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Kommentar H&Ms Quartalsbilanz: schlechter als erwartet, aber nicht so schlecht wie befürchtet

Der Gewinn sinkt leicht, der Umsatz steigt – H&M schlägt sich in einem schwierigen Umfeld wacker. Dennoch haben die Schweden in einigen Bereichen Nachholbedarf.
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Der schwedische Modekonzern hat noch Nachholbedarf im Online-Bereich. Quelle: Reuters
H&M

Der schwedische Modekonzern hat noch Nachholbedarf im Online-Bereich.

(Foto: Reuters)

Stockholm Die Zahlen für das dritte Quartal des Moderiesen H&M lassen sich mit wenigen Worten zusammenfassen: schlechter als erwartet, aber nicht ganz so schlecht wie befürchtet. An diesem Donnerstagmorgen stellte der schwedische Konzern die Zahlen vor.

Der Gewinn ging gegenüber dem Vorjahr ein wenig zurück, der Umsatz allerdings stieg. Das Wichtigste: Der Konzern, der sich seit über einem Jahr in einem umfassenden Umbauprozess befindet, lockt immer mehr Kunden in sein Online-Geschäft.

Ein Plus von fast einem Drittel hat den seit Längerem schwer leidenden Aktionären zunächst einen Kursanstieg von mehr als zehn Prozent beschert. Schon vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen hatte die Aktie seit Jahresbeginn um rund zwölf Prozent zugelegt.

Die Feierlaune an der Börse wurde zusätzlich durch deutlich gestiegene Umsätze auf den wichtigsten Märkten befeuert: In Deutschland, Schweden, Osteuropa, Russland und China lief das Geschäft besser als erwartet.

Trotz der optimistischen Stimmung an der Börse hat H&M-Chef Karl-Johan Persson bei seinem Umbauarbeiten allenfalls ein Teilziel erreicht. Denn das Mode-Geschäft bewegt sich immer stärker in Richtung Onlinehandel. Und hier hat H&M trotz der momentanen Erfolge weiterhin einigen Nachholbedarf.

Denn der Konzern hat sich erst recht spät dazu durchgerungen, stärker auf das Geschäft im Internet zu setzen. Derzeit ist H&M auf über 60 Märkten vertreten, doch nur in gut der Hälfte der Länder können die Kunden auch online shoppen. Bis 2020 soll sich das ändern. Dann können die Kunden in sämtlichen Ländern auch online einkaufen, versprach Persson.

Den Schweden macht derzeit zudem zu schaffen, dass sie im Gegensatz zum Rivalen Zara hauptsächlich in Asien produzieren lassen. Während Zara den Großteil seines Sortiments in Europa nähen lässt und somit kurze Lieferwege zu den wichtigsten Märkten hat, muss H&M lange Transportwege von Asien in Kauf nehmen. Eine schnelle Reaktion auf veränderte Kundenwünsche ist so nicht möglich.

Außerdem müssen sie ihre Lieferanten in Dollar bezahlen und sind so einem deutlich größeren Währungsrisiko ausgesetzt. H&M gab denn auch zu, dass man weiterhin mit „logistischen Herausforderungen“ zu kämpfen habe.

Beunruhigend ist auch das weiter wachsende Warenlager. Es stieg gegenüber dem zweiten Quartal noch einmal um 15 Prozent auf umgerechnet 3,7 Milliarden Euro an. Was tun mit nicht verkauften Klamotten?

Schleuderpreise sind das gewöhnliche Mittel, um die Halden abzubauen. Doch das drückt auf die Marge. Insofern hat H&M die Krise noch nicht überwunden.

Ist man Optimist, kann man sagen: Der Modehändler aus dem hohen Norden hat den richtigen Weg eingeschlagen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Jetzt kommt es darauf an, dass sich die Designabteilung stärker als zuvor ins Zeug legt und der Ausbau des Online-Geschäfts weiter forciert wird. Nur dann kann man wirklich von einer erfolgreichen Krisenbewältigung sprechen.

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