Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Besuchertag bei der Ifa

Samsung präsentiert auf der Ifa einen Bildschirm mit 8K-Auflösung. Eine wirkliche Revolution bleibt in der Tech-Branche jedoch aus.

(Foto: dpa)

Kommentar In der Tech-Branche gibt es keine echten Innovationen mehr

Den Geräteherstellern mangelt es an Ideen. Statt Innovationen voranzubringen, setzen sie oft nur auf größere Produkte mit höherer Auflösung.
Kommentieren

Die Berliner Elektronikmesse Ifa ist eigentlich die Plattform für die Gerätehersteller, um ihre bahnbrechenden Neuerungen vorzustellen. Schon viele Monate bevor neue Produktkategorien in den Handel kommen, werden sie einem Fachpublikum präsentiert. Dieses Jahr zeigt sich aber: Wirklich revolutionäre Neuerungen gibt es nicht. Der Branche gehen die Ideen aus.

Anstatt grundsätzlich neue Ansätze voranzutreiben, doktern sie lieber leicht an ihren bestehenden Produkten rum und verkaufen das als Innovation.

Das beste Beispiel dafür liefern die Fernsehhersteller. Samsung dominiert gleich eine ganze Halle auf dem Berliner Messegelände. Dabei wollen die Südkoreaner vor allem ein Produkt präsentieren: Fernseher, die ein Bild mit einer Auflösung von 8K darstellen können. Im Vergleich zu bisherigen HD-Fernsehern sind sie 16-mal schärfer. Doch die aufwendig beworbenen Geräte sind Mogelpackungen in doppelter Hinsicht.

Zum einen fehlen die Inhalte. Deutschland hängt bereits zurück, was den Vorgängerstandard 4K-Auflösung, auch Ultra HD genannt, betrifft. Es gibt kaum Fernsehsender, die bereits die hohe Auflösung anbieten. Sky und die Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe bieten nur ausgewählte Inhalte in UHD an. Ähnlich mau sieht bislang noch das Angebot an 4K-Inhalten bei den Plattformen Youtube, Netflix und Amazon aus. Das ZDF hat nach Tests einen Regelbetrieb mit 4K für das Jahr 2022 angekündigt.

Mit 8K ist das Angebot noch deutlich weiter eingeschränkt. Erst mit den olympischen Winterspielen 2022 in Peking soll 8K-Übertragung einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden.

Zum anderen ist die Technik für viele Situationen schlicht übertrieben. Das menschliche Auge stößt bei ultrahohen Auflösungen an seine Grenzen. Rechnerisch dürfte ein Zuschauer bei einem 70 Zoll großen Fernseher mit 8K-Auflösung maximal 1,20 Meter weit vom Display entfernt sitzen. Sonst kann das Auge die hohe Auflösung gar nicht mehr wahrnehmen.

Damit sich 8K lohnt, sind quasi Fernseher in den Dimensionen kleiner Kinoleinwände in Deutschlands Wohnzimmern nötig. Das Beispiel zeigt die Ideenlosigkeit der Anbieter. Sie setzen nur auf die ausgetretenen Pfade. Fernseher sollen einfach größer werden und eine höhere Auflösung haben. Das war‘s.

Keine echte Revolution

Das Problem betrifft jedoch nicht nur die Produzenten von TV-Geräten, sondern etliche weitere Technikprodukte. Bei den Smartphones hat es seit Einführung des iPhones 2007 keine echte Revolution mehr gegeben. Es gab eine Anfangsphase, in der sich innerhalb kürzester Zeit die Leistungsfähigkeit der Geräte erkennbar deutlich verbessert hat.

Doch diese Sturmphase ist längst abgeflaut. Wie bei den Fernsehern setzten die Hersteller zuletzt meist auf platte Argumente, wie ein noch größeres Display, um den Kunden noch etwas mehr Geld für die Geräte abzuverlangen. Das Phablet, als Hybrid aus Smartphone und Tablet wird als Innovation verkauft. Mit viel Wohlwollen lässt sich das noch als Evolution bezeichnen. Echte Revolution sieht aber völlig anders aus.

Dabei vernachlässigen die Hersteller ihre Kernaufgabe. Sie sollen über die bestehenden Produktklassen hinausdenken und Innovationen vorantreiben. Ein CEO, der wirklich Eindruck hinterlassen will, braucht keinen noch schärferen Fernseher oder ein Smartphone mit einem etwas größeren Display im Portfolio. Ein echter Unternehmenslenker sollte neue Bahnen weisen.

Trends der IFA – Mit Blockchain gegen Handy-Klau und leere Kühlschränke

Genau das fehlt derzeit. Wir sprechen täglich von Disruption in den Geschäftsmodellen infolge der Digitalisierung. Doch bei den Herstellern von Unterhaltungselektronik ist davon wenig zu sehen. Die Technologie-Unternehmen haben sich in wenigen Jahren zwar eine Schlüsselrolle in der globalen Wirtschaftswelt erkämpft. Geräte, die unseren Alltag und unsere Wirtschaft verändern, haben sie groß gemacht.

Ein Warnsignal für Gerätehersteller

Kein Produkt steht so stark für diesen Anspruch wie das iPhone. Erst konnte Apple diesen Anspruch zumindest noch zum Teil mit dem iPad einlösen. Doch seither ist dem Apfel-Konzern dies nicht mehr in der gleichen Größenordnung gelungen.
Der revolutionäre Charakter der Gerätehersteller scheint beinahe vollständig auf die Softwarehersteller überzugehen.

Wenn in der Technologie-Branche von Revolution gesprochen wird, sind damit neue Algorithmen gemeint: künstliche Intelligenz, Blockchain oder Sprachsteuerung. Es ist nicht entscheidend, welche Technik in einem smarten Lautsprecher steckt. Wichtig ist nur, dass seine Software stimmt, dass er Befehle versteht und ein Helfer im Alltag ist.

Das sollte ein Warnsignal für die Gerätehersteller sein. Sie machen sich irrelevant, wenn sie weiter an nur begrenzten Produktverbesserungen festhalten. Wir brauchen mehr als nur einen Fernseher mit 8K-Auflösung. Die Firmen müssen umdenken, an ihrer Spitze sind Querdenker nötig. Sonst machen sie sich irgendwann selbst irrelevant.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Kommentar - In der Tech-Branche gibt es keine echten Innovationen mehr

0 Kommentare zu "Kommentar: In der Tech-Branche gibt es keine echten Innovationen mehr"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.