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Kommentar IBM wagt mit der Übernahme von Red Hat ein riskantes Manöver

Der IT-Riese kommt beim Konzernumbau nicht voran. Die Übernahme von Red Hat soll das nun ändern – doch IBMs taktischer Zug birgt durchaus Gefahren.
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IBM: Red Hat-Übernahme ist ein riskantes Manöver – ein Kommentar Quelle: Bloomberg
Ginni Rometty

Die Konzernchefin forciert mit dem Kauf der Softwarefirma Red Hat die Neuausrichtung von IBM.

(Foto: Bloomberg)

Schon die Fakten machen deutlich, dass die Übernahme von Red Hat durch IBM keine Liebeshochzeit zweier Partner ist, die sich schon lange kennen. Es ist der pure Zwang für „Big Blue“, der teure Versuch eines Befreiungsschlags. Mit 33 Milliarden Dollar ist es die größte Akquisition in der Konzerngeschichte. Das sind 190 Dollar pro Anteilsschein, obwohl die Red-Hat-Aktie Ende voriger Woche nach einem tiefen Sturz nur noch mit 116 Dollar an der Börse notierte.

Noch dazu zahlt der Konzern diesen stolzen Preis in bar. IBM ist das Risiko erst gar nicht eingegangen, den Red-Hat-Eigentümern eigene Aktien zum Tausch anzubieten. Denn der IBM-Kurs ist selbst stark unter Druck.

Hinter dem Vorstoß bei Red Hat steht ein für IBM betrübliches Eingeständnis: Die mit viel Marketingpower bepriesene Künstliche Intelligenz „Watson“ kann nicht die Rettung sein. Die schwachen Quartalszahlen zeigen zudem: Im Zukunftsmarkt Cloud-Computing ist IBM hinter Amazon und Microsoft schlicht abgehängt.

Der Versuch von Konzernchefin Ginni Rometty, das Ruder mit interner Umstrukturierung und neuen Produkten herumzureißen, ist gescheitert – die Erfolge kommen zu langsam. Jetzt muss sie viel Geld für einen Zukauf ausgeben. Red Hat hat ein Linux-Betriebssystem für den Unternehmenseinsatz, das IBM braucht. Die Firma besitzt ausgereifte Produkte der „Middleware“, sozusagen des Schmiermittels zwischen den Computern in der Cloud oder im Rechenzentrum und der Anwendungssoftware, die auf ihnen laufen soll.

IBM wird so zum Komplettanbieter für das Management von mehreren Clouds in einem Unternehmen. Vor allem aber ist IBM damit ein großer Spieler im Geschäft mit Open Source, der quelloffenen Software. Die hat sich längst durchgesetzt, wie schon die Übernahme der Open-Source-Entwicklerplattform Github für 7,5 Milliarden Dollar durch Microsoft zeigte.

Was Red Hat und Github so wertvoll macht, sind Zehntausende Open-Source-Entwickler, die dort konzentriert sind. Sie bauen die Zukunft, die „Welt als Computer“, wie Microsofts Satya Nadella es ausdrückt.

Für IBM ist die Übernahme strategisch sinnvoll. Doch der Teufel steckt im Detail, denn eine solche Entwicklergemeinschaft, wie sie hinter Red Hat steht, muss mit sehr viel Fingerspitzengefühl gemanagt werden. Zwar soll die Firma eigenständig bleiben.

Doch IBM könnte sein eigener größter Feind werden, wenn versucht wird, Red Hat auf den alten IBM-Weg zu bringen: den Kunden mit Haut und Haaren einfangen und dann an sich binden, zum Beispiel durch Optimierung nur noch auf IBM-Produkte und -Lizenzen. Dieser Versuchung muss IBM widerstehen. Sonst wird der teure Red-Hat-Kauf ein Reinfall.

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