Kommentar Isolierte Energiewende ist kontraproduktiv

Deutschlands Stromversorgung ist überteuert und mit Engpässen konfrontiert. Auch der Ausblick sieht risikoreich aus. Wenn der Atomausstieg langfristig gelingen soll, muss der Kurs immer wieder korrigiert werden.
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Die Ausbaupläne für Windkraft auf See drohen zu scheitern. Quelle: dapd

Die Ausbaupläne für Windkraft auf See drohen zu scheitern.

(Foto: dapd)

Die Bundesregierung ringt weiterhin um einen Energiekonsens. Sowohl bei der Umsetzung der von der EU-Kommission geplanten Energieeffizienz-Richtlinie als auch der notwendigen Reformierung des "Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG)" finden die Berliner Koalitionsparteien nur faule Kompromisse. Deutschlands Stromversorgung ist im internationalen Vergleich überteuert und mit erheblichen Engpässen konfrontiert.

Auch der längerfristige Ausblick sieht risikoreich aus. Auf der einen Seite sollen bis spätestens Ende 2022 alle kostengünstig rund um die Uhr produzierenden Kernkraftwerke vom Netz genommen werden. Auf der anderen Seite drohen die Ausbaupläne für Windkraft auf See trotz attraktiver staatlicher Vergütungs- sowie Vorrangprivilegien zu scheitern. Die notwendigen Offshore-Netzanschlüsse und die Trassen für die überregionalen Stromtransporte verzögern sich gewaltig. Gleichzeitig zeigt sich, dass weder neue flexible Gaskraftwerke als Kapazitätsreserven in Süddeutschland rechtzeitig und ausreichend gebaut werden noch genügend russische Gasangebote zu wirtschaftlichen Bedingungen immer zur Verfügung stehen.

Vor diesem Hintergrund muss auch die Gretchenfrage gestattet sein, inwieweit die erneuerbaren Energien bis Anfang der nächsten Dekade die Leitfunktion in der Stromversorgung verlässlich und international wettbewerbsfähig übernehmen können und ob die Energiewende damit unumkehrbar ist. Die Politiker wiederholen zwar schon gebetsmühlenartig, dass die deutsche Sonderrolle sich langfristig sowohl gesamtwirtschaftlich als auch ökologisch auszahlt. Doch findet der nationale Alleingang beim Kernenergieausstieg keine internationalen Nachahmer. Im Gegenteil: In den USA und in Asien werden weitere Reaktoren geplant; in den europäischen Nachbarländern sind gleichfalls neue Anlagen und Standorte in der Prüfphase.

Sicher ist heute nur, dass die fossilen Energierohstoffe trotz technischer Durchbrüche wie zum Beispiel bei der Gasförderung aus Schiefergestein in den USA in ihren Preisbewegungen unkontrollierbar bleiben und die regenerativen Energien in der Regel unstetig anfallen. Noch stehen ausreichend wirtschaftliche Speicherkapazitäten in den Sternen. Wesentlich für die Gestaltung einer funktionsfähigen Energieversorgung sind daher Rahmendaten, die ein lernfähiges System mit Investitionsfreiheiten und Eigenverantwortung statt staatlicher Interventionsspiralen und Verboten ermöglichen. Von diesem Leitbild ist die deutsche Energiepolitik weit entfernt. Die nationale Energiewende ist ein isoliertes Vorpreschen und viel zu hektisch angelegt.

Noch existiert Zeit für einen energiepolitischen Strategiewechsel mit mehr Flexibilität für den Einsatz von Atommeilern: verschärfte sicherheitstechnische Auflagen mit Nachrüstpflichten auf der einen Seite und Energieinvestoren stärker in die Eigenverantwortung für wirtschaftliche Entscheidungen nehmen auf der anderen Seite. Energiepolitische Verbote verengen dagegen die Handlungsspielräume und werfen Deutschland im internationalen Wettbewerb um besonders kosteneffiziente Versorgungsoptionen zurück. Was zudem vergessen wird: Die CO2-freie Kernenergie ermöglicht eine standortverträgliche ökologische Vorsorge.


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9 Kommentare zu "Kommentar: Isolierte Energiewende ist kontraproduktiv"

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  • Wie idealistisch ist es, aus technischer Unkenntnis und absichtlicher Verneinung wirtschaftlicher Rahmendaten heraus Energieversorgung und ganze Industrien zu risikieren? Stromproduktion KOSTET pro Erzeugungstechnologie weltweit überall etwa gleichviel, der durch den Erzeugungsmix getriebene Standortfaktor Strom-/Wärme-PREIS ist für die Industrie damit eine nur durch Ortswechsel anpaßbare Größe. Netzparität für PV heißt Parität für den Haushaltsverbraucher, nicht für den Industrie-Großkunden (der deutlich weniger bezahlt), und das auch nur wenn die Sonne scheint. Das ergibt weder technisch noch ökonomisch noch CO2-seitig Sinn, nur politisch durch das Abräumen dreier Kernthemen der Grünen: Atomausstieg, Ausbau "Erneuerbare", Zerschlagung der Energiekonzerne.

