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Kommentar Haare schön statt Handel offen: Mit der Öffnung der Friseure bekommt der Staat ein Argumentationsproblem

In den Öffnungsdebatten der Pandemie kommt den Friseuren ein besonderer Stellungwert zu. Diese politische Prioritätensetzung wirft einige Fragen auf.
10.02.2021 Update: 10.02.2021 - 22:05 Uhr 10 Kommentare
Friseursalons sind seit Wochen geschlossen. Quelle: dpa
Friseure

Friseursalons sind seit Wochen geschlossen.

(Foto: dpa)

Es ist an der Zeit, sich grundsätzlicher mit der Rolle des deutschen Friseurhandwerks in der Pandemie zu befassen. Denn die Frage, ob sich die Bürger legal von einer Fachkraft die Haare schneiden lassen können, ist längst eine politische Richtungsentscheidung geworden.

Friseursalons stehen ganz oben, wenn die Republik über Lockerungen diskutiert. Das war schon vergangenes Jahr so. Nun steht fest: Friseurbetriebe dürfen bereits ab 1. März loslegen.

Der Fokus auf den Haarschnitt zeigt, dass die Corona-Einschränkungen schnell ins Absurde abgleiten können. Offene Schulen und Kitas beeinflussen die Zukunftschancen von Kindern. An Friseurterminen hängen vergleichsweise kurzfristige Güterabwägungen, etwa die Farbe der Strähnchen.

Auch aus volkswirtschaftlicher Sicht ist das Vorgehen erstaunlich: Die gut 50.000 Fachbetriebe setzten vor der Pandemie etwa 6,7 Milliarden Euro um, das waren gerade einmal 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

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    Die gesamtgesellschaftliche Leistung des Friseurgewerbes soll natürlich keineswegs gering geschätzt werden. Nicht wenige Menschen dürften dieser körpernahen Dienstleistung eine gewisse Systemrelevanz beimessen, wenn sie nach Wochen des Lockdowns das unkontrollierte Wachstum ihres Haupthaars beobachten.

    In dem Beschluss von Bund und Ländern wurde ebenfalls die „Bedeutung von Friseuren für die Körperhygiene“ hervorgehoben. Angesichts der langen Schließung „erscheint es erforderlich, die Inanspruchnahme zu ermöglichen, da erhebliche Teile der Bevölkerung, insbesondere ältere Menschen, auf diese angewiesen sind“.

    Der Staat bekommt ein Argumentationsproblem

    Im September sagte Jens Spahn mit Blick auf den ersten Lockdown, man würde „mit dem Wissen heute“ weder Friseure noch Einzelhandel schließen. Die Aussage des Gesundheitsministers ist überholt, das kann in der Dynamik der Pandemie natürlich passieren.

    Weniger Verständnis verdient, dass nach fast einem Jahr noch nicht geklärt ist, welche Rolle Friseure, Geschäfte oder Gastronomie beim Infektionsgeschehen spielen. Um Daten und Studien zu diesen Fragen hat sich die Regierung nie ernsthaft bemüht. Stattdessen genügte ihr ein pauschaler Schließungsansatz, von dem man sich eine allgemeine Reduzierung der Kontakte erhoffte.

    Mit der Öffnung der Friseure „unter Auflagen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts mit Reservierungen sowie unter Nutzung medizinischer Masken“, bekommt der Staat ein Argumentationsproblem: Warum sollten Läden, die strikte Auflagen ebenfalls erfüllen können, dichtbleiben?

    Mehr: Als Richtmarke für Lockerungen kursiert eine neue Schwelle: 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen. Für die Bundesländer ist die Zahl wichtig, doch daran gibt es Kritik.

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    10 Kommentare zu "Kommentar: Haare schön statt Handel offen: Mit der Öffnung der Friseure bekommt der Staat ein Argumentationsproblem"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ich begrüße die Öffnung der Frisörgeschäfte, da mein Aussehen viel mit meinem Ego zu tun hat. Angesichts der gravierenden Probleme in allen Bereichen der Gesellschaft ist es einfach willkürlich, einer einzelnen Branche die Öffnung zu ermöglichen. Die Fokussierung auf einen imaginären Gesamt-Inzidenzwert ist das größte Missverständnis in dieser schwierigen Zeit. Die Bevölkerung ist nicht homogen und deshalb braucht es eine differenziertere Bewertung der Gesundheitsrisiken. Wenn weiter an dieser Pauschalisierung festgehalten wird, ist für Deutschland eine düstere Perspektive zu erwarten. Wieso agiert die Regierung so, als wären wir Bürger ungebildet und unmündig? Dieser Politikstil ist weit überholt!

    • die Begründung:
      "In dem Beschluss von Bund und Ländern wurde ebenfalls die „Bedeutung von Friseuren für die Körperhygiene“ hervorgehoben. Angesichts der langen Schließung „erscheint es erforderlich, die Inanspruchnahme zu ermöglichen, da erhebliche Teile der Bevölkerung, insbesondere ältere Menschen, auf diese angewiesen sind“." Und wer genau stellt nochmal die Stammwählerschaft der CxU?
      Ein Schelm wer....

