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Kommentar Henkel-Chef Knobel sollte umgehend die überfälligen Entscheidungen treffen

Die Hängepartie der Düsseldorfer muss ein Ende haben. Der neue Vorstandschef sollte nun handeln, um den Konzern wieder auf Wachstumskurs zu bringen.
06.03.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Der Henkel-Chef hat am Donnerstag seine Strategie vorgestellt. Quelle: Michael Englert für Handelsblatt
Carsten Knobel

Der Henkel-Chef hat am Donnerstag seine Strategie vorgestellt.

(Foto: Michael Englert für Handelsblatt)

Bei Henkel trauern immer noch viele den Zeiten von Kasper Rorsted nach. Der Däne hatte als externer Manager wenig Hemmungen, seine Strategie durchzuziehen. Er räumte beim Düsseldorfer Konzern kräftig auf und trimmte ihn auf Rendite. Wenn Rorsted auch nicht alles gelang: Sein klares Profil und seine Persönlichkeit als smarter Manager wirken bis heute nach – und das, obwohl sein Nachfolger Hans Van Bylen den Konzern mehr als drei Jahre lang führte.

Mit Carsten Knobel hat jetzt erneut ein Manager den Chefposten übernommen, der das Unternehmen mit einer klaren Strategie prägen könnte. Statt des Effizienztrimmers Rorsted ist nun aber ein Mann für Wachstum gefragt.

Dazu braucht er Fantasie und Mut. Beides ist erforderlich, um die seit zwei Jahren andauernde Talfahrt der Aktie zu stoppen. Fantasie, weil die Investoren eine neue Story wollen. Mut, um wichtige Entscheidungen im Unternehmen zu treffen.

Das gilt vor allem für die Sparte Beauty-Care. Der kleinste Unternehmensbereich mit Marken wie Fa, Schauma und Syoss wächst seit Jahren am schwächsten. Das liegt daran, dass das Geschäft zweigeteilt ist – in ein gut laufendes mit Profiprodukten für Friseure und ein problematisches mit Massenprodukten für die Supermärkte. Knobels Vorgänger Van Bylen konnte sich nicht zu einer Entscheidung durchringen, sich entweder aufs Profigeschäft zu konzentrieren und vom Konsumentengeschäft zu trennen – oder den gesamten Bereich zu verkaufen, nach dem Motto: hopp oder top!
Es besteht die Hoffnung, dass sein Nachfolger die Hängepartie beenden will. Knobel kündigte ein „aktives Portfoliomanagement“ an. Er hat einen Gesamtumsatz von einer Milliarde Euro im Konsumentengeschäft identifiziert, von dem er die Hälfte verkaufen oder einstampfen will. Gleichzeitig kündigte Knobel neue Akquisitionen an.

Klar: Jetzt besteht für Henkel die Versuchung, mit dem möglichen Kauf von Wella sein Beauty-Care-Geschäft schnell zu vergrößern. Das wäre aber nur sinnvoll, wenn Henkel die Marke vom US-Konzern Coty zu einem angemessenen Preis übernehmen könnte.

Und damit allein wäre es auch noch nicht getan. Denn Henkel müsste in die Marke Wella, an der sich in sechs Jahren schon zwei Eigentümer versucht haben, kräftig investieren, um sie erfolgreich zu machen.

Knobel muss Familie überzeugen

Es ist einen Gedanken wert, sich zu fragen, ob das Drei-Sparten-Modell von Henkel mit dem Klebstoff-, dem Waschmittel- und dem Beauty-Care-Geschäft noch zeitgemäß ist. Die Zeiten der Diversifikation unter einem Dach sind eigentlich vorbei. Andere Konzerne machen vor, wie es anders gehen könnte. Siemens etwa hat sein Riesenkonglomerat aufgespalten. Und Bayer hat sich von seinem Chemiegeschäft getrennt.

Dafür sorgte auch der Druck von Investoren. Bei Henkel allerdings haben die bislang keine Chance, den Hebel anzusetzen. Denn eine solche strategische Entscheidung geht nur mit Zustimmung der Familie, die mit 61 Prozent das Sagen hat. Deshalb muss Knobel vor allem die Familie für seinen Plan gewinnen.

Knobel muss aber auch aufpassen, dass Henkel seine führende Rolle als Weltmarktführer für Klebstoffe nicht verliert. Denn den Großteil des Geschäfts macht Henkel als Zulieferer für die Industrie. Deshalb werden die Düsseldorfer die Konjunkturschwäche in der Auto- und Elektronikindustrie zu spüren bekommen. Das ist gefährlich für die Sparte, die knapp die Hälfte zum Konzernumsatz beisteuert und in den vergangenen Jahren immer für hohe Renditen stand.
Henkel hat erkannt, dass es sich in seinem Klebstoffgeschäft nicht ausruhen darf. Um noch mehr Innovationen als bisher zu fördern, baut das Unternehmen für die Sparte gerade ein neues großes Forschungszentrum auf. Dort sollen die Wissenschaftler im Konzern noch intensiver miteinander und mit den Kunden zusammenarbeiten.
Vielleicht entwickeln sie auch neue Ideen, um Henkel auf dem Weg zu einem nachhaltigen Konzern schneller voranzubringen. Denn die Zeit drängt angesichts des wachsenden Plastikmülls in den Meeren. Knobel muss es gelingen, die Transformation zu beschleunigen. Dann kann Henkel bei dem wichtigen Thema eine Vorreiterrolle gegenüber Konkurrenten wie Procter & Gamble oder Unilever übernehmen – und gleichzeitig sein nachhaltiges Wachstum stärken.

Knobels erster Auftritt als neuer Chef macht Hoffnung, dass er Henkel wieder auf den Wachstumskurs bringen wird. Allerdings bleibt eine große Unbekannte, das Coronavirus. Es ist noch nicht absehbar, wie stark sich die Epidemie auf das Geschäft von Henkel auswirkt.

Klar ist aber, dass Corona seine Spuren hinterlassen wird. Das gilt für das Industriegeschäft wegen drohender Probleme in der Lieferkette ebenso wie für das Konsumentengeschäft mit Persil, Pritt und Co., weil der Verkauf im Einzelhandel womöglich leiden wird. Umso wichtiger ist eine schnelle und klare Neuausrichtung des Konzerns.

Mehr: Operativer Gewinn von Henkel bricht ein – eine Kurzanalyse der Geschäftszahlen.

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