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Kommentar Hackerangriff ist der letzte Weckruf für mehr Datenschutz

Das Datenleck und der Umgang damit zeigen, wie wenig Deutschland auf solche Angriffe vorbereitet ist. Staat und private Unternehmen müssen sich besser schützen.
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Der mutmaßliche Täter brachte sich seine Fähigkeiten offenbar selbst bei. Quelle: dpa
Tweets des inzwischen gesperrten Accounts „G0d“

Der mutmaßliche Täter brachte sich seine Fähigkeiten offenbar selbst bei.

(Foto: dpa)

Nach ersten Analysen hat „G0d“ zu viel versprochen. So „heftig“ wie der Twitter-Nutzer sie in seinem „Adventskalender“ ankündigte waren die veröffentlichten privaten Daten von Politikern und Prominenten nicht. Die von dem oder den Tätern in Umlauf gebrachten Daten sind vielmehr eine chaotische Sammlung aus alten und neuen Daten, Telefonnummern und Adressen, aber auch privatem Nachrichtenverkehr.

Der Vorgang ist dadurch jedoch nicht minder gravierend. Er wirft ein Schlaglicht darauf, wie erschreckend schlecht vorbereitet Deutschland auf solche gezielt platzierten Datenlecks ist. Vor allem, aber nicht nur, die zuständigen Sicherheitsbehörden und das Innenministerium müssen dazulernen, und zwar schnell. Denn eins ist sicher: Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass solche Daten veröffentlicht werden.

Es fing schon damit an, wie die Öffentlichkeit von dem Leck erfuhr. Da werden wochenlang in großem Stil Daten von politisch aktiven Prominenten und Politikern, darunter auch die Bundeskanzlerin und der Bundespräsident, veröffentlicht, und wie erfährt das die Öffentlichkeit? Erst nach Wochen und durch den rbb. Noch nicht einmal das Bundeskanzleramt will frühzeitig informiert gewesen sein.

Dann die erste Pressekonferenz des zuständigen Innenministeriums: Obwohl der Leak bereits mehrere Stunden bekannt war – genug Zeit, um mit ausreichend Mitarbeitern das Material durchforsten zu können –, teilt der Sprecher nur wenig Inhaltvolles mit. Die Unsicherheit wächst weiter, Tür und Tor für Spekulationen bleiben weit offen.

Das bringt einen zur Rolle der Medien, über Stunden die einzige Quelle für Informationen, selbst für die Betroffenen. Manch ein Journalist machte genau das, was die Hacker erhofft haben dürften: den Inhalt der Leaks überinterpretieren. So schrieb ein Journalist auf Twitter, er habe in den Dokumenten auch Hinweise auf Korruptionsfälle gefunden – ein Vorwurf, den er später selbst relativierte.

Bleibt die Rolle der Betroffenen selbst. Die Vermutung liegt nahe, dass manche sich nicht ausreichend geschützt haben. Ein Weckruf für alle – nicht nur die dienstlichen Accounts müssen umfassend geschützt werden, auch die privaten! Es reicht auch nicht, wenn sich nur besonders gefährdete Menschen vor Hackerangriffen schützen. Auch ihr Umfeld muss es tun.

Die Parteien müssen sich noch besser absichern, staatliche Stellen wie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, die an Hinweise auf Datendiebstahl gelangt sind, selbstverständlich auch andere Stellen warnen. Und es müssen endlich die privaten Unternehmen stärker in die Pflicht genommen werden, ihre Systeme besser gegen Angriffe zu sichern.

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