      Anstatt sich mit der Datenlage auseinanderzusetzen - davon gibt es international mittlerweile reichlich Quellen wenn man schon selbst die Finger nicht krumm machen will - und den Hebel dort anzusetzen wo er die meisten Wrikung hat, bauchpinselt man die Stammwählerschaft und eiert monatelang auf Nebenkriegsschauplätzen herum und beschließt wirkungslose Maßnahmen. Hauptsache die Wählerschaft wird nicht zu stark eingeschränkt.


    • Seit nunmehr einem Jahr immer dasselbe Spiel. Diesmal ist es das (Diskussions-)Stöckchen Friseure, Schulen - auf oder zu und wir freuen uns, dass Friseure nun doch per Dekret und willkürlich öffnen können.
      Wir sollten auf den Werfer bzw. der Werferin dieses Stöckchen schauen - warum wird das Stöckchen geworfen?
      Ablenkung vom eigentlichen Problem ist meine These !
      Wie in dem Artikel schon angeklungen ist, weiß die Politik + Experten noch nicht einmal Basisdaten (wer wird wann warum infiziert und welche Maßnahme bringt dann was) und offensichtlich hält man dies auch nicht für wichtig. Die Politik (sage ich mal pauschal) weiß offensichtlich noch nicht einmal, wer gilt als infiziert?
      Ist es ein mit PCRl-positiv-Getesterter oder müssen auch noch, wie die WHO vorgibt, auch noch festgestellte Symptome vorliegen. Nein, uns interessieren nur die positiv-Getesteten und diese werden deklariert mit "nachweisliche Neuinfektion" täglich per Fax übermittelt.
      Was sind Corona-Tote? Es dürfte sicherlich nicht jemand sein, der an Herzinfarkt gestorben ist und gleichzeitig auch per PCR-Test-positiv-Getester, portmortem festgestellt, angeblich infiziert war.
      Was bedeutet der Inzidenzwert ? Es ist mehr oder weniger eine fiktiv von der Politik festgesetzte Zahl, die eigentlich nur die Leistungsfähigkeit der Gesundheitsämter darstellt. Bei 50 sollten auch Gesundheitsämter, die mit händisch oft unleserlich ausgefüllten Listen, per Telefon nachverfolgt und Fax übermittelt, Infektionsverläufe nachvollziehbar machen sollen.
      Das zum Maßstab für Lockdowns oder nicht mit Multi-Milliarden-Kosten zu machen, auf so einen Blödsinn muss man erst mal kommen. Moderne, digitalisierte Gesundheitsämter kommen auch mit einem Inzidenzwert von 300 oder 400 klar, herkömmlich arbeitende nicht mit 50. Logisch wäre es, die Leistungsfähigkeit der Ämter zu stärken.
      Wir beschäftigen uns seit einem Jahr mit Problemen, die die Politik selbst produziert hat - mangels Inkompetenz. Gut das das Virus nicht Pest heißt.

    • @ Marianne Schad
      "Die Politik hat einfach rigoros alles dicht gemacht, da sie nicht in der Lage war und ist, die Ansteckungsherde zu benennen.
      So vergeht einem die Einsicht in politisches Handeln, da es willkürlich ist. Es geht nicht um die Farbe der Strähnen sondern um mein körperliches Wohlbefinden seit November und um das Überleben des Handwerks.
      Hier findet ein Kahlschlag statt und die meisten Bundesbürger finden diese Politik immer noch alternativlos, unfassbar!"

      Dem ist nichts hinzuzufügen.
      Oder vielleicht doch: ich kann den Politikern z.B. ziemlich genau sagen, warum es etwa in Altenpflegeeinrichtungen zu besonders vielen Infektionen kommen kann. Sie müssten halt nur mal die Altenpflegekräfte fragen - wie z.B. eine Bekannte von mir: verwirrte /demente Menschen etwa können Hygiene- / Schutzmaßnahmen überhaupt nicht kognitiv umsetzen!! Man müsste diese also in ihren Zimmern einsperren, um effektiv eine Virusausbreitung zu verhindern - was aber selbstverständlich Freiheitsberaubung wäre!. Da in Pflegeeinrichtungen sowieso meist eklatanter Personalnotstand herrscht, können die wenigen Pflegekräfte nicht auch noch rund um die Uhr, 24/7, verwirrte Bewohner davon abhalten, etwa ohne Schutzmaske in andere Zimmer bzw. zu anderen Bewohnern zu gehen. Auf diese Weise erfolgt dann am ehesten eine Ausbreitung in der Einrichtung. Meine Bekannte kennt jedoch keinen einzigen (Gesundheits-)Politiker, der sich jemals für so etwas interessiert hätte!

    • Das gegeneinander vergleichen ist hier nicht angebracht: Friseurdienstleistungen werden auch in der Pandemie angeboten, nur eben unter Nichtwahrung der Hygienevorschriften am Fiskus vorbei. Gleichzeitig stirbt eine Branche. Deshalb gibt schon jetzt keinen Anlass, Den Friseurgeschäften die Öffnung zu untersagen.