  • Wovon träumst du denn Nachts.......PV Strom günstiger als Kernenergie das ich nicht lache. Zum einen wird sich auch die Kernenergie weiterentwickeln. Inhärent sichere Kraftwerkstypen (Generation 4) werden kommen, dann wird Thorium eine immer größere Rolle spielen sowie die Transmutation die im Labormaßstab bereits den Nachweis erbracht hat. All dies zusammen wird die wichtigsten Probleme der Kernenergie lösen. Zum einen die beherschbarkeit von Reaktoren und zum anderen die Endlagerfrage.

    Nur mal zum PV Strom selbst wenn die Netzparität erreicht ist, dann muss durch die Unstetigkeit die Speichertechnologie noch zum Preis dazugerechnet werden. Nehmen wir einen Einspeisepreis von 30 cent nach EEG pro KWh den wir jetzt Zwischenspeichern wollen, dann wird das ganze jetzt mit einem Wirkungsgrad von ca. 60 Prozent in Wasserstoff umgewandelt und mit CO2 in Methan umgewandelt ebenfalls mit ca. 60 Prozent Wirkungsgrad dann haben wir jetzt einen Gesamtwirkungsgrad von 36 Prozent. Der Strom ist jetzt in Form von Methan im Erdgasnetz zwischengespeichert. Jetzt brauche ich in sonnenstundenarmen Zeiten Strom also nehme ich das Methan und wandel es in einem modernen GUD Graftwerk mit ebenfalls 60 Prozent Wirkungsgrad zu Strom wieder zurück. Also liegen wir bei ca. 20 Prozent Gesamtwirkungsgrad und damit würde sich der Strompreis nur durch die Wirkungsgradverluste ca. verfünffachen 5 mal 30 cent macht ungefähr 1,5 Euro. Jetzt hat bis auf der Solarbesitzer aber noch niemand verdient. Also kommen noch Netzentgelte und Magen für Vertrieb und Erzeugung und Umwandlung oben drauf und schon kratzen wir an der 2 Euro Grenze.

    Also wacht mal langsam auf!

  • Andy,
    Sicher ist, ich komm auf keinen Fall nach Deutschland zurück.

  • Einer musste halt erst mal anfangen die Dinge zu verändern! Leider ist in der Finanz und Geldanlage nur Erbsenzähler unterwegs und keine Idealisten. Ohne die Herren Porsche, Daimler, Benz und Diesel gäbs heute sonst noch kein Auto.

  • "...alle kostengünstig rund um die Uhr produzierenden Kernkraftwerke..."
    Das mach diese solange bis es zum ersten großen Unfall kommt. Die Eintrittswahrscheinlichkeit eines großen Unfalls wie in Chernobyl oder in Fukushima ist statistisch gesehen gering, wenn es aber dennoch passiert sind die Folgen nicht absehbar und möglicherweise nicht mehr beherrschbar. Mit gigantischen Folgekosten. Die Ukraine leidet heute noch unter den enormen Kosten, die der Reaktorunfall nach sich zieht. In Japan wird das genauso sein, wenn nicht schlimmer. Wenn beim nächsten stärkeren Erdbeben das Abklingbecken von Reaktor Nr. 4 in Fukushima zusammenbricht dann wird es eine globale Strahlen-Katastrophe geben.
    Die Energieversorger und die Wirtschaft sind gefordert die jetzt eingeschlagene Richtung in Deutschland konsequent weiter zu verfolgen und mit Ideenreichtum und Technologie die Energiewende umzusetzen. Die Mehrheit der Verbraucher wird es mittragen und letztlich die Kosten dafür tragen. Wir tun es für uns und die nächsten Generationen.
    Die Technologien dafür stehen uns zur Verfügung:
    HGÜ: Hochspannungs-Gleichtromübertragung auf den bestehenden Haupttrassen kann wesentlich höhere Energiemengen übertragen. In China über mehrere 1000 km.
    Damit kann man die Energie von den Windparks im Norden und in Brandenburg dahin bringen, wo diese benötigt wird. Wir brauchen einen Supergrid-Backbone in Deutschland und in Europa. Und große Energiespeicher, damit der kostbare Strom aus Solaranlagen und Windenergie bestmöglich verwendet werden kann.
    http://www.gravitypower.net/newsitem.aspx?id=29
    http://www.solar-fuel.net/loesung/beta-anlage-wird-gebaut/
    http://eduard-heindl.de/energy-storage/
    Endlich machen....

  • Energiewende

    Normal ist dass man zuerst Zuwachskosten und Wegfallkosten berechnet und dann die Energiewende verkündet. In Deutschland ist alles alternativlos

  • Leder ein sehr einseitig auf Atomenergie gemünzter Artikel.
    Will der Autor die Erneuerbaren Energien gegen AKW ausspielen? Der Drops ist gelutscht, kein AKW wird so günstig produzieren können wie Wind- und PV-Kraftwerke.
    Nicht umsonst ziehen sich RWE und E.ON gerade aus ihren geplanten AKW-Neubauten in England zurück.
    Die Aussage, dass "der nationale Alleingang beim Kernenergieausstieg keine internationalen Nachahmer findet" ist falsch. Die Schweiz, Italien, Japan und diverse andere Länder weltweit haben ihre Lektion aus Fukushima gelernