Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Im Glyphosat-Streit geht es für Bayer nur noch um eine Frage

Die Verschiebung eines wichtigen Prozesstermins zeigt: In den Verfahren um den Unkrautvernichter Glyphosat wird Bayer letztlich einen Vergleich eingehen.
Kommentieren
Bayer kommt mit seiner wissenschaftlich basierten Verteidigung gegen die krebserkrankten Kläger nicht durch. Quelle: AFP
Glyphosat-Einsatz in der Landwirtschaft

Bayer kommt mit seiner wissenschaftlich basierten Verteidigung gegen die krebserkrankten Kläger nicht durch.

(Foto: AFP)

Auseinandersetzungen im US-Produkthaftungsrecht haben eine Tradition: Sie enden in fast allen Fällen mit einem außergerichtlichen Vergleich zwischen Firma und Klägern. Beide wollen so das Thema aus der Welt schaffen, statt jahrelang weiter zu prozessieren. Auch im Rechtsstreit um den Unkrautvernichter Glyphosat wird am Ende ein Vergleich ohne Schuldeingeständnis stehen. Alles andere wäre eine Überraschung.

Bayer und die Klägeranwälte arbeiten intensiv an einer für beide Seiten vertretbaren Einigung; die Verschiebung eines für nächste Woche geplanten Prozesses ist dafür ein Signal. Dies verwundert zunächst. Hatte der Konzern doch stets darauf beharrt, dass Glyphosat sicher ist und er dies vor Gericht entschieden verteidigen werde. Warum sollte er sich nun auf einen milliardenhohen Vergleich einlassen?

Die Antwort lautet: weil Bayer sich so im Gestrüpp der US-Produkthaftungsklagen verfangen hat, dass der Konzern nicht mehr rauskommt. Das hat die Realität gelehrt, die da lautet: „Bayer liegt 0:3 hinten.“ Drei Verfahren haben die Leverkusener in erster Instanz verloren.

CEO Werner Baumann sprach im Frühjahr – da lag erst ein Urteil vor – davon, man müsse erst mal mehrere Glyphosat-Verfahren durchprozessieren, um zu wissen, wohin die Reise gehe. Seit Mai ist dies klar: Bayer kommt mit seiner wissenschaftlich basierten Verteidigung gegen die krebserkrankten Kläger nicht durch.

Man könnte es eine Kehrtwende nennen, dass Baumann im Juli erstmals öffentlich die Möglichkeit eines Vergleichs in Betracht zog. In Wahrheit stand diese Option schon länger im Raum und war nur eine Frage der Zeit. Die ersten Verfahren zeigen in jedem Produkthaftungsstreit in den USA, wer es besser versteht, die Laien-Jury zu überzeugen. Derjenige hat dann die stärkere Position in einer außergerichtlichen Einigung.

Und die haben im Fall Glyphosat derzeit die Klägeranwälte. Sie sind an einem möglichst schnellen und teuren Vergleich interessiert. Bayer könnte die Belastung auf einen Schlag abstreifen, wie es größere Investoren fordern.

Der Konzern kann die Verhandlungen nach der Terminverschiebung in Ruhe weiterführen, er darf sogar darauf hoffen, dass das laufende erste Berufungsverfahren zu seinen Gunsten ausgeht. Das würde Bayers Position in den Gesprächen deutlich verbessern.

Am Ende aber wird die für Bayer bittere Erkenntnis stehen, dass man sich nur mit einem Vergleich ohne Schuldeingeständnis der Causa Glyphosat entziehen kann, obwohl man das Produkt nach wie vor für sicher hält. In den nächsten Monaten wird es nur noch um die Bedingungen gehen – also darum, wie viel Geld der Konzern auf den Tisch legen muss. Ob dies zwei, sechs oder zehn Milliarden Dollar sein werden, ist völlig offen.

Mehr: Der nächste US-Prozess um die Gesundheitsgefahren des Unkrautvernichters wird vertagt. Die Zeichen zwischen Bayer und den Klägern stehen auf Einigung.

Startseite

Mehr zu: Kommentar - Im Glyphosat-Streit geht es für Bayer nur noch um eine Frage

0 Kommentare zu "Kommentar: Im Glyphosat-Streit geht es für Bayer nur noch um eine Frage"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.