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Kommentar Guaidó unterstützt, Maduro an der Macht: Das Dilemma des Westens in Venezuela

Die Unterstützung des selbst ernannten Interimspräsidenten Juan Guaidó war richtig, könnte aber zum Problem werden. Maduro wird immer noch unterstützt.
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Sowohl Juan Guaidó als auch Nicolás Maduro haben ihre Unterstützer. Quelle: Reuters
Venezuela

Sowohl Juan Guaidó als auch Nicolás Maduro haben ihre Unterstützer.

(Foto: Reuters)

Auf den ersten Blick erscheint alles ganz einfach: In Venezuela ist Nicolás Maduro seit seinem Amtsantritt vor sechs Jahren zu einem Diktator geworden. Mit gefälschten Wahlen hat er sich im Amt bestätigen lassen und hält sich seitdem mit einem brutalen Repressionsapparat an der Macht. Er regiert Venezuela so katastrophal, dass heute im ölreichsten Land der Welt die meisten Menschen verarmt sind. Sie hungern, sterben an einfachen Krankheiten, und jeder Zehnte hat das Land inzwischen verlassen. Kein Zweifel: Maduro ist für eine der aktuell schwersten humanitären Katastrophen in der Welt verantwortlich.

Als sich Parlamentspräsident Juan Guaidó am 23. Januar dieses Jahres zum Interims-Präsidenten erklärte, weil Maduro die Wahlen gefälscht hatte, zögerten die USA keinen Augenblick und erkannten den 35-jährigen Politiker offiziell als Präsidenten Venezuelas an. 50 Staaten weltweit folgten bald, vor allem die Lateinamerikas, aber auch in Europa schlossen sich viele Länder an, darunter Deutschland.

Inzwischen fragen sich aber viele, vor allem europäische Regierungen und ihre Diplomaten, ob die Entscheidung für Guaidó nicht überstürzt war oder gar falsch. Die Frage lässt sich taktisch und moralisch betrachten. Anders als erhofft, hat Guaidó den anfänglichen Rückenwind bisher nicht nutzen können, um den Despoten abzusetzen.

Das Risiko steigt, dass das Regime ihn in Kürze neutralisiert und er in der Versenkung verschwindet. Hat Berlin damit zu früh auf das falsche Pferd gesetzt und gleichzeitig die diplomatischen Kanäle für eine Verhandlungslösung gekappt? Das ist möglich. Aber Deutschland hätte sich in Lateinamerika keine Freunde gemacht, wenn es Guaidó nicht anerkannt hätte. Mit der Anerkennung Guaidós hat Deutschland klargemacht, dass es in Lateinamerika die Demokratie erhalten will.

Doch ist das so sicher? Wer sagt denn, dass Guaidó wirklich die große Mehrheit der Bevölkerung hinter sich hat? Auch hat Maduro trotz seines Versagens immer noch Anhänger. Ein Land wirtschaftlich an die Wand zu fahren ist zwar fatal, aber kein Verbrechen. Zudem gibt es auf der Welt zahlreiche autoritäre Staaten, die bei ihren Bevölkerungen populär sind.

Dennoch war die Entscheidung richtig, Guaidó zu unterstützen, um damit Venezuela eine Rückkehr in Richtung Demokratie zu ermöglichen. Denn in der Geschichte hat sich gezeigt, dass Diktaturen von Simbabwe bis Kuba sich mit der nötigen Repression und Unterstützung ausländischer Großmächte jahrzehntelang auf Kosten der Bevölkerung an der Macht halten können. So eine Tragödie zu beenden, war auf jeden Fall den Versuch wert.

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