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Kommentar Gute Smartphones reichen den Herstellern als Geschäftsmodell nicht mehr aus

Zwölf Jahre nach dem ersten iPhone sind die technischen Möglichkeiten ausgereizt. Unternehmen brauchen Konzepte für die nahende Zeit nach dem Boom.
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Beim Kauf eines neuen Smartphones betrachten viele Nutzer einen besseren Akku und einen größeren Speicher als die wichtigsten Eigenschaften. Quelle: Bloomberg
Neue Samsung-Smartphones

Beim Kauf eines neuen Smartphones betrachten viele Nutzer einen besseren Akku und einen größeren Speicher als die wichtigsten Eigenschaften.

(Foto: Bloomberg)

An großspurigen Ankündigungen dürfte es nicht mangeln, wenn zum Wochenbeginn der Mobile World Congress (MWC) in Barcelona eröffnet. Die Elektronikhersteller werden die Leitmesse der Mobilfunkbranche nutzen, um Smartphones mit biegbaren Bildschirmen und schnellen 5G-Verbindungen anzukündigen.

Samsung hat das eigene Portfolio bereits präsentiert und mit seinem 2000 Euro teuren faltbaren Handy für Furore gesorgt. Das war natürlich beabsichtigt, um der Konkurrenz zuvorzukommen.

Marketing gehört zum Geschäft. Die Realität ist indes weniger spektakulär. Der Boom vergangener Jahre ist vorbei, auch die technischen Neuerungen dürften das kaum ändern. Smartphones sind weitgehend ausgereift, schon für 200 Euro gibt es ordentliche Geräte, die vielen Nutzern ausreichen. Zudem gibt es immer mehr Produkte, die Funktionen des Mobiltelefons übernehmen, von Computeruhren über vernetzte Lautsprecher bis hin zu Autos.

Das Resultat: In der wohlhabenden Welt herrscht ein Verdrängungswettbewerb, in den Schwellenländern tobt der Preiskampf. Die Smartphone-Branche steht daher vor einem Umbruch: Wer nicht im Massengeschäft mit bedrohlich schmalen Margen kämpfen will, muss rund um die Hardware ein Geschäft mit Dienstleistungen und Zubehör aufbauen. Das wird so manchen Hersteller überfordern.

Als Steve Jobs Anfang 2007 das erste iPhone aus der Tasche zog, pries er es als revolutionär an. Die vollmundige Wortwahl war für den damaligen Apple-Chef typisch, aber er hatte recht: Dieser Computer für die Hosentasche und seine unzähligen Nachahmer haben innerhalb weniger Jahre die Kommunikation, das Einkaufen und die Mobilität so dramatisch verändert wie kaum eine Technologie zuvor. Heute ist alles „mobile first“.

Zwölf Jahre später sind die technischen Möglichkeiten der Geräte jedoch weitgehend ausgereizt. Beim Kauf eines neuen Smartphones betrachten viele Nutzer einen besseren Akku und einen größeren Speicher als die wichtigsten Eigenschaften, wie eine Studie des Hightechverbands Bitkom zeigt – eine bessere Kamera wünscht sich nur jeder fünfte, mehr Rechenleistung nur jeder siebte. Alles Weiterentwicklungen vorhandener Technik.

Daran wird auch der neue Mobilfunkstandard so schnell nichts ändern. 5G ist angesichts wachsender Datenmengen eine wichtige Weiterentwicklung. Allerdings wird der unmittelbare Nutzen für Verbraucher zunächst gering sein – für die meisten Anwendungen reicht das Mobilfunknetz schon heute aus, sofern es denn richtig ausgebaut ist. Und: Es wird Jahre dauern, bis das schnelle mobile Internet flächendeckend zum Einsatz kommt.

Wettbewerb um Aufmerksamkeit und Budgets

Flexible Bildschirme wiederum ermöglichen es den Herstellern, sich vom rechteckigen Einheitsdesign heutiger Smartphones abzuheben. Allerdings vermitteln die bisher bekannten Konzepte den Eindruck, dass es sich um eine Lösung auf der Suche nach einem Problem handelt.

Wer beispielsweise mehrere Apps parallel nutzen will, kann das auch mit einem Tablet oder Notebook tun. Wer, außer Gadget-Fans, wird also 2000 Euro für ein faltbares Handy ausgeben?

Zumal der Wettbewerb um Aufmerksamkeit und Budgets der Verbraucher wächst. In immer mehr Küchen und Wohnzimmern stehen Lautsprecher mit Sprachassistenten, die Musik spielen oder den Wecker stellen, während Smartwatches Laufstrecken messen und diskret über neu hereingekommene WhatsApp-Nachrichten informieren.

Das Smartphone hat einst alle Funktionen an sich gezogen wie ein schwarzes Loch, von der Spielkonsole bis zum Fotoapparat. Nun gibt es wieder Materie ab.

Nutzer werden weiter Smartphones kaufen, trotz „Digital Detox“, aber auch wegen der neuen Technologien. Der Markt jedoch wird in den nächsten Jahren kaum wachsen. Das Mobiltelefon ist zu einem Massenprodukt geworden, bei dem wie beim PC der Preis entscheidet.

Selbst Trendsetter Apple kann sich dieser Entwicklung nicht vollständig entziehen. Für andere Firmen ist sie gar bedrohlich: Schon bislang betreiben nur wenige das Smartphone-Geschäft nachhaltig profitabel.

Auf dem Mobile World Congress wird zu besichtigen sein, welche Unternehmen ein Konzept für die Zeit nach dem Smartphone-Boom haben. Einige entwickeln intelligentes Zubehör, etwa Kopfhörer mit Sprachsteuerung, andere Geräte fürs Smarthome. Und fast alle machen sich darüber Gedanken, wie sie zusätzliche Dienstleistungen anbieten können, wie Medienabos, Onlinespeicher und Apps.

Diese Strategie ist leichter empfohlen als umgesetzt. Im Geschäft mit smarten Produkten ist die Konkurrenz riesig – von Start-ups bis zu etablierten Konzernen. Und wer digitale Dienstleistungen anbietet, bekommt es mit Google zu tun, das über das Betriebssystem Android direkten Zugang zu einem beträchtlichen Teil der Smartphone-Nutzer hat. Daran ändert auch der faltbare Bildschirm nichts.

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