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Kommentar Im Handelskonflikt ist es höchste Zeit für eine Einigung

Der Streit zwischen China und den USA sollte bald gelöst werden. Die Folgen würden insbesondere die chinesische Wirtschaft entscheidend prägen.
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Die Unsicherheit durch den Handelsstreit belastet die Wirtschaft weltweit. Quelle: dpa
Handelsgespräche zwischen China und den USA

Die Unsicherheit durch den Handelsstreit belastet die Wirtschaft weltweit.

(Foto: dpa)

Die Börsen preisen eine Sonderkonjunktur durch eine Lösung im Handelsstreit zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt an. Und in der Tat ist es ein ermutigendes Signal, wenn US-Präsident Donald Trump erwägt, die Frist für eine Einigung zu verlängern. Er und sein Team um den US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer und Finanzminister Steven Mnuchin würden dies nicht tun, wenn es nicht Aussichten auf ein Abkommen gäbe.

Auch die hochrangigen Treffen stimmen optimistischer: Chinas oberster Verhandlungsführer Liu He traf Trump in Washington, Lighthizer soll Xi in Peking treffen, und dann konkretisieren sich Vorbereitungen für ein finales Treffen zwischen Trump und Xi, das den Handelsstreit medienwirksam beenden soll. Die Gespräche, so viel ist klar, sie könnten schlechter laufen.

Die Unsicherheit durch den Handelsstreit zwischen beiden Staaten belastet die Wirtschaft weltweit. Eine Einigung ist wünschenswert. Sie könnte in Zeiten eines schwächeren weltweiten Wachstums einen willkommenen Schub liefern. Doch zum Aufatmen ist es aus drei Gründen noch zu früh.

Zum Ersten sind eine Verlängerung der Verhandlungsfrist, eine Einigung in Einzelpunkten und eine produktiv erscheinende Verhandlungsführung noch nicht der Durchbruch. China fallen die bisherigen Zugeständnisse beim Kauf von US-Produkten und beim Marktzugang leichter als die noch ausstehenden Verhandlungspunkte.

Die US-Forderung, wettbewerbsverzerrende staatliche Subventionen chinesischer Unternehmen einzustellen, wird China nicht in Gänze schnell erfüllen. Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen wären enorm. Reicht es den USA, wenn etwa bestimmte Subventionen für Elektroautos gestrichen werden? Da scheint eine zumindest diplomatische Lösung beim Thema Technologietransfer schon leichter.

Zum Zweiten hieße eine Einigung im bilateralen Streit zwischen den USA und China nicht unbedingt, dass Trump bei seinem anderen Drohprojekt in Sachen Handel – höhere Importzölle auf Autoimporte aus aller Welt – umdenkt. In den kommenden Tagen wird sich zeigen, ob das Handelsministerium die US-Autoimporte als Bedrohung der nationalen Sicherheit einstuft, um in der Folge Strafzölle verhängen zu können.

Und zum Dritten ist nicht klar, was die Wirtschaftsreformen, die die USA China abtrotzen könnten, für das Schwellenland bedeuten. China wächst schon jetzt so schwach wie seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr – und ist dennoch global Hauptwachstumsträger. Was, wenn die Zugeständnisse das Wachstum schwächen? Es lohnt sich dieser Tage, gut 33 Jahre zurückzublicken.

Japan im Konflikt mit den USA

In den Achtzigerjahren standen die USA ebenfalls vor dem Problem eines massiven Handelsdefizits. Sie rangen Deutschland und Japan in den Verhandlungen zum Plaza-Abkommen im September 1985 eine erhebliche Aufwertung von Deutscher Mark und japanischem Yen ab. Hinzu kamen heftige Konflikte mit Tokio um den Marktzugang für US-Produkte, etwa bei Halbleitern.

Was waren damals die Folgen? In der Tat sank das US-Handelsdefizit insgesamt bis 1991 auf gerade einmal 66 Milliarden Dollar, weniger als ein Zehntel des heutigen Wertes. Allerdings überstiegen die Importe aus Japan, dem Hauptziel des Plaza-Abkommens, die Exporte dorthin in gleichbleibender Höhe.

Japanische Unternehmen passten sich und ihre Preispolitik erfolgreich an die neuen Wechselkurse an. Heute gilt die rasche Aufwertung des Yens zudem als einer der Gründe für die Immobilienblase in Japan und die Wirtschaftsprobleme danach. Der Blick zurück zeigt, dass es schwierig ist zu prognostizieren, was die genauen Folgen eines Handelsabkommens zwischen China und den Vereinigten Staaten wären in diesen Tagen, in denen die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und China, aber auch zwischen den USA und der Europäischen Union sowie zwischen Großbritannien und der EU neu definiert werden.

Vermutlich müsste der chinesische staatliche Wirtschaftsentwicklungsplan angepasst werden. Es könnten Jobs in chinesischen Unternehmen verloren gehen. Oder würden sich chinesische Unternehmen ähnlich schnell wie die japanischen in den Achtzigerjahren anpassen und nach ein paar Jahren eben durch den zusätzlichen Druck an globaler Wettbewerbsfähigkeit gewinnen?

Würde sich die Kluft zwischen global agierenden chinesischen Unternehmen ohne Subventionen und auf den Heimatmarkt konzentrierten, gepamperten Staatsunternehmen vergrößern?

Klar ist: Für China wird das Jahr 2019 – vermutlich mit einer Einigung im Handelsstreit mit den USA – entscheidend sein für die Transformation seiner Wirtschaft und prägend für die teilweise schmerzhaften, von außen aufgezwungenen Entwicklungen, die mit einem ökonomischen Reifeprozess in einer globalisierten Welt einhergehen. 2019 wird für China das sein, was das Jahr 1985 für Japan und dessen Wirtschaft war.

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