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Kommentar Greensill Bank zeigt unheimliche Parallelen zum Fall Wirecard – und das sollte uns aufrütteln

Ungereimtheiten in der Bilanz und ein atemberaubendes Wachstum – vieles kommt einem bekannt vor. Deutschland sollte bei der Reform der Finanzaufsicht keine Zeit mehr verlieren.
05.03.2021 - 04:00 Uhr 3 Kommentare
Das Institut ist ungefähr so klein wie eine mittlere Sparkasse und beschränkte sich vor allem darauf, Anleger mit halbwegs lukrativen Festgeldangeboten anzulocken. Quelle: Bloomberg
Greensill Bank in Bremen

Das Institut ist ungefähr so klein wie eine mittlere Sparkasse und beschränkte sich vor allem darauf, Anleger mit halbwegs lukrativen Festgeldangeboten anzulocken.

(Foto: Bloomberg)

Von der Bremer Greensill Bank hat bis vor einer Woche vermutlich kaum jemand etwas gehört. Das ist nicht weiter verwunderlich. Die Bank ist ungefähr so klein wie eine mittlere Sparkasse und beschränkte sich vor allem darauf, Anleger mit halbwegs lukrativen Festgeldangeboten anzulocken.

Aber auch wenn sich Greensill in dieser Nische bewegte und „keine systemische Relevanz“ hat, wie es die Finanzaufsicht Bafin nun zusammenfasst – die Krise des Instituts, die am Mittwoch in einem Moratorium gipfelte, ist alles andere als eine Peinlichkeit am Rande.

Denn es gibt traurige Parallelen zum Fall Wirecard. Das allein sollte reichen, um bei der versprochenen Reform der Aufsichtsstrukturen nicht noch mehr Zeit zu verlieren.

Wie bei Wirecard gibt es auch bei der Greensill Bank undurchsichtige Geschäfte mit Auslandsverflechtungen, eine in den letzten Jahren rasant angeschwollene Bilanzsumme – und den Verdacht, dass bei der Bilanzierung nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

Zumindest konnte die Bank nach Angaben der Bafin keinen Nachweis über die Existenz von bilanzierten Forderungen erbringen. Dabei geht es wohl auch um Forderungen, die das Bremer Institut von seinem inzwischen insolventen britischen Mutterkonzern Greensill Capital aufgekauft hat.

Hätte die Bafin noch früher eingreifen müssen?

Man muss der Bafin zugutehalten, dass sie, nach allem, was man im Moment weiß, schon im vergangenen Sommer aktiv wurde. Damals war der Zahlungsdienstleister Wirecard unter seinen Luftbuchungen gerade zusammengebrochen und die Bafin schwer angezählt, weil sie nach Ansicht vieler Kritiker geschlafen hatte.

Bei Greensill schaltete die Aufsicht erst die Wirtschaftsprüfer von KPMG ein und schickte ein halbes Jahr später einen Sonderprüfer in die Bank, der genau kontrollieren sollte, wohin die Geldströme fließen – und sie notfalls zu stoppen.

Hätte die Behörde noch früher eingreifen können und müssen? Das muss die weitere Aufarbeitung zeigen.

Den Schaden hat zunächst einmal der Bundesverband deutscher Banken, der mit seiner Einlagensicherung für das Geld der Sparer einspringt, die sich von der Greensill Bank haben blenden lassen und nun hilflos dastehen.

Hätte der Verband im Vorfeld besser prüfen müssen, worauf er sich einlässt, wenn er die Greensill Bank mit ins Boot holt und ihr quasi seinen Qualitätsstempel verleiht? Auch das ist eine Frage, die gestellt werden muss.

Eines ist aber unbestritten: Das berühmte „Blame Game“, das Hin- und Herschieben der Schuldfrage, das in Berlin gerade nach dem üblichen Muster anläuft, ist fehl am Platz. Es kostet unnötig Zeit. Jetzt ist die Zeit, die versprochenen Reformen endlich in die Tat umzusetzen. Egal ob große Fälle wie Wirecard oder kleine wie Greensill – Deutschland kann sich keine weiteren Blamagen mehr leisten.

Mehr: Der Gründer von Greensill Capital kämpft um das Überleben seines Unternehmens

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3 Kommentare zu "Kommentar: Greensill Bank zeigt unheimliche Parallelen zum Fall Wirecard – und das sollte uns aufrütteln"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Als Mitglied des Bürgervereins Finanzwende kann ich nur sagen, dass das Maß schon lange voll ist. Schwarz/Rot wird es nicht schaffen, weil sie aus meiner Sicht es nie wollte, eine starke Finanzaufsicht zu implementieren. Ich glaube nicht, dass es an den Beamten liegt sondern an dem Interesse der Politik.
    Ich setze auf Gehard Schick und Sven Giegold. Die könnten mit Ihrer Kompetenz etwas bewirken. Aber es braucht eben auch das Engagement von uns allen zu forden, dass die "White Collar Criminals" endlich zur Strecke gebracht werden. Was soll nach Finanzkrise 2008/9, CUM EX, Wirecard nochh alles kommen bevor wir merken, dass Recht und Ordnung nicht nur durch Polizeibeamten sondern durch hoch motivierte Finanzexperten gesichert werden muss.

  • Man(n) sollte sich mal bei Beschwerden bei der BAFIN die Antworten genauer anschauen.

    Das sind mehr rhetorische und moderne "Abwimmeltechniken".

    Anscheind regiert dort die Beamtenmentaltät und die Einstellung:

    "Wer sich zuerst bewegt, hat verloren".

  • "Deutschland sollte bei der Reform der Finanzaufsicht keine Zeit mehr verlieren."
    Insgesamt taumelt die politische Führung hochbezahlt und inkompetent hinter irgendwelchen Problemen her.
    Keine Leistung, sei es Finanzaufsicht, pragmatische Energiepolitik, soziale Flüchtlingspolitik (man "holte" sich Menschen, statt ihnen mit UNHCR zuhause zu helfen) und jetzt das massive Versagen in der Coronapolitik.
    Politik wirkt sich auf das Überleben von Menschen aus, physisch, psychisch und auch materiell.
    Dass BaFin/Scholz auch hier versagt ist kein Wunder. Der Fisch stinkt vom Kopf.

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