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Kommentar In großen Krisen wie jetzt brauchen Unternehmen ihre Aktionäre

Um genug Liquidität zu halten, sollten Firmen ihre Aktienrückkaufprogramme aussetzen. Stattdessen sollten sie umsichtig Dividenden ausschütten.
04.05.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Nur mithilfe der jährlichen Ausschüttungen sind Aktien auf Dauer eine sinnvolle Anlage. Quelle: dpa
Deutsche Telekom

Nur mithilfe der jährlichen Ausschüttungen sind Aktien auf Dauer eine sinnvolle Anlage.

(Foto: dpa)

Die Unternehmen senken in der Krise ihre Dividenden, verringern aber nicht die Aktienrückkäufe: Für gut fünf Milliarden Euro haben Deutschlands Unternehmen allein in den ersten vier Monaten des Jahres eigene Aktien an der Börse gekauft, um so in der Krise den Kurs zu stabilisieren.

Im gesamten Vorjahr waren es neun Milliarden Euro. Hingegen überlegen nach MTU und der Lufthansa immer mehr Unternehmen, ihre Ausschüttungen für das vergangene – noch erfolgreiche – Geschäftsjahr zusammenzustreichen, um Liquidität vorzuhalten.

Deutschlandweit dürften die Dividenden in diesem Jahr um ein Viertel gegenüber dem Vorjahr sinken – Tendenz fallend, solange es für viele virtuelle Hauptversammlungen noch keine Termine gibt und die Unternehmen ihre bereits angekündigten Dividenden noch kürzen können.

Solche Überlegungen sind im Sinne einer ausreichenden Innenfinanzierung absolut notwendig. Ebenso richtig sind Forderungen aus der Politik, dass Unternehmen ihre Dividenden sofort streichen müssen, sobald sie auf Staatshilfe zugreifen wollen – so wie die Lufthansa.

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    Doch im Sinne einer besseren und bislang unzureichenden Aktienkultur erscheint es sinnvoller, zuerst den Erwerb eigener Aktien zu stoppen – und erst im zweiten Schritt über das Streichen von Dividenden nachzudenken.

    Erfolg am Aktienmarkt

    Wer glaubt, dass die alljährlichen Dividenden ein Almosen für gierige Aktionäre seien, irrt. Gerade in großen Krisen wie jetzt brauchen Unternehmen ihre Aktionäre – und dabei helfen auch verlässliche Ausschüttungen. Das belegen einerseits Traditionen an der Wall Street, wo Unternehmen wie Procter & Gamble seit mehr als 60 und Philip Morris seit mehr als 80 Jahren ihre Ausschüttungen erhöhen.

    Auch deshalb schwanken die Aktienkurse in den USA weniger stark als in Deutschland. Rentner und milliardenschwere Pensionsfonds können sich zwar nicht auf zuverlässige Kurssteigerungen, wohl aber auf regelmäßige Ausschüttungen verlassen.

    Dividenden steuern darüber hinaus den Großteil zum Erfolg am Aktienmarkt bei. Nur mithilfe der jährlichen Ausschüttungen sind Aktien auf Dauer eine sinnvolle Anlage.

    Wer etwa die T-Aktie im November 1996 zeichnete und erwarb, hat damit bis heute keine Kursgewinne eingefahren. Die Deutsche Telekom notiert heute knapp zehn Prozent unter ihrem damaligen Niveau.

    Doch mithilfe der Dividenden haben Aktionäre, die vom ersten Tag an dabei sind, ihren Einsatz mehr als verdoppelt. Dabei zählt die Telekom nicht einmal zu den zuverlässigsten Zahlern, angesichts einiger Dividendenkürzungen in der Vergangenheit.

    Auch 2020 bekommen Aktionäre weniger als im Jahr davor – weil die Telekom viel Geld für Investitionen braucht. Dennoch summierten sich die Ausschüttungen zu einem starken Gewinn.

    Was für die Telekom gilt, gilt für den gesamten Dax: Wer allein auf höhere Kurse setzte, hat mit den 30 Aktien schon lange nichts mehr gewonnen. In den vergangenen 20 Jahren errechnet sich ein Minus von fast 20 Prozent.

    Werden die Dividenden der Unternehmen aber immer wieder sofort in den Dax investiert, so wie es bei dem uns bekannten Performance-Dax üblich ist, ergibt sich auf Sicht von zwei Jahrzehnten ein Zugewinn von mehr als 40 Prozent. Anders formuliert: Ohne Dividenden machte es keinen Sinn, langfristig auf den Dax zu setzen.

    Adidas fehlt Liquidität

    Das darf Unternehmen aber nicht in Versuchung führen, ihre Liquidität zu gefährden. BASF oder Volkswagen, die in der aktuellen Krise ihre Dividenden sogar erhöhen, müssen sich absolut sicher sein, auf Staatshilfen in Form von staatlichen Krediten oder staatlich finanzierten Kaufprämien für Autos verzichten zu können. Auch Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken verbietet sich, wenn gleichzeitig die Aktionäre mehr Geld als im Vorjahr bekommen.

    Die Liquidität des Unternehmens und das Vertrauen in der Gesellschaft zu gefährden, indem etliche Unternehmen nicht nur Dividenden ausschütten, sondern darüber hinaus auch eigene Aktien an der Börse kaufen, um so den Kurs zu stützen, ist fahrlässig – und der Gesellschaft nicht zu vermitteln.

    Das bewies Adidas. Erst kaufte der Sportartikelhersteller im Rausch seiner Rekordgewinne aus den vergangenen Jahren bis Mitte März 2020 eigene Aktien auf – um dann nur einen Monat später nach staatlicher Hilfe zu rufen. Zwei Milliarden Euro gab Adidas seit 2018 für den Erwerb seiner teuren Aktien aus. Dann sagte die staatliche Förderbank KfW ein Darlehen von 2,4 Milliarden zu.

    Das ist absurd. Die abgeflossene Liquidität fehlt dem Konzern jetzt in der Krise.

    Solch ein Finanzdesaster sollte Unternehmen wie Siemens mahnen, ihrerseits milliardenschwere Aktienrückkaufprogramme abzubrechen. Der Münchener Konzern hat rund 3000 seiner deutschlandweit 116.000 Beschäftigten in Kurzarbeit geschickt, unter anderem Mitarbeiter der geschlossenen Kantinen.

    Nicht nur ihnen dürfte es wohl unverständlich sein, warum seit Jahresbeginn bei Siemens 4,4 Milliarden Euro in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen abgeflossen sind.

    Mehr: Dividende trotz Staatsgeld: Ausschüttungen werden zum Streitfall.

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