Kommentar Hohe Einkommen müssen stärker besteuert werden

Die neuen Zahlen der Bundesbank zeigen: Top-Löhne und hohe Kapitaleinkommen müssen stärker besteuert werden. Von einer Vermögensteuer sollte der Staat hingegen die Finger lassen – aus Gründen der Verlässlichkeit.
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Der Bericht der Bundesbank zeigt, dass die Vin Deutschland extrem ungleich verteilt sind. Quelle: Reuters

Der Bericht der Bundesbank zeigt, dass die Vin Deutschland extrem ungleich verteilt sind.

(Foto: Reuters)

Als letztes Jahr der erste Entwurf des „Armuts- und Reichtumsbericht“ der Bundesregierung durchsickerte, war der Aufschrei groß – zeigten die Daten doch, dass die Schere zwischen Arm und Reich beim Vermögen weiter auseinander geht. Die linken Parteien in Deutschland nahmen das zum Anlass für eine donnernde PR-Kampagne – und forderten, das Vermögen in Deutschland endlich wieder zünftig zu besteuern, sei es nun mit einmaligen Abgaben oder mit einer regelmäßigen Steuer.

Die neuen Zahlen der Bundesbank, die jetzt eine noch weitere Spreizung des Vermögens in Deutschland zeigen, dürften ihnen neuen Schub bringen: Denn die zehn Prozent reichsten Haushalte verfügen demnach über 58 Prozent des Vermögens in Deutschland. Vor 15 Jahren, als das Statistische Bundesamt eine ähnliche Untersuchung machte, waren es 45 Prozent gewesen, also satte 13 Prozentpunkte weniger.

Handelsblatt-Redakteur Hans Christian Müller Quelle: privat

Handelsblatt-Redakteur Hans Christian Müller

(Foto: privat)

Das ist viel, zu viel – und es zerrt am Vertrauen der Menschen, dass es gerecht zugeht in diesem Land. Nüchtern betrachtet ist es auch einfach ein Zeichen dafür, dass der Staat die oberen Einkommen in den letzten Jahren zu wenig besteuert hat, schließlich entsteht Vermögen aus nicht ausgegebenem Einkommen. Diesen Fehler könnte man natürlich mit einer Vermögensabgabe oder –besteuerung korrigieren. Doch richtig wäre das nicht – nicht nur, weil es so viele juristische und verwaltungstechnische Probleme bei der Umsetzung solcher Maßnahmen gibt.

Nein, der Grund liegt eher in der Natur des Vermögens: Schließlich ist es immer altes, bereits versteuertes Einkommen. Und wer sein Einkommen einmal versteuert hat, der hat seine Schuldigkeit getan und soll sich darauf verlassen dürfen, dass er jetzt damit machen kann, was er will. Diesen Grundsatz sollte der Staat beherzigen.

Für die Politik bedeutet das, dass sie die Fehler der Vergangenheit nicht mehr korrigieren kann, aber künftige verhindern sollte. Also muss die Einkommensbesteuerung steigen, zumindest für die Top-Löhne und hohe Kapitaleinkommen. Früher angehäuftes Privatvermögen verschwindet dadurch nicht und soll es auch nicht. Doch Einkommen, das aus früher angehäuftem Privatvermögen entsteht, das kann ruhig höher besteuert werden. Dann steigt das Vermögen der Reichsten der Reichen auch nicht mehr stärker als das der Normalverbraucher.

Aber, mag man einwenden, hohe Einkommensteuersätze führen doch dazu, dass Leistung unterlassen wird und das das Wachstum schrumpft. Und grundsätzlich ist an diesem Argument ja auch etwas dran. Doch bei den ganz hohen Einkommen stimmt es einfach nicht mehr, das legt die Forschung des Berkeley-Ökonomen Emmanuel Saez nahe: Demnach hängt das Wachstum eines Staates nicht vom Spitzensteuersatz ab. Anders gesagt: Höhere Einkommensteuern für Top-Verdiener bremsen die Wirtschaft nicht. Also los.

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36 Kommentare zu "Kommentar: Hohe Einkommen müssen stärker besteuert werden"

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  • Illoinen sagt:
    "Ich meine obendrein, die Erbschaftsteuer sollte abgeschafft werden. Erbschaften und Schenkungen sollten wie Einkommen besteuert werden."
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    Guter Vorschlag, warum sollte leistungslos erhaltenes Einkommen geringer besteuert werden als erarbeitetes.
    Richtig ist sicher auch, dass die Konzentration des Vermögens auf wenige hauptsächlich eine Folge der Kummulation des Besitzes über die Generationen ist. In den USA sollen 80% der großen Vermögen aus Erbschaften entstanden sein, bei uns dürfte das ähnlich sein.

    Erbschaften hoch zu besteuern wäre aber nur dann unschädlich, wenn die Einnahmen direkt zur Vemögensbildung der Nichterbenden gebraucht würden, nur so würden sie der Sozialisierung entgehen. Noch mehr Geld in der Hand der Politik hilft uns nicht weiter. Das von Erbschaften eingezogene Vermögen sollte nicht im Staatshaushalt verschwinden, sondern völlig in privater Hand bleiben.
    Ein "Erbe für Jeden" wäre der Weg, finanziert aus großen Erbschaften. Den Vorschlag gibt es im Netz.

  • mir ist ein Steuerstaat 1000 mal lieber als ein Gebühren- und Mautenstaat. Ein Gebühren- und Mautenstaat nimmt meistens keinerlei Rücksicht auf die Einkommens- und Vermögensverhältnisse. Hier zahlen alle gleich, auch wenn diese über viel weniger finanzielle Leistungsfähigkeit verfügen. Verteilungspolitisch find ich sowas viel problematischer, da sich daraus auch oft Folgeprobleme ergeben wie Verschuldung, Konsumschwäche, Probleme bei Arbeitsaufnahme und ähnliches.

    Es macht schon Sinn den Staat wieder mehr über die Leute zu finanzieren, die eh genug Vermögen und Einkommen haben. Seit den 1950ern hatte DE einen weit höheren Spitzensteuersatz. In den USA lag dieser solange Jahrzehntelang bei 70% und mehr.

    Die ganzen Krisen die wir heute erleben sind mit Ausdruck der ungleichen Verteilung. In den USA hat die ungleiche Vermögensverteilung wieder den Stand von 1929 erreicht. Die Krisen seit 2007 sind alles Verschuldungskrisen, da spiegelbildlich zu den großen Vermögen eben die Schulden existieren, ebenfalls bei Staat, Privat und auch einigen Unternehmen.

    Seit den 1990ern hat man OECD-weit die Steuern gesenkt für TNK, Vermögen und Einkommen. Monetär ausgleichen sollen und sollten das überall die Konsumenten (höhere MWSteuern), die Arbeitnehmer und damit immer mehr auch der Bürger als Abgaben- und Gebührenzahler.

    dann noch die miserable Lohnentwicklung dazu in DE und einigen anderen Staaten.

    Das Geld muss man da holen, wo es noch vorhanden ist. Stattdessen geht der ideologische Mist munter weiter: bloß keine höheren Steuern. Und ich sag das Gegenteil: bei Arbeitnehmern und Normalbürgern ist auch nicht mehr viel zu holen.

  • Hans Christian Müller lehnt richtigerweise Angriffe auf rechtmäßig erworbenes Eigentum, Vermögen ab. Sei es über eine Vermögensteuer oder über dreiste Ausplünderung von Bankkonten. Wie zum Beispiel Riester- oder zyprische Bankkonten.

    Er merkt, daß auch die deutsche Gesellschaft hoch verschuldet ist - Bei wem wohl? - und sich weiterhin Finanzmittel leiht, statt sie von ihren Bürgern als Steuern zu erheben.

    Er empfindet wahrscheinlich, daß die Vermögensstruktur in der Gesellschaft höchst ungesund, und die Teilnehmerstruktur auf den „freien“ Märkten ungepflegt ist. Besonders auf dem für Arbeitskräfte. Und daß deshalb die Wirtschaft ausgebremst wird, und der allgemeine Wohlstand schlecht wächst.

    Für ihn sind effektive Einkommensteuern das beste Parlamentarierwerkzeug hierfür. Ohne den Parlamentariern Zahlen für die Steuersätze zu empfehlen.

    Ich meine obendrein, die Erbschaftsteuer sollte abgeschafft werden. Erbschaften und Schenkungen sollten wie Einkommen besteuert werden.

    Für den Erfolg einer Gesellschaft ist es unerheblich, was der einzelne Bürger als gerecht empfindet.

  • Dann sind Sie auch ein Befüworter von Armutslöhnen?

  • Auch bei der Mehrwertsteuer, der KFZ-Steuer oder der Mineralölsteuer handelt es sich um Steuern auf bereits Auch bei der Mehrwertsteuer, der KFZ-Steuer oder der Mineralölsteuer Auch bei der Mehrwertsteuer, der KFZ-Steuer oder der Mineralölsteuer handelt es sich um Steuern auf bereits versteuertes Einkommen. Und was wenn, die gezahlten Steuern zu niedrig waren, nicht wegen der Steuersätze, sondern weil es so viele Ausnahmetatbestände im Steuerrecht gibt, dass höchstes nominal die auf dem Papier stehenden Sätze bezahlt, aber effektiv mitnichten? Und mit den vielen Möglichkeiten über Offshore, sprich Steueroasen, Stiftungen etc. das Vermögen oder auch Gewinne ganz legal verschleiert werden können? Nicht umsonst, findet man in den meisten Steueroasen der Welt, u.a. auch Oligarchen wie die Quands, Springer, Jacobs und Co.

