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Kommentar Härtetest für Tavares: Fiat Chrysler und PSA wollen VW-Konkurrenten formen

Der CEO des französischen Autobauers soll auch nach der Fusion mit Fiat Chrysler der starke Mann bleiben. Doch der Deal wird für ihn zum Kraftakt.
31.10.2019 - 11:46 Uhr Kommentieren
Fusion von PSA & Fiat Chrysler: PSA-Chef Tavares steht vor Härtetest Quelle: dpa
Carlos Tavares

„Es kommt auf Agilität und Rentabilität an, nicht auf Größe“, ist einer der Leitsprüche des Automanagers.

(Foto: dpa)

Du hast nur diese eine Chance, also nutze sie: Das wird sich PSA-Chef Carlos Tavares gesagt haben, als er nach längerem Zögern die Fusion mit Fiat Chrysler (FCA) ansteuerte. Am Donnerstag hat der Autobauer (Peugeot, Citroën, Opel) offiziell verkündet, sich mit dem Rivalen zusammenschließen zu wollen.

FCA, diese italienisch-amerikanische Kombination aus Kleinwagen und amerikanischen Benzinfressern, ist für Tavares kein hochattraktiver Partner. Der portugiesisch-französische Technikfan muss sich vermutlich die Nase zuhalten, wenn er in einen Jeep oder Ram steigt. Aber es ist der einzige Partner, der verfügbar ist, um PSA zu einer größeren Bilanz zu verhelfen.

„Es kommt auf Agilität und Rentabilität an, nicht auf Größe“, ein von Tavares seit Jahren vorgetragenes Mantra, war immer nur halb richtig: Profitabel zu sein ist die Grundvoraussetzung für das Überleben. Aber wenn sich sogar ein Riese wie Volkswagen mit Ford zusammenschließt, um sich auf die Elektromobilität vorzubereiten, ist klar: PSA alleine kann die nötigen Investitionen nicht stemmen.

Damit ist die grundsätzliche Entscheidung von Tavares für einen Zusammenschluss richtig. FCA erreicht selbst einen ordentlichen Gewinn, auch wenn das Unternehmen nicht so hochrentabel ist wie die Franzosen. Das erklärt wohl die euphorische Reaktion der Börsen nach der Bestätigung von Fusionsgesprächen.

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    Der Horizont vieler Anleger liegt allerdings maximal auf den kommenden drei Monaten. Der kürzeste Horizont von Tavares sind die nächsten drei Jahre: Erst danach sollen die milliardenschweren Synergien voll zum Tragen kommen.

    Eine Mindest-Haltefrist von drei Jahren hat er sich deshalb von seinen wichtigsten Aktionären ausbedungen. Vorher dürfen sie die neuen Aktien nicht verkaufen, die sie im Tausch gegen ihre PSA-Papiere erhalten werden.

    Womit wir bei den Mühen und Schwierigkeiten sind, die diese Fusion verursachen wird, falls PSA und FCA sich endgültig verständigen. Die größte ist die Umstellung auf klimafreundliche Autos. FCA erwirtschaftet den größten Teil seiner Gewinne in den USA, vor allem dank benzinfressender SUVs von Jeep und Ram.

    Tavares muss sie auf Entzug setzen, um die europäischen Normen für den Flottenverbrauch einigermaßen einhalten zu können. Er hat eine dreijährige Schonfrist, weil FCA sich in dieser Zeit die Emissionsfreiheit der Elektroautos von Tesla anrechnen lassen darf. Danach aber wird es ernst.

    Schon technisch ist das eine Herausforderung. Selbst wenn das klappt – kann man sich vorstellen, dass die Fans der US-Marken noch Monster-Geländewagen und Pick-ups kaufen, die nicht mehr grollen und donnern, sondern schnurren wie ein Kätzchen?

    Viele Baustellen

    PSA selbst ist spät in die Elektrisierung gestartet und hat erst wenig Erfahrung damit, auch wenn die Plattformen inzwischen darauf eingestellt sind. Wie ernst Tavares diese Herausforderung nimmt, kann man in seinen Interviews zum Thema nachlesen: Da spricht er von Emissionsnormen, die „existenzbedrohend“ seien für die europäische Autoindustrie. Dieser Aufschrei kommt von Herzen und hat einen triftigen Grund: die hohen Kosten für die Franzosen.

    Das zweite Großproblem sind die Überkapazitäten in Europa. Die Fiat-Werke sind sehr schlecht ausgelastet. Die Börsen feiern den Zusammenschluss, weil die Konsolidierung der Autoindustrie vorankommt. Das heißt aber, dass Überkapazitäten abgebaut werden müssen. PSA stellt Synergien von 3,7 Milliarden Euro in Aussicht, aber auch damit verbundene Kosten in Höhe von 2,8 Milliarden Euro.

    Es wird also wohl mit teuren Sozialplänen oder Angeboten für freiwilliges Ausscheiden gerechnet. Das ist nur die finanzielle Seite. Die politischen Belastungen, die mit Auseinandersetzungen um Personalabbau verbunden sind, haben die Architekten des Zusammenschlusses nicht auf der Rechnung.

    Grafik

    Hier geht es nicht nur um Fiat. PSA ist viel zu sehr von Europa abhängig, verkauft hier fast neun von zehn Autos. Das muss sich ändern, und damit wird auch der gesunde französische Teil des künftigen Ganzen perspektivisch Produktion aus Europa auf andere Kontinente verlagern.

    Bleibt das Problem Asien, das auch Tavares noch nicht gelöst hat. Seit drei Jahren brechen die PSA-Verkäufe in China ein. Eine befriedigende Erklärung hat der Autobauer noch nicht geboten, geschweige denn eine Lösung. Nun erhofft sich auch noch Fiat Chrysler von den Franzosen, auf dem größten Automarkt der Welt in eine glänzende Zukunft gezogen werden.

    Beruhigend ist, dass die Führungsfragen geklärt sind. Tavares soll Chef des neuen Herstellers werden. Die PSA-Seite wird die Mehrheit im Verwaltungsrat haben. Die „Fusion unter Gleichen“ wird also in Wahrheit eine Fusion unter französischer Führung. Das ist gut, weil Tavares seine Fähigkeiten bewiesen hat.

    Offen ist, ob amerikanische und italienische Manager sich so brav von ihm führen lassen, wie es bei Opel der Fall ist. Der clevere Carlos steht vor seiner größten Härteprobe.

    Mehr: Peugeot und Fiat Chrysler wollen einen neuen Giganten formen. Anleger jubeln, die Aktien heben ab. Für die PSA-Tochter Opel wäre der Zusammenschluss hingegen der „GAU“.

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