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Kommentar Investitionen sind wichtiger als Dividenden

Statt Gewinne zu horten oder sie auszuschütten, investieren die Unternehmen wieder. Das ist gut, auch wenn die Aktionäre wenig begeistert sind.
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Autobauer wie VW, BMW und Daimler haben ihre Forschungsausgaben gesteigert. Quelle: dpa
Autoterminal in Bremerhaven

Autobauer wie VW, BMW und Daimler haben ihre Forschungsausgaben gesteigert.

(Foto: dpa)

Vor genau einem Jahrzehnt brach die Weltwirtschaft nach der Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman ein. Deutschland rutschte in die schwerste Rezession der Nachkriegsgeschichte, weil viele Auftraggeber in Schockstarre fielen und deshalb Aufträge stornierten. Unternehmen brauchten dringend Kredite, die sie bei den ebenfalls klammen Banken aber nur noch mit zweistelligen Zinssätzen bekamen.

Aus dieser großen Krise haben inhabergeführte Unternehmen, aber auch die großen börsennotierten Konzerne eine wichtige Lehre gezogen: Sie wollten nicht noch einmal den Fehler begehen, in guten Zeiten über ihre Verhältnisse zu leben und zu wenig vorausschauend vorzusorgen.

Deshalb häuften sie in den Jahren nach der Lehman-Pleite Geld an und stärkten so ihr Eigenkapital. Zuletzt bilanzierten Deutschlands Unternehmen quer über alle Branchen und Größen hinweg eine Eigenkapitalquote von durchschnittlich knapp 40 Prozent. So üppig waren die Unternehmen noch nie gepolstert.

Einziger, aber gewichtiger Nachteil: Die Unternehmen investierten im langen Aufschwung zu wenig. Umsätze, Gewinne und Renditen stiegen zwar. Auch verbesserte sich die Substanz, doch die drängenden Zukunftsaufgaben drohten sie zu verpassen – aus Sorge, in Krisenzeiten vielleicht nicht genug Kapital vorzuhalten und sich von Bankdarlehen abhängig zu machen.

Diese Hamster-Mentalität endet jetzt in dem 2009 begonnenen und immer noch andauernden Aufschwung. Inmitten weiter boomender Inlands- und Auslandsgeschäfte zeichnet sich seit dem vergangenen Geschäftsjahr eine Trendwende ab, die sich 2018 noch verstärkt. Aufträge und Umsätze steigen bei den meisten Unternehmen wie gewohnt weiter, aber Gewinne und Margen wachsen nicht mehr im Gleichlauf mit.

Die Unternehmen haben ihre Prioritäten verschoben. Sie erhöhen ihre Investitionen, steigern ihre Forschungsausgaben und nehmen auch mehr Kredite in Anspruch. Das gilt für globalisierte Großkonzerne wie etwa die drei Autobauer BMW, Daimler und VW, deren Forschungs-, Entwicklungs- und Investitionsausgaben für neue Antriebstechnologien im ersten Halbjahr auf Rekordhöhe gestiegen sind, genauso wie für die vielen kleineren, hochfokussierten Unternehmen – wie beispielsweise den IT-Dienstleister Bechtle oder den Biotechnikforscher Evotec.

Deutschland profitiert vom Investitionstrend

Oder den Zulieferer SHW: Der Hersteller von Bremsscheiben, Pumpen und Motorkomponenten baut seine Fertigung im Ausland aus und investiert in diesem und im nächsten Jahr mehr als 30 Millionen Euro in China, Nordamerika und Osteuropa. Auch deshalb stiegen die Verbindlichkeiten binnen eines Jahres von 17 Millionen auf 30 Millionen Euro. Logischerweise sinkt die Eigenkapitalquote.

In diesem neuen Investitionstrend profitiert der Standort Deutschland von seinem Heimvorteil mit vielen hochkomplexen Produktionsverfahren im Maschinen- und Anlagenbau, in der Elektroindustrie und natürlich der Automobilindustrie. Dazu gehört auch, über Branchengrenzen hinauszudenken, so wie beispielsweise BMW.

Der Münchener Autobauer kooperiert mit neuen Herstellern wie Magna und schmiedet branchenübergreifende Allianzen mit dem Halbleiterriesen Intel beim autonomen Fahren. Audi, BMW, Daimler und Intel engagieren sich beim Kartendienst Here. Der Mischkonzern Siemens formt eine Allianz um das Betriebssystem Mindsphere.

Anleger schwanken zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Euphorie und Tristesse – denn niemand weiß, ob sich die vielen Investitionen in digitale Systeme, neue Antriebstechniken, bessere Speicherkapazitäten, schnellere Speicherchips und sichere Cloudsysteme am Ende rechnen werden. Auch müssen Aktionäre befürchten, dass der jahrelange Trend mit stetig steigenden Rekorddividenden kippen wird und die Unternehmen allenfalls auf Vorjahresniveau ausschütten werden.

Doch angesichts der extrem günstigen Finanzierungsbedingungen – Zinsen für Anleihen und andere Schulden machen historisch niedrige 1,4 Prozent der Unternehmenskosten in Deutschland aus – und bei der anhaltend guten Konjunktur ist es nur folgerichtig, dass jetzt endlich investiert wird, statt Gewinne und Dividenden weiter zu maximieren.

Anders als an der Wall Street, wo die Konzerne traditionell risikofreudiger sind und sich viel Geld leihen, um zu investieren, aber auch milliardenschwere Aktienrückkaufprogramme und Ausschüttungen zu finanzieren, haben Unternehmen hierzulande ihre Anleger noch nicht überzeugt.

Das erfahren die drei großen Autobauer gerade schmerzlich. Investitionen in die Zukunft geschickt zu vermarkten, und das auch noch börsenkursrelevant, das gelingt Apple, Tesla und Co. sehr viel besser als BMW oder Siemens. Doch das sollte die deutschen Unternehmen nicht davon abhalten, mit ihren Gewinnen, wie bereits verheißungsvoll begonnen, maßvoll weiter ins Risiko zu gehen.

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