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Kommentar Indiens Einstieg in den Impfstoff-Wettbewerb gefährdet den Ruf des Landes

Nach Russland und China lässt nun auch Indien einen eigenen Impfstoff zu. Doch ein Schnellverfahren ist der falsche Weg – angesichts der Risiken für die Bevölkerung.
04.01.2021 - 15:30 Uhr Kommentieren
Mit einem in der Heimat entwickelten Vakzin will Indien in den globalen Impfstoff-Wettbewerb einsteigen. Quelle: Reuters
Corona-Impfstoff

Mit einem in der Heimat entwickelten Vakzin will Indien in den globalen Impfstoff-Wettbewerb einsteigen.

(Foto: Reuters)

Im globalen Gezerre um knappe Impfstoffe können es sich die großen Schwellenländer nicht leisten, auf Restelieferungen aus Europa und Amerika zu warten. Sie setzen deshalb zu Recht auf die Innovationskraft ihrer heimischen Pharmaindustrie und sehen sich dabei auf einem guten Weg: Nach China und Russland hat nun auch Indien ein im eigenen Land entwickeltes Coronavirus-Vakzin zugelassen. Angesichts der Tatsache, dass in den Ländern mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung auf eine Impfung wartet, ist jede zusätzliche Option bei der Immunisierung sicherlich eine gute Nachricht.

Doch wie zuvor bereits die russischen und chinesischen Behörden machen nun auch die indischen den Fehler, dass sie lieber schnell als gründlich vorgehen. Die Regierung von Premierminister Narendra Modi erlaubt nun Impfungen mit einem Impfstoff, der noch mitten in klinischen Studien steckt und seine Wirksamkeit aus Sicht von Gesundheitsexperten noch lange nicht unter Beweis gestellt hat.

Dass Modi angesichts der riesigen Herausforderung, ein Milliardenvolk binnen weniger Monate zu immunisieren, auf kurze Wege setzt, ist absolut nachvollziehbar. Doch dabei fragwürdige Abkürzungen einzuschlagen dürfte seinen Zielen am Ende mehr schaden als nutzen: Denn die Zweifel, die nun an dem Zulassungsverfahren geäußert werden, drohen sich in den kommenden Wochen auch in der Impfbereitschaft niederzuschlagen.

Kalkül könnte Fehleinschätzung werden

Dabei besteht der Verdacht, dass Modi die Zulassung des ersten indischen Coronavirus-Impfstoffs nicht nur unter medizinischen Gesichtspunkten betrachtet, sondern in ihr auch eine ideale Gelegenheit zur Eigenwerbung sieht: Der Politiker, der für seine umfassende Selbstinszenierung bekannt ist, brauc gefhte am Montag nur ein paar Sätze, um von seinem Lob der indischen Wissenschaftler auf sein Vorzeigeprojekt „Make in India“ überzuleiten, mit dem er den Subkontinent als neues Schwergewicht in den globalen Lieferketten positionieren will.

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    In seiner Rede betonte der Regierungschef, dass es nicht primär darum gehe, mit indischen Produkten die Weltmärkte zu überrollen, sondern er vor allem die globale Akzeptanz für Waren aus seinem Land erhöhen möchte. Modi scheint zu glauben, dass ihm in der Coronakrise Schlagzeilen zur Innovationskraft der indischen Pharmaindustrie die erhoffte positive Aufmerksamkeit bringen werden.

    Doch das Kalkül könnte sich als Fehleinschätzung erweisen: Wer zugunsten eines effektvollen Auftritts die lästigen Details lieber ignoriert, kommt schnell ins Stolpern. Und gerade wenn es um Impfstoffe für Hunderte Millionen Menschen geht, sind Fehltritte auf keinen Fall hinnehmbar.

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