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Kommentar In der Golf-Krise ist jetzt die letzte Chance für europäische Diplomatie

Ohne eine diplomatische Initiative von Berlin und Brüssel droht im Mittleren Osten ein Flächenbrand. Donald Trump fühlt sich durch die Drohnenattacken provoziert.
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„Wir warten mit geladener Waffe“

Es ist ein höchst ungutes Gefühl, den Weltfrieden ausgerechnet in den Händen von Donald Trump zu wissen. Denn vor einiger Zeit hat der US-Präsident zwar deutlich gemacht, dass er keinen militärischen Konflikt mit dem Iran wünscht, sondern amerikanische Truppen von den Konfliktherden in aller Welt zurück in die Heimat holen will.

Doch die Drohnenattacken, für die der Iran mutmaßlich verantwortlich ist, fordern Trump nun heraus. Angesichts wachsender ökonomischer Probleme daheim könnte der Präsident sich gezwungen sehen, den starken Mann zu geben. Und Anlass für einen Militärschlag gegen den Iran hätte er wegen Teherans wahnwitziger Nadelstichpolitik inzwischen durchaus. Trump wäre zudem nicht der erste US-Präsident, der Krieg für Öl führen würde.

Die Hardliner-Fraktion in Teheran um die Kommandeure der Revolutionsgarden – die sich selbst gewaltige Stärke einreden – und den greisen Religions- und Revolutionsführer Ajatollah Ali Chamenei setzt auf Provokation. Sie will den Erzfeind Saudi-Arabien und die USA, die im Iran nur „der große Satan“ genannt werden, herausfordern.

Zwar hat der mächtige saudische Kronprinz Mohammed bin Salman, der Chamenei mit Hitler gleichsetzt, bereits vor einiger Zeit gedroht, dass der Kampf mit dem Iran auf dessen Territorium stattfinden würde. Nur weiß er genauso gut wie Trump, dass Saudi-Arabien trotz der weltweit drittgrößten Rüstungsausgaben noch immer leicht verwundbar ist. Die verheerenden Drohnenattacken vom Wochenende haben dies erneut gezeigt.

Von einem „Herzinfarkt“ der Ölindustrie ist in Riad bereits die Rede angesichts des schwer getroffenen Ziels. Saudi Aramcos Anlage in Abqaiq ist die größte Rohölverarbeitungsanlage der Welt: Dort werden täglich sieben Millionen Barrel je 159 Liter – das entspricht rund sieben Prozent des weltweiten Ölverbrauchs – so gereinigt und von Schwefel befreit, dass sie exportfähig werden und in Raffinerien verarbeitet werden können. Nicht einmal dieses Herzstück des weltgrößten Ölkonzerns konnten die saudischen und US-Militärs schützen.

Das Königreich durchlebt jetzt seinen „Rust-Schock“: 1987 hatte der Sportflieger Matthias Rust mit seiner Landung auf dem Roten Platz in Moskau die im Kalten Krieg bis an die Zähne gerüsteten sowjetischen Flugabwehr-Generäle blamiert. So ähnlich steht jetzt die saudische Truppe da. Sie kann seit Jahren auch mit heftigsten Bombardements im Nachbarland Jemen die schiitischen Huthi-Rebellen nicht besiegen und das eigene Land kaum schützen.

Saudi-Arabien ist zu schwach für einen Waffengang

Auf den „Rust-Schock“ folgte in der Sowjetunion mit Michail Gorbatschows Perestroika genannter Generalrevision der Weg zur globalen Abrüstung. Aber wird Trump jetzt wie Ronald Reagan reagieren und statt militärischer Eskalation auf Verhandlungen und Deeskalation setzen? Trump hat durch seinen einseitigen Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran die Lage im Mittleren Osten erst richtig angeheizt, Teherans Hardliner provoziert.

So wäre jetzt die Stunde der Europäer, eine Initiative zu einer Konferenz für gemeinsame regionale Sicherheit zu starten. Wie einst die KSZE in Helsinki, die Europa Entspannung im Kalten Krieg brachte.

Denn trotz des gewaltigen Egos des Kronprinzen ist Saudi-Arabien zu schwach für einen Waffengang gegen den Iran. Die Hardliner in Teheran reizen Saudis und Amerikaner mit ihrer Nadelstichpolitik der Angriffe auf Öltanker und Ölfelder.

Mit der Unterstützung der Revolutionsgarden in den Konflikten im Jemen und in Syrien sowie ihrer Einmischung im Irak und im Libanon wollen sie ihr Land zum Hegemon in einem vom Jemen bis an die Grenze Israels reichenden „schiitischen Halbmond“ in der arabischen Welt machen. Sie wollen so Stärke demonstrieren und die ökonomische Malaise kaschieren, die Trumps Sanktionen in Persien ausgelöst haben. Aufkommender Volkszorn infolge der katastrophalen Wirtschaftsmisere bedroht die Mullahs.

Doch in Teheran gibt es auch noch die Fraktion der Reformer um Präsident Hassan Rohani und die Einsicht, dass der Iran letztlich in einem Militärkonflikt der US-Armee unterlegen wäre. Und Trump dürfte ahnen, dass ein Krieg mit dem Iran sehr verlustreich würde. Genug Ansätze also eigentlich für Diplomatie.

Aber Europa ist momentan zu sehr mit sich selbst beschäftigt, mit dem Brexit und dem Handelskonflikt mit Trump. Gerade deshalb wäre es wichtig, auch China und Japan als Ölgroßkunden sowohl des Irans als auch Saudi-Arabiens in eine Verhandlungsoffensive einzubeziehen. Und Russland, das ein enger Partner Teherans in Syrien ist und Riads an der Ölpreisfront.

Der eskalierende Konflikt im Mittleren Osten kommt jetzt mit höheren Benzinpreisen an den Tankstellen in aller Welt an. Es ist zu hoffen, dass dies die vorerst einzige Auswirkung bleibt. Und dass aus dem Konflikt kein heißer Krieg wird, der sich zu einem Flächenbrand entwickelt. Aber dazu müssten Berlin und Brüssel schnell aktiv werden.

Mehr: Die Ölproduktion in Saudi-Arabien ist eingebrochen. Am Montag verteuerte sich Öl um bis zu 20 Prozent. Das dürften auch Verbraucher in Deutschland zu spüren bekommen.

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