungen oder Qualifizierungen unterstützen, sofern sie dem Bedarf am Arbeitsmarkt dienen.

Wie schon heute, werden aber auch künftig Arbeitslose und offene Stellen nicht immer eine Schnittmenge bilden. Wichtig ist deshalb, alle, die erst ins Berufsleben starten, von vornherein in eine Erfolg versprechende Richtung zu lenken. Dazu gehört zunächst eine solide Schulbildung und dann eine gute Berufsorientierung, die Jugendliche nicht einseitig für das Studium begeistert. Denn Handwerker oder Pflegekräfte werden auch in der digitalisierten Arbeitswelt noch gebraucht.

Mehr: Die Liste des Statistischen Bundesamtes zeigt: Geschlechterstereotypen bestimmen weiterhin die Berufswahl. Das wirkt sich auch auf das Einkommen aus.

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