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Kommentar In der Ölbranche droht eine gewaltige Konsolidierungswelle

Die Ölproduzenten und -konzerne sind in der Coronakrise quasi hilflos: Die Überversorgung wächst kontinuierlich und hebt die Machtbalance aus den Angeln.
29.03.2020 - 20:10 Uhr Kommentieren
Für die Ölbranche verschlechtert sich die Lage in der Coronakrise mit jedem Tag. Quelle: dpa
Erdölförderung

Für die Ölbranche verschlechtert sich die Lage in der Coronakrise mit jedem Tag.

(Foto: dpa)

Ein Ende der globalen Corona-Pandemie ist noch immer nicht abzusehen. Das trifft auch die Ölbranche, deren Lage sich mit jedem Tag verschlechtert, an dem das Virus in Nordamerika, Europa, Indien und anderswo wütet und Milliarden von Menschen in den eigenen vier Wände quasi eingesperrt sind.

Trotz des zuletzt gestiegenen Öldurstes Chinas wächst die Überversorgung mit dem schwarzen Gold kontinuierlich. Der dramatische Verfall des Ölpreises und der Börsenkurse in der Energiebranche spricht Bände. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), Russland und die USA schauen dem Debakel in ihrer Not quasi hilflos zu. Das steigende Überangebot hebt die früher einigermaßen funktionierende, globale Machtbalance der Ölbranche aus den Angeln. Eine gewaltige Konsolidierungswelle droht.

Die Ölmultis sind angesichts der völlig offenen Entwicklung schlichtweg in Panik. In ihrer Not drehen sie jeden Petrodollar dreimal um. Egal ob Branchenriesen wie Shell, Total, BP und Chevron oder mittlere Konzerne wie die österreichische OMV, die italienische Eni oder die spanische Repsol: Alle treten mit Gewalt auf die Kostenbremse, um in dieser einmaligen Krise handlungsfähig zu bleiben.

Selbst Venezuela, das wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand steht, muss die Produktion zwangsweise zurückfahren. Denn weltweit quellen die Lager von Öl über.

Hinzu kommt: Völlig überflüssig hat sich Opec-Schwergewicht Saudi-Arabien mit Russland zu Beginn der Coronakrise überworfen. Seitdem ist das gemeinsame Bündnis Opec plus Geschichte. Sie haben einen Preiskrieg angezettelt, der in dieser Extremmarktlage keinen Sinn ergibt. Es kann durchaus sein, dass wir noch historische Tiefstände beim Ölpreis sehen werden, wenn sich die Coronakrise in den wichtigen Industrieländern über mehrere Monate hinziehen sollte.

In der außergewöhnlichen Zeit sind außergewöhnliche Schritte notwendig, um Schieflagen von Unternehmen und Staaten zu verhindern. Es wäre daher sinnvoll, eine globale Ölkonferenz mit allen wichtigen Marktteilnehmern zu initiieren, um für maximale Stabilität zu sorgen. Ein gemeinsamer Dialog – von den Ölmultis über die Staatskonzerne bis zu den US-Schieferölproduzenten einschließlich der maßgeblichen Förderländer – ist dringend geboten.

Dazu muss mancher egozentrische Marktteilnehmer über seinen Schatten springen. Doch mit jedem weiteren Tag der Coronakrise werden früher unvorstellbare Entwicklungen möglich. Warum nicht ein konstruktives Vorgehen auf dem Ölmarkt zum Wohl von Wirtschaft und Staat? Denn nach der Coronakrise wird die Welt des Öls anders aussehen. Jetzt besteht noch die Chance, sie zu gestalten.

Mehr: Im Ölpreisstreit zwischen Russland und Saudi-Arabien dürfte die Vernunft siegen.

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