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Kommentar In der Krise zeigt sich, welcher Chef wahre Führungsqualitäten besitzt

Corona wird für Führungskräfte zur Bewährungsprobe. Dominante und hierarchische Chefs werden durch die Herausforderungen gnadenlos entlarvt.
23.03.2020 - 13:42 Uhr Kommentieren
Corona zeigt, welcher Chef wahre Führungsqualitäten besitzt Quelle: Reuters
Videokonferenz

Wer seine Mann-/Frauschaft nicht auf eigenständiges Denken und Handeln getrimmt, wer die technischen und organisatorischen Voraussetzungen für dezentrales Arbeiten nicht längst geschaffen hat, der wird jetzt der große Verlierer unter den Chefs sein.

(Foto: Reuters)

Eines haben alle Krisen gemeinsam: Sie wecken Gefühle in uns, die wir nicht haben wollen. Wir sind verunsichert, das macht uns verletzlich. Wir sind ohnmächtig, das macht uns wütend. Wir sind erschrocken, das lähmt uns. Wer behauptet, er sei immun gegen diese Gefühle, der lügt. Und doch gibt es Menschen, die, obwohl sie dasselbe fühlen, anderen Menschen in der Krise Halt geben und ihnen die Richtung weisen. Das sind die wahren Leader, die Autorität genießen und nicht qua Amt Führung nur ausüben.

Auch in der Wirtschaft zeigt sich angesichts der grassierenden Coronavirus-Pandemie, welche Chefs von ihren Mitarbeitern für fähig gehalten werden, den Schaden so gut es geht zu begrenzen. Denn bei all der Unsicherheit, die herrscht, ist jetzt schon klar: Wir können die Ausbreitung von Covid-19 nicht aufhalten, lediglich verlangsamen. Egal, wie wir jetzt auf die Coronakrise reagieren, es wird weh tun. Die Unternehmen werden wirtschaftlich leiden, die Mitarbeiter auch.

In dieser unübersichtlichen Lage sehnen wir uns alle mehr denn je nach Führungsstärke. Die meisten von uns sitzen im Homeoffice und sind trotz täglicher Video- und Telefonkonferenzen abgeschottet und orientierungslos. Da liegt der Schluss nahe, dass dominant-hierarchische Figuren jetzt die Erfolgreichen sind, denn sie führen über rigide, aber klare Vorgaben.

Die konkrete Zuweisung von Aufgaben mittels Ansage im klassischen Stil, also von oben nach unten, schafft größtmögliche Kontrolle für die Chefs und eindeutige Strukturen für die Mitarbeiter. Man könnte meinen, es ist das Comeback des längst überholten Modells der administrativen Vollstrecker. Nach dem Motto: nicht diskutieren, machen.

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    Das genaue Gegenteil ist der Fall. Das wird die Coronakrise zeigen.

    Wer seine Mann-/Frauschaft nicht auf eigenständiges Denken und Handeln getrimmt, wer die technischen und organisatorischen Voraussetzungen für dezentrales Arbeiten nicht längst geschaffen hat, der wird jetzt der große Verlierer unter den Chefs sein. Es braucht in dieser extremen Situation, wie wir sie alle noch nicht erlebt haben, keine Hände, die stupide ausführen. Es braucht kluge Köpfe, die ihre Kreativität frei entfalten können. Es braucht Unternehmer im Unternehmen, die ihre eigenen Entscheidungen treffen und die Herausforderung entschlossen anpacken. Denn in Coronazeiten ist nicht nur der Ort, an dem wir arbeiten, ein anderer.

    Auch die Bedingungen werden sich radikal ändern. Eine Rezession ist unausweichlich. Dahingehend sind sich so gut wie alle Experten mittlerweile einig. Die Frage ist nur noch, wie tief sie sein und wie lange sie dauern wird. Ein Weiter-so gibt es nicht. In keinem Unternehmen. In den meisten Firmen geht es jetzt vor allem darum, das Geld zusammenzuhalten und die Kosten runterzufahren – und trotzdem das Geschäft am Laufen zu halten. Da sind Ideen, Pragmatismus und beherzte Eigeninitiative von jedem Einzelnen gefragt.

    Zuwendung fördert die Motivation

    Damit sich diese individuellen Kräfte ungehemmt entfalten können, müssen Vorgesetzte willens und in der Lage sein, die Verantwortung für das Finden von Lösungen auf ihre Mitarbeiter zu übertragen. Das funktioniert allerdings nur, wenn sie sich selbst zurücknehmen. Das fängt etwa mit der Telefonkonferenz an, in der es nötig ist, dem anderen zuzuhören, ihn aussprechen zu lassen. Das wiederum ist aber nur möglich, wenn sich auch die Führungskräfte selbst auf „stumm“ schalten.

    Auch Empathie und Wärme festigen in der Krise die Autorität. Wer trotz Führungsposition seinen Mitarbeitern nah geblieben ist, ist glaubwürdig, wenn er fragt: „Wie geht es dir? Kommst du zurecht?“ Viele von uns plagen Sorgen in diesen Tagen. Die meisten haben Kinder, die betreut werden müssen, oder Angehörige, die wegen Vorerkrankungen oder ihres Alters zur Risikogruppe gehören.

    Und nicht wenige haben schlicht Angst um sich selbst und um ihren Job. Vorgesetzte, die emotional sind, werden noch allzu oft als schwach gebrandmarkt. Dabei fördert Zuwendung die Motivation.

    Die Quintessenz lautet also: Führen ja, aber in die Selbstständigkeit. In einer Situation, in der niemand auf entsprechende Erfahrungen aus der Vergangenheit zurückgreifen kann, ist Mitdenken essenziell, nicht Mitlaufen. Und Mitgefühl. Die wirklich überzeugenden Führungsfiguren sind die Mentoren und Sparringspartner, die an ihre Mitarbeiter glauben und sie lange vor der Coronakrise befähigt haben, selbst das Beste aus sich rauszuholen. Sie strahlen Vertrauen aus und gewähren Freiräume.

    Parallel orchestrieren und motivieren sie das Team und sichern so den nötigen Zusammenhalt, gerade über die räumliche Distanz. So fühlt sich jeder Mitarbeiter ernst und gleichzeitig an die Hand genommen.

    Diesem hohen Anspruch zu genügen ist im normalen Arbeitsalltag schon schwer. Und in der Krise ist es noch schwerer. Aber es lohnt sich. Und es zeichnet die wahren Führungskräfte aus.

    Mehr: Plötzlich Heimarbeit – So gelingt Neulingen das Arbeiten im Homeoffice

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