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Kommentar Im Handelsstreit benimmt sich Trump wie in einer Kommandowirtschaft

Donald Trump befiehlt US-Unternehmen, alle Brücken nach China abzubrechen. Die Entkoppelung der beiden größten Volkswirtschaften der Welt ist in vollem Gange.
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Die Zollspirale dreht sich weiter – und damit schaden sich die beiden Supermächte selbst. Quelle: dpa
Chinesische und US-amerikanische Flaggen

Die Zollspirale dreht sich weiter – und damit schaden sich die beiden Supermächte selbst.

(Foto: dpa)

Willkommen in der Volksrepublik Amerika! Je verbissener China und die USA ihren Kampf um Handelsüberschüsse, neue Technologien und geopolitische Macht austragen, desto ähnlicher scheinen sich die Kontrahenten zu werden.

Nachdem China als Reaktion auf die letzte Eskalation im Handelsstreit neue Strafzölle gegen Importe aus den USA angekündigt hatte, befahl US-Präsident Donald Trump den amerikanischen Unternehmen wie in einer Kommandowirtschaft, sich nach „Alternativen zu China“ umzusehen.

Das hätte sich vermutlich nicht einmal sein Rivale – Chinas De-facto-Alleinherrscher Xi Jinping – so offen getraut. Dass Trump nebenbei noch den von ihm selbst berufenen US-Notenbankchef Jay Powell zusammen mit Xi zum Staatsfeind Amerikas erklärte, fiel danach schon kaum mehr auf.

Dabei beließ es der US-Präsident aber nicht. Trump kündigte nun seinerseits neue Strafzölle gegen China von bis zu 30 Prozent an. Damit wären dann alle Einfuhren aus dem Reich der Mitte mit Sanktionen belegt. Trumps erklärtes Ziel ist es, die beiden größten, bislang immer noch eng verflochtenen Volkswirtschaften der Welt auseinanderzureißen. „Wir brauchen China nicht, sondern kommen ohne es viel besser zurecht“, polterte der Amerikaner.

An den engen wirtschaftlichen Banden zwischen den beiden Supermächten hat sich bislang kaum etwas verändert. Der Exportweltmeister China lieferte im vergangenen Jahr Güter und Dienstleistungen im Wert von fast 560 Milliarden Dollar an die USA. All diese Importe werden jetzt teurer, und den Preis dafür zahlen amerikanische Unternehmen, Farmer und Verbraucher.

Kaum kontrollierbar

Umgekehrt kauften die Chinesen Produkte „made in USA“ im Wert von 180 Milliarden Dollar. Der amerikanische Chiphersteller Qualcomm erwirtschaftet etwa 65 Prozent seines Umsatzes in China. Bei den Konkurrenten Micron und Broadcom ist es gut die Hälfte.

Hinter den schnöden Zahlen verbergen sich zahlreiche globale Lieferketten, die für internationale Konzerne zu überlebenswichtigen Lebensadern geworden sind. Der Computerbauer Apple lässt seine iPhones bekanntlich in den chinesischen Fabriken von Foxconn zusammenbauen.

Ähnlich enge Lieferketten mit der asiatischen Supermacht haben auch die Autobauer Ford und General Motors sowie der Mischkonzern General Electric. Ein großer Teil der Exporte aus China kommt also aus chinesischen Fabriken amerikanischer Unternehmen. Dass auch sie unter den Strafzöllen leiden, gehört zu den vielen Widersprüchlichkeiten von Trumps „America first“-Politik.

China hat mit seinen Exportüberschüssen zudem über Jahre hinweg riesige Währungsreserven angesammelt und in amerikanische Staatsanleihen investiert. Mitte des Jahres hatte die Volksrepublik noch 1,1 Billionen Dollar ihrer gesamten Währungsreserven von gut drei Billionen Dollar in US-Schuldscheine investiert.

Umgekehrt haben chinesische Unternehmen nach Angaben des Institute of International Finance (IIF) auf Dollar lautende Kredite in Höhe von 800 Milliarden Dollar aufgenommen, und Chinas Banken haben sich mit 670 Milliarden in Dollar verschuldet. Amerikas Zinspolitik ist deshalb für Peking genauso wichtig wie Chinas Währungspolitik für Washington.

Und sollte Peking auf die Idee kommen, US-Staatsanleihen auf den Markt zu werfen, um in Amerika die Zinsen hochzutreiben, würden sich die Chinesen selbst ins Knie schießen. Denn ein Kursverfall auf dem Anleihemarkt mindert auch den Wert ihres Anleihedepots. Amerika und China bilden also immer noch eine Schicksalsgemeinschaft.

„Handelskonflikte sind leicht zu gewinnen“, sagte Trump, als er vor einem Jahr die erste Salve gegen China abfeuerte. Von einem „Sieg“ sind beide Seiten jedoch weit entfernt. Sicher ist nur: Wie ein heißer Krieg ist auch ein kalter Handelskrieg kaum zu kontrollieren. Auch nicht auf Befehl.

„China hat eine komplett andere Sicht auf einen möglichen Währungskrieg”

Mehr: Der US-Präsident hatte die Senkung der Steuern auf Lohn und Kapital ins Spiel gebracht – rudert jetzt aber zurück. Ökonomen mahnen: Viel wichtiger sei es, den Handelsstreit beizulegen.


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1 Kommentar zu "Kommentar: Im Handelsstreit benimmt sich Trump wie in einer Kommandowirtschaft"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Zitat "Und sollte Peking auf die Idee kommen, US-Staatsanleihen auf den Markt zu werfen, um in Amerika die Zinsen hochzutreiben."

    Herr Riecke, das müssen Sie mir bei Gelegenheit mal erklären.
    Ist es nicht eher so, dass durch den Verkauf von US-Anleihen China Dollars gegen RMB verkauft ? Das heißt, dass der Dollar schwächer wird und der RMB stärker. Das wäre dann der konkrete Nachteil für China, aber doch nicht die Abwertung eines Anleiheportfolios. China würde die Anleihen schon los - im Zweifel kauft das FED sie selber auf, zum vollen Preis natürlich denn man will keinen Abschreckungseffekt auf andere künftige Anleihenkäufer, die das US Defizit finanzieren.
    Wenn China Trump ärgern möchte, kaufen sie noch mehr US-Anleihen, schwächen damit den RMB gegen den Dollar.

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