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Kommentar Hohe Schulden, Abkehr vom Freihandel, Monopolisierung – der Aufschwung der Weltwirtschaft ist teuer erkauft

Die Weltwirtschaft wächst zwar mit einer stattlichen Jahresrate von 3,5 Prozent. Doch die gute Konjunktur wird von vielen Risiken begleitet.
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Die Weltkonjunktur ist zwar solide. Doch sie täuscht über einige Gefahren hinweg. Quelle: dpa
Ein rauchender Schornstein

Die Weltkonjunktur ist zwar solide. Doch sie täuscht über einige Gefahren hinweg.

(Foto: dpa)

Wenn Notenbanker und Finanzminister aus aller Welt diese Woche in Bali zur Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) zusammenkommen, dürfte die Stimmung besser sein als die Lage.

Die Weltwirtschaft wächst zwar etwas langsamer, aber immer noch mit einer ansehnlichen Jahresrate von mehr als 3,5 Prozent. Zehn Jahre nach der Finanzkrise und der von ihr ausgelösten globalen Rezession herrscht in fast allen großen Wirtschaftsregionen seit Mitte 2016 wieder Zuversicht.

Zwar sorgt sich der IWF über die zunehmenden Handelsstreitigkeiten und die Kapitalflucht aus einigen Schwellenländern. Die gute Stimmung an den Finanzmärkten wird dadurch jedoch kaum beeinträchtigt. Auch deshalb nicht, weil die Realwirtschaft bislang kaum gelitten hat.

Wer jedoch nur auf Wachstumszahlen starrt, übersieht, was sich unterhalb der makroökonomischen Oberfläche der Weltwirtschaft tut. Dort sind es vor allem drei Trends, die das Gesicht vieler Volkswirtschaften in den kommenden Jahren dramatisch verändern könnten: die enorm hohe Verschuldung, die Monopolisierung der Digitalwirtschaft durch global agierende Unternehmen und die Abkehr vom Freihandel hin zu einem politisch gesteuerten Warenverkehr.

Allzu leicht übersehen wird, dass ein großer Teil des globalen Wachstums immer noch auf Pump finanziert wird. Nach Berechnungen der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (Unctad) beläuft sich der Schuldenberg weltweit auf 250 Billionen Dollar. Gemessen am globalen Einkommen ist die Schuldenquote heute ein Drittel höher als im Krisenjahr 2008. Vor allem in den Schwellenländern sind die privaten Schulden von Unternehmen und Verbrauchern förmlich explodiert.

Gefährlich ist das vor allem deshalb, weil ein großer Teil dieser Verbindlichkeiten auf Dollar-Krediten basiert und damit direkt von den steigenden Zinsen in den USA abhängig ist. Seit dem zweiten Quartal 2018 hat die Kapitalflucht aus den Schwellenländern deutlich zugenommen, was insbesondere Volkswirtschaften wie Argentinien und die Türkei spüren.

Ein geborgter Aufschwung

Aber auch der Boom in den USA ist ein von der Zukunft geborgter Aufschwung. US-Präsident Donald Trump ist mit seinen massiven Steuersenkungen eine riskante Wette eingegangen: Die Einnahmeausfälle des Staates sollen durch zusätzliches Wirtschaftswachstum mehr als ausgeglichen werden.

Das parteiunabhängige Haushaltsbüro des Kongresses glaubt nicht, dass diese Rechnung aufgehen wird, und sagt voraus, dass der Schuldenstand von derzeit etwa 77 Prozent der Wirtschaftsleistung bis 2028 auf über 100 Prozent steigen wird. Dass Trump dafür von den Finanzmärkten nicht abgestraft wird, hat er nur der Tatsache zu verdanken, dass Amerika sich in seiner eigenen Währung – dem Dollar – verschulden kann.

Mindestens ebenso gefährlich ist die wachsende Machtkonzentration in vielen Schlüsselbranchen der Weltwirtschaft. IWF-Ökonomen haben börsennotierte Unternehmen in 74 Ländern untersucht und dabei herausgefunden, dass die Preisaufschläge, die von den Unternehmen in Industrieländern für ihre Produkte über die Grenzkosten hinaus verlangt werden, seit 1980 um rund 40 Prozent zugenommen haben. Verantwortlich dafür sind vor allem sogenannte „Superstars“ der Hightech-Industrie.

Ein Grund zur Sorge ist das deshalb, weil viele Superstars das Investitions- und Innovationstempo einer Wirtschaft bremsen, sobald sie „zu mächtig geworden sind“. Dazu passt, dass die Investitionsquote in den entwickelten Volkswirtschaften trotz steigender Unternehmensgewinne von durchschnittlich 23 Prozent im Jahr 2008 auf 21 Prozent gesunken ist.

Die wachsende Marktmacht der Multis ist auch ein wichtiger Grund dafür, dass die Früchte des Freihandels sehr ungleich verteilt werden. Nach Berechnungen der Unctad ist der Anteil der heimischen Arbeitseinkommen an der Wertschöpfung globaler Lieferketten in fast allen Ländern gesunken. Die einzige Ausnahme ist China. Die Volkswirte führen das auf die gestiegene Marktmacht multinationaler Unternehmen gerade in den Exportmärkten zurück.

Die politische Quittung für die ungleiche Verteilung der Globalisierungsgewinne ist die nationalistische „America first“-Politik Donald Trumps. Der US-Präsident hat gerade von Mexiko und Kanada ein neues Nafta-Abkommen erpresst, das den Freihandel in ein politisches Korsett zwingt: Zollfreiheit gibt es im Automobilbereich nur noch, wenn politisch gesetzte Vorgaben für Mindestanteile an der Wertschöpfung eingehalten werden. Trump will diesen nationalistisch gesteuerten Freihandel zum Modell für den Güteraustausch mit der EU und China machen.

Hohe Schulden, wachsende Marktmacht multinationaler Unternehmen und wirtschaftlicher Nationalismus sind die Geißeln der Weltwirtschaft. Dass wir ihre Gefahren unterschätzen, hat auch mit der guten Konjunktur zu tun. Wehe aber, wenn die Zeiten mal wieder schlechter werden.

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