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Kommentar Handelskrieger Trump stürzt sich auf China – doch Europa hat keinen Grund zur Schadenfreude

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte – doch nicht im internationalen Handel. Der Zollstreit zwischen China und den USA gefährdet die Ordnung der Weltwirtschaft.
Update: 18.09.2018 - 16:25 Uhr Kommentieren
USA gegen China: Europa wird unter dem Handelsstreit leiden Quelle: Reuters
Donald Trump (r.) mit EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker

Den Preis für die Eskalation im Handelskonflikt zwischen den USA und China zahlen Unternehmen und Verbraucher – auch in Europa.

(Foto: Reuters)

Berlin Die Globalisierung hat die Weltwirtschaft mit einem Spinnennetz von grenzüberschreitenden Lieferketten überzogen. Deshalb ist eine klammheimliche Schadenfreude der Europäer über die Eskalation im Handelskonflikt zwischen USA und China völlig unangebracht.

Zwar hat sich der Fokus des Handelskriegers Donald Trump von Europa in Richtung China verschoben. Und der massive Druck, den der US-Präsident jetzt auf Peking ausübt, kommt den Europäern politisch nicht ungelegen. Denn auch die europäischen Unternehmen ärgern sich genauso wie ihre amerikanischen Mitbewerber über die unfairen Handelstricks, mit denen die Chinesen ihre eigenen Anbieter vor ausländischer Konkurrenz schützen.

Ein offener Handelskrieg zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt trifft jedoch unweigerlich auch deutsche und andere europäische Firmen. Zudem schwinden in einem Klima von Attacke und Vergeltung die Chancen, dass die Streitigkeiten gemäß den gemeinsamen Regeln der Welthandelsorganisation WTO gelöst werden können.

Von den US-Strafzöllen sind multinationale Konzerne unmittelbar betroffen, wie zum Beispiel Siemens; die Münchener importieren elektronische Bauteile aus China für den US-Markt. Das Gleiche gilt auch umgekehrt für alle Waren, die von Unternehmen in den USA, seien es nun heimische oder ausländische, nach China exportiert werden.

Peking hat am Dienstag angekündigt, den erneuten Angriff Trumps mit gleicher Münze heimzuzahlen. Zur Erinnerung: Der US-Präsident startete den „Krieg“ mir einer Salve von Strafzöllen auf chinesische Importe in Höhe von 50 Milliarden Dollar. Peking schlug in gleicher Höhe zurück. Trump legt jetzt noch einmal Zölle auf ein Importvolumen von 200 Milliarden Dollar oben drauf.

China reagiert mit Zöllen auf ein Importvolumen von 60 Milliarden Dollar. Trump hatte für diesen Fall angekündigt, noch einmal nachzulegen und Abgaben auf zusätzliche Importe im Volumen von 267 Milliarden Dollar zu erheben. Damit hätten die USA dann sämtliche Güterimporte aus China mit Strafzöllen belegt.

Trump setzt darauf, dass er am längeren Hebel sitzt und möchte sich noch vor den Kongresswahlen am 6. November seinen Wählern als starker Mann präsentieren. Trump fühlt sich nicht nur deshalb stark, weil die US-Konjunktur im Moment brummt und die chinesische Wirtschaft Mühe hat, ihre Wachstumsziele zu erreichen.

Der Handelskrieger im Weißen Haus setzt auch darauf, dass Peking langsam, aber sicher die Munition ausgeht. Tatsächlich importiert China nur etwa ein Viertel dessen aus den USA, was es nach Amerika exportiert. Das heißt, es gibt gar nicht so viele US-Güter, die Peking mit Strafzöllen belegen kann.

Wer allerdings glaubt, China werde nun klein beigeben, könnte eine böse Überraschung erleben. Der chinesische Präsident Xi Jinping verfolgt eine ähnlich nationalistische Wirtschaftspolitik wie sein Kontrahent im Weißen Haus und darf vor seinem Milliardenvolk auf keinen Fall sein Gesicht verlieren. Eher wird Xi den US-Firmen in China mit anderen Handelshemmnissen weitere Daumenschrauben anlegen.

Für Europa und sein politisches Ziel, die regelbasierte Welthandelsordnung zu bewahren, verheißt all das nichts Gutes. EU-Chef Jean-Claude Juncker hatte Trump bei seinem Besuch im Juli in Washington die Zusage abgerungen, dass man im Rahmen der WTO gemeinsam gegen die unfairen Handelspraktiken Chinas vorgehen wolle.

Der US-Präsident hat diesen Plan jetzt mit seinem neuesten Feldzug gegen chinesische Importe zunichte gemacht. Den Preis für diese Eskalation zahlen Unternehmen und Verbraucher – auch in Europa.

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