Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Ikeas Rückkaufprogramm ist der Beginn eines problematischen Bewusstseinswandels

Ikea will gebrauchte Möbel zurückkaufen. Möbel werden damit zu billigen Modegütern. Das ist nicht nur unökologisch, sondern schadet auch Traditionsbetrieben.
Kommentieren
Möbel nur wenige Jahre oder gar Monate zu nutzen erscheint nicht länger als Verschwendung, wenn man die gebrauchten Stücke verkaufen kann, statt sie via Sperrmüll zu entsorgen. Quelle: dpa
Ikea-Filiale

Möbel nur wenige Jahre oder gar Monate zu nutzen erscheint nicht länger als Verschwendung, wenn man die gebrauchten Stücke verkaufen kann, statt sie via Sperrmüll zu entsorgen.

(Foto: dpa)

Zum Start des neuen Katalogs lässt Ikea gern mal eine kleine PR-Bombe platzen. Diesmal ist es – rechtzeitig zur Katalog-Vorstellung in Hamburg – die Meldung, dass die Möbelkette künftig gebrauchte Ikea-Möbel von den Kunden zurückkauft und einen eigenen Flohmarkt dafür organisiert.

Doch dahinter steht mehr. Immer mehr Branchen nehmen sich die Modewelt mit ihrer Fast Fashion zum Vorbild. Es ist ein Erfolgsmodell: Ketten wie H&M und Zara entwerfen in schnellem Rhythmus eigene Kollektionen, die in Billiglohnländern genäht und zu niedrigen Preisen verkauft werden. Kasse macht die Masse: Kleidung wird zum Wegwerfartikel.

Dieses Prinzip würde gern auch ein Teil der Möbelhändler nutzen. Vor allem online bringen erst Wiederkäufer Gewinn, da die Kosten für die Neukundengewinnung recht hoch sind.

Anbieter wie Home24 und Otto locken mit günstigen Preisen – vor Jahrzehnten ein Monopol von Ikea. Entsprechend steigt seit Jahren der Anteil derjenigen Möbel, die aus Billigfertigung in Fernost kommen. Dazu kommt, dass die Branche die Versandkosten kappt. Auch Ikea muss ab September nachziehen und senkt seine hohen Liefergebühren.

Doch die Online-Möbelhändler haben ein Problem: Sie müssen die Mentalität der Kunden ändern. Möbel gelten den meisten Deutschen als eine Art Investitionsgut, nicht als Konsumartikel. Aus der Mode gekommene Kleidung verschwindet zunächst in den Tiefen des Kleiderschranks, bis sie eines Tages in die Altkleidersammlung wandert, Tische und Sofas sind da sehr viel sperriger. Das steht dem Versuch entgegen, aus Möbeln ein kurzlebiges Modegut zu machen.

Ob von Ikea gewollt oder nicht: Initiativen wie die Rücknahme von Möbeln fördern diesen Bewusstseinswandel. Möbel nur wenige Jahre oder gar Monate zu nutzen erscheint nicht länger als Verschwendung, wenn man die gebrauchten Stücke verkaufen kann, statt sie via Sperrmüll zu entsorgen.

Der Wandel zum billigen Verbrauchsmöbel ist aber natürlich alles andere als ökologisch und sozial nachhaltig. Gerade in Deutschland gibt es – anders als in Branchen wie Mode und Unterhaltungselektronik noch etliche Hersteller, die teils in Handarbeit zeitlose Möbel mit langer Lebensdauer fertigen. Doch sie sind mit ihren hohen Kosten darauf angewiesen, dass der Kauf eines Möbels eine langfristige Entscheidung bleibt.

Für diese Traditionalisten würde es sehr schwierig, sich gegen die geballte Marketingmacht von Riesen wie Ikea zu stemmen. Von den Traditionsbetrieben werden nur diejenigen Erfolg haben, die es schaffen, selbst zur starken Marke zu werden. Für alle anderen wird es in der neuen Welt des „Fast Furniture“ sehr hart werden.

Startseite

Mehr zu: Kommentar - Ikeas Rückkaufprogramm ist der Beginn eines problematischen Bewusstseinswandels

0 Kommentare zu "Kommentar: Ikeas Rückkaufprogramm ist der Beginn eines problematischen Bewusstseinswandels"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote