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Kommentar Großbritannien wird untrennbar mit der EU verbunden bleiben

Am Samstag um 0 Uhr sind die Briten draußen. Doch ihr Schicksal hängt auch weiterhin am europäischen Festland – ob sie es nun wollen oder nicht.
31.01.2020 - 12:46 Uhr Kommentieren
Die Verhandlungen über das zukünftige Verhältnis zwischen Großbritannien und der EU dürften Jahre dauern. Quelle: dpa
Brexit

Die Verhandlungen über das zukünftige Verhältnis zwischen Großbritannien und der EU dürften Jahre dauern.

(Foto: dpa)

Der Brexit ist vollbracht, doch das heißt nicht, dass die Briten aus Brüssel verschwinden. Im Gegenteil: Die Europaparlamentarier und der EU-Kommissar des Vereinigten Königreichs sind zwar weg, doch zugleich steigt die Zahl der britischen Diplomaten in der Europahauptstadt sprunghaft an.

Die Regierung in London hat keinen Zugang mehr zur Kommission, zum Parlament und zum Ministerrat. Deshalb muss sie jetzt bei anderen antichambrieren. Für die Informationsbeschaffung aus den EU-Institutionen benötigt sie daher deutlich mehr Personal als bisher.

Der EU-Austritt bedeutet eben nicht, dass sich das Vereinigte Königreich nun komplett auf sich selbst zurückziehen kann. Die Insel wird weiterhin auf den Kontinent angewiesen sein – und umgekehrt. Außenpolitisch kann die EU ohne die Briten wenig ausrichten in der Welt. Im Konflikt zwischen dem Iran und den USA hat sich gerade wieder gezeigt, wie dringend Deutschland und Frankreich an einer Zusammenarbeit mit dem Vereinigten Königreich interessiert sind.

Die Briten wiederum können auf den großen europäischen Binnenmarkt vor ihrer Haustür auf keinen Fall verzichten. Egal ob japanische Autohersteller oder US-Investmentbanken – sie alle nutzen Großbritannien seit vielen Jahren als Brückenkopf zum Kontinent. Diesen Standortvorteil würde die Regierung in London definitiv zunichtemachen, wenn sie den europäischen Binnenmarkt Ende 2020 ohne umfassendes Freihandelsabkommen verlassen würde.

Für die Verhandlungen darüber wird sich Boris Johnson mehrere Jahre Zeit nehmen müssen – auch wenn er jetzt noch etwas ganz anderes behauptet. Politische Falschaussagen ist man von diesem Premierminister ja gewohnt.

Allzu große Angst vor unfairer britischer Konkurrenz muss die EU nicht haben. Wenn es um Produktstandards geht, werden sich Unternehmen nicht am kleinen Britannien, sondern am großen EU-Binnenmarkt orientieren. Steuersenkungen und Subventionen im großen Stil kann sich die Regierung in London gar nicht leisten angesichts einer in der Finanzkrise deutlich gestiegenen Staatsverschuldung.

Die innere Verfasstheit der EU hat sich durch den Brexit spürbar verändert. Das relative Gewicht der Währungsunion wächst und damit auch ihre Anziehungskraft für Nicht-Euro-Staaten. Niederländer und Skandinavier spielen eine wichtigere Rolle, weil sie anstelle der Briten die Fahne der liberalen Wirtschaftspolitik hochhalten.

Den beiden größten EU-Staaten fehlt der Dritte im Bunde: Deutschland und Frankreich wächst damit eine viel größere Verantwortung zu für den Zusammenhalt. Wenn Berlin und Paris sich streiten, wird das umso mehr auffallen.

Mehr: Gute Geschäfte mit der EU ohne zu große Verpflichtungen: Die Schweizer leben den Traum der Briten. Als Brexit-Blaupause reicht das allerdings nicht.

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