Kommentar Im Fall Peugeot-Opel müssen die Gewerkschaften nationale Grenzen überwinden

Die Gewerkschaften aus Frankreich fürchten nach der Übernahme von Opel durch PSA die deutsche Konkurrenz. Damit schaden sie sich selbst.
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Die europäischen Arbeitnehmerorganisationen agieren noch nach nationaler Logik, während die Industrie in Europa zusammenwächst. Quelle: dpa
Logos von Opel und Peugeot

Die europäischen Arbeitnehmerorganisationen agieren noch nach nationaler Logik, während die Industrie in Europa zusammenwächst.

(Foto: dpa)


Nach der Übernahme von Opel-Vauxhall durch Peugeot Citroën (PSA) stand zunächst der Konflikt zwischen Management und Betriebsrat im Vordergrund. Die Einigung rückt nun eine andere mögliche Bruchlinie in den Vordergrund, die zwischen den nationalen Gewerkschaften.

Bei den französischen Arbeitnehmern entsteht der Eindruck, PSA ziehe lediglich die Decke von einer Seite zur anderen, entblöße französische Forschungszentren und Werke, um die von Opel besser auszulasten. Den Wettbewerb zwischen Standorten zu organisieren, auch international, ist ein klassisches Instrument des Managements.

PSA-Chef Carlos Tavares beherrscht das vollkommen. Relativ bald werden die Modelle der Konzernmarken Peugeot, Citroën, DS, Opel und Vauxhall alle aus einheitlichen Bodengruppen und Motoren bestehen. Das Management kann dann frei wählen, in welchen Werken es welche Autos fertigen lässt, wen es mit Kapazität belohnt.

Keine Kontakte

Die Gewerkschaften ihrerseits fordern seit Jahrzehnten das soziale Europa, unternehmen aber wenig, um es zu gestalten. Opel wurde bereits im vergangenen Jahr von PSA übernommen.

Zwischen deutschen und französischen Vertretern der Arbeitnehmer besteht aber noch nicht einmal ein echter Gesprächskontakt, geschweige denn eine Zusammenarbeit. Erst ein Mal haben IG Metall und die ihr nahestehende französische CFDT sich getroffen. Man redet übereinander, aber nicht miteinander. Das liegt auch, aber nicht nur an der Vielzahl der Gewerkschaften auf französischer Seite.

Die Arbeitnehmerorganisationen leben noch in einer nationalen Logik, obwohl das Europa der Industrie längst zusammenwächst. Die Gewerkschaften müssen ihre Europäisierung rasch nachholen. Es liegt an ihnen, ob die Grenzen in den Köpfen fallen und aus dem Gegeneinander ein Miteinander wird. Andernfalls wird PSA höhere Arbeitsproduktivität vor allem durch Lohnbegrenzung verwirklichen statt durch eine bessere Ausbildung und Qualifizierung der Mitarbeiter.

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