  • Anscheinend möchte die große Mehrheit in D betrogen werden. Sie folgen markigen Sprüchen über mehr Gerechtigkeit durch höhere Steuern. Damit soll mehr für Bildung, Straßenbau und arme Menschen getan werden.

    Nach der Umsetzung der Steuererhöhungen reiben wir uns verwundert die Augen, weil wir attestiert bekommen, dass wir auch zu den Reichen gehören. Wir zahlen nämlich plötzlich mehr Steuern. Genau deshalb halte ich den HB-Beitrag für falsch. Im Gesetzgebungsverfahren kommt etwas anderes heraus als vorher propagiert wurde. Weil nur die Masse etwas bringt, werden die Grenzen für den Höchsteuersatz immer weiter nach unten gesetzt, oder durch die Progression erreicht.
    Leider vermisse ich auch im Handelsblatt die Berichterstattung über diese wirklichen Skandale.

  • Ich rede von der Besteuerung der Einkommen. Jedes Einkommen (Löhne, Zinsen, Mieten, Gewinne) soll einmal durch die Einkommensteuer erfasst und mit dem persönlichen Steuersatz gleich belastet werden. Nur dann diskriminieren wir nicht zwischen verschiedenen Einkommensarten. Das hat mit dem Vermögen nichts zu tun. Nur dessen Erträge unterliegen der Einkommensteuer, weil sie neues Einkommen darstellen.

  • Ja, aber wie hoch ist denn ein hohes Einkommen. Der marginale Höchstsatz beginnt bei 54.000 für Alleinstehende. Ist das wirklich hoch. Das Nettoeinkommen wird bei diesem Betrag mit allen Sozialbeiträgen irgendwo bei 30-35.000 im Jahr anzusiedeln sein. Was für ein Luxusleben. Wenn dann noch das Ehegattensplitting abgeschafft wird, sind wahrscheinlich ein Drittel der Haushalte betroffen. Es wird so Enden, daß die Staatsquote weiter steigt, wie seit drei Jahrzehnten. Ich traue den Politkern keinen Zentimeter über den Weg. Rechts wie Links kann Macht nur ausleben, wenn die Kasse stimmt.

  • Ihr Zustandsbericht gibt die Realität ziemlich treffen wieder.
    Deshalb ist aber eine Erhöhung der Spitzensteuer nicht per se falsch.
    Allerdings ist mit solch einer Erhöhung weder der Haushalt sanierbar, noch die übrigen strukturellen Probleme in den Griff zu bekommen.
    Leider ist auch nicht davon auszugehen, das selbst ein so sachlich richtiger Artikel anders genutzt würde, denn als Vorwand für weitere Steuererhöhungen ohne auch nur den Versuch zu unternehmen strukturelle Reparaturen einzuleiten.
    Was wir brauchen ist ein Schrumpfen des Staatsanteils.
    Das widerspricht aber der Eigendynamik und dem Eigeninteresse innerhalb der Staatswirtschaft, die mit offiziell 60% schon die Mehrheit der Wirtschaftskraft darstellt, inoffiziell ist der Staatsanteil schon viel höher.
    Das macht das Dilemma deutlich. Die relevanten gesellschaftlichen Gruppen sind an einer sinnvollen Änderung letztlich eben nicht interessiert, trotz punktueller Unzufriedenheit.
    Und deshalb wird auch dieser Artikel nichts ändern und höchstens als Rechtfertigung für eine simple Steuererhöhung genutzt.

    H.

  • Das ist zu hoch besteuert, allerdings gebe ich Ihnen Recht, dass sowohl UK als auch USA eine Steuerprogression haben die umgekehrt verläuft wie bei uns.
    Während die Progressionskurve bei uns durch einen überproportionalen Anstieg in der Mitte geprägt ist, ist es dort umgekehrt, niedriger Anstieg bis zur Mitte mit dann steilem Anstieg in der Spitze.
    Gerade das ist der Grund, warum die Konservativen und mit Ihnen so viele einfache Amerikaner so massiv gegen einen Sozialsstaatsausbau sind, weil der sich verselbständigende Sozialstaat letztlich vor allem die mittleren Schichten überproportional belastet.
    Das wird mit deutlich geringerer sozialer Absicherung erkauft.
    Es wäre noch nach dem Stein der Weisen zu suchen, wie man das Wachstum des Sozialstaates sinnvoll begrenzt und seine Effektivität sichert, was bei uns eben die Archillesverse darstellt. Bedürftigkeit oder mittelknappheit jedenfalls sind nicht das Problem, sondern der Apparat selbst.

    H.

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