    • Schüler haben kein Wahlrecht (jedenfalls NOCH nicht, denn wenn es nach den GrünInnen geht, dürfen bald auch Kleinkinder wählen, sobald sie gretagemäß ökoindoktriniert worden sind) - Rentner - und hier ganz besonders die Rentnerinnen - aber sehr wohl. Und diese können wirklich extrem - und vor allem WAHLENTSCHEIDEND - angesäuert sein, wenn sie nicht bald wieder mindestens einmal pro Woche eine neue Dauerwelle und den obligatorischen Tratsch beim Friseur bekommen!!

    • „Offene Schulen und Kitas beeinflussen die Zukunftschancen von Kindern. An Friseurterminen hängen vergleichsweise kurzfristige Güterabwägungen, etwa die Farbe der Strähnchen.“
      Ersteres wird immer wieder (hier zumindest nicht ganz so apodiktisch wie in anderen Presseorganen) geschrieben. Aus meiner Erfahrung heraus (Frau Lehrerin, ein Kind in der Grundschule) unter Berücksichtigung des im Homeschooling getriebenen Aufwands bezweifle ich das sehr stark.Der Onlineunterricht erschöpft sich doch zwischenzeitlich nicht mehr im bloßen Hochladen von Arbeitsblättern. Am Ende wird es so sein, dass die Kinder, die auch im Präsenzunterricht fleißig sind, weiter lernen und die anderen - wie sonst auch - halt eher nicht. Meines Erachtens werden in der Diskussion um die richtige Pandemiebekämpfung (vermeintliche) Kinderinteressen oder tatsächliche Kinderinteressen, die aber in normalen Zeiten leider kaum Aufmerksamkeit erhalten (Kinder von prügelnden Alkoholikern, man hat das GEfühl Deutschland besteht nur noch aus solchen Familien), teilweise nur vorgeschoben, weil die Einrichtungsschließungen fraglos sehr sehr hart für die Eltern ist. „Es ist zu anstrengend für mich“ klingt aber natürlich nicht so gewichtig wie „die Kinder erleiden nicht wiedergutzumachende Schäden“.
      Wenn wir im Ergebnis im Distanzunterricht (aber auch nur während dieser Zeit) einen „Bildungsverlust“ von 20 Prozent unterstellen (ich gehe davon aus, dass er tatsächlich viel geringer ausfällt) und auf der anderen Seite sehen, dass bspw. Friseure (ohnehin kein Beruf um reich zu werden) nun bei 0 stehen, erscheint mir hier eine Abwägung in Richtung der Friseure angezeigt, auch wenn dem Totschlagsargument „Rettet die Kinder“ in einer aufgeheizten Diskussion nur schwer rational entgegengetreten werden kann. Dass Kindergärten und Schulen tatsächlich Infektverteilzentren sind, weiß doch jeder aus eigener Erfahrung der Kinder in solchen Einrichtungen hat(te) und bei sich selbst einen Anstieg der Erkältungen erfährt.

    • Fakt ist, dass Friseurdienstleistungen auch bei Salonschließungen nachgefragt und angeboten werden. Ob bei diesen privaten Treffen die strengen Hygienestandards wie bei einem Friseurbesuch eingehalten werden darf bezweifelt werden. Ebenso dürfte bei diesen privaten Zusammenkünften eine Nachverfolgung der Infektionsketten so gut wie ausgeschlossen sein. Steigende Nachfrage und die wirtschaftliche Not der Friseure bahnen sich hier einen Weg, der kontraproduktiv in der Bekämpfung der Pandemie ist. Ich sehe keine Agrumentationsnot!

    • Das Hygienekonzept empfand ich bei meinen Besuchen bis November immer super umgesetzt. Vor allem wurde auch eine sehr intensive Kontaktverfolgung gewährleistet. Diese war allerdings nicht digital. Vielmehr sollten wir doch die digitale Kontaktverfolgung ermöglichen. Das entlastet Gesundheitsämter und lässt schnelle Rückschlüsse zu. Warum wir da nicht mal an einer staatlichen Lösung gearbeitet? Die Corona App sehe ich da nur als einen Teil der Lösung.

    • Herr Waschinski,
      nach dem ersten Lockdown durften Frisöre mit maximal 2 Personen zwei Kunden bedienen, es waren 4 Leute im Geschäft, natürlich mit Maske und Schutzkleidung. Da kann keine Ansteckung statt gefunden haben. Dann dürfte ich auch nicht mehr einkaufen gehen. Die Politik hat einfach rigoros alles dicht gemacht, da sie nicht in der Lage war und ist, die Ansteckungsherde zu benennen.
      So vergeht einem die Einsicht in politisches Handeln, da es willkürlich ist. Es geht nicht um die Farbe der Strähnen sondern um mein körperliches Wohlbefinden seit November und um das Überleben des Handwerks.
      Hier findet ein Kahlschlag statt und die meisten Bundesbürger finden diese Politik immer noch alternativlos, unfassbar!

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