Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Indiens Absage an den Freihandelspakt RCEP spielt China in die Hände

Narendra Modi erteilt dem weltgrößten Handelspakt eine Absage – auch, um die indischen Bauern vor Konkurrenz zu schützen. Die Entscheidung ist kurzsichtig.
Kommentieren
Statt bei der größten Freihandelszone der Welt mitzumachen, schaut Indien lieber zu. Quelle: Reuters
Narendra Modi und Chinas Ministerpräsident Li Keqiang

Statt bei der größten Freihandelszone der Welt mitzumachen, schaut Indien lieber zu.

(Foto: Reuters)

In seiner Nachbarschaft entsteht die größte Freihandelszone der Welt – aber statt mitzumachen sieht Indiens Regierungschef Narendra Modi lieber vom Seitenrand aus zu. Wenn er die geplante Vereinbarung an den Interessen der Inder messe, komme er zu keinem positiven Resultat, sagte Modi nach einem Gipfeltreffen in der thailändischen Hauptstadt Bangkok.

Damit zog er einen Schlussstrich unter die jahrelangen Verhandlungen, die sein Land mit China, der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean sowie Australien, Japan, Südkorea und Neuseeland geführt hat.

Die insgesamt 15 Länder, denen Indien eine Absage erteilt hat, wollen den Handelspakt RCEP nun allein vorantreiben und im kommenden Jahr unterzeichnen. Auch ohne den indischen Subkontinent handelt es sich weiterhin um ein Großprojekt: Die sogenannte Regional Comprehensive Economic Partnership wird dann rund ein Drittel der Weltbevölkerung und der globalen Wirtschaftsleistung umfassen.

Dass Indien die Teilnahme verweigert, könnte sich schon bald als Fehler erweisen, der China in die Hände spielt. Dabei geht es nicht nur um die wirtschaftlichen Möglichkeiten, die eine Marktöffnung durch die Freihandelszone mit sich bringen könnte – wie die Chance für indische Fabriken, sich stärker in die länderübergreifenden Wertschöpfungsketten des Kontinents zu integrieren.

Das größte Problem von Modis Ausstieg ist strategischer Natur. Auf Druck von Lobbygruppen und der Opposition in seiner Heimat gibt der Premierminister seinen Platz am Verhandlungstisch auf – und überlässt China das Feld. 

Die Regierung in Peking kann dadurch ihre Position als alleinige Führungsmacht des Kontinents weiter untermauern. Die Hoffnungen, die kleinere Länder mit der Einbindung Indiens verbunden haben, hat Modi zerschlagen. In Südostasien wächst seit Monaten die Sorge vor dem immer größer werdenden chinesischen Einfluss auf die Region.

Die ökonomische Macht von Asiens größter Volkswirtschaft treibt viele Staaten in eine zunehmende Abhängigkeit. Länder wie Indonesien hatten sich deshalb massiv dafür eingesetzt, bei RCEP auch Indien mit im Boot zu haben. Indiens Ablehnung lässt die Regierung in Neu Delhi nicht gerade als zuverlässiger Alternativpartner erscheinen.

Gründe für Skepsis gibt es genug

Natürlich haben die Inder Gründe für ihre RCEP-Skepsis: Sie sahen zu wenig Fortschritte beim Abbau von nichttarifären Handelshemmnissen in China, die dort indischen Unternehmen das Leben schwer machen. Gleichzeitig befürchteten sie, dass die lokalen Märkte mit billigen chinesischen Waren überflutet würden und Landwirtschaftsgüter aus Australien und Neuseeland die Waren der heimischen Bauern verdrängen.

Die Sorge ist sicherlich nicht ganz unbegründet. Doch Protektionismus schützt die Wirtschaft höchstens kurzfristig. Mittel- und langfristig würde mehr Konkurrenz Indien dabei helfen, seine internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, was angesichts der niedrigen Produktivität dringend nötig wäre. 

Bei seinem vielbeachteten Auftritt im vergangenen Jahr in Davos hatte Modi noch die Globalisierung gelobt und sein Land als „open for business“ präsentiert. Das Freihandels-Aus sendet nun die gegenteilige Botschaft an Investoren – ausgerechnet in einer Zeit, in der Indien ohnehin bereits mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hat.

Die Wachstumsrate der Wirtschaft brach im jüngsten Quartal von acht Prozent im Vorjahr auf fünf Prozent ein. Indische Industrievertreter warnen zurecht davor, dass Investitionen in Indien und die Exportgeschäfte mit dem RCEP-Austritt Schaden nehmen dürften.

Ganz verschlossen ist die Teilnahme an dem Handelspakt für Indien zwar nicht. Die übrigen Länder betonen, dass sie für das Land die Türen offen halten wollen, sollte es sich später dazu entschließen, doch noch mitzumachen. Die Details des Deals wird Indien dann aber nicht mehr mitbestimmen können, sondern die Beschlüsse hinnehmen müssen, auf die sich die anderen Staaten geeinigt haben – unter der Federführung Chinas.

Mehr: 15 Länder einigen sich auf großen Freihandelspakt 2020

Startseite

Mehr zu: Kommentar - Indiens Absage an den Freihandelspakt RCEP spielt China in die Hände

0 Kommentare zu "Kommentar: Indiens Absage an den Freihandelspakt RCEP spielt China in die Hände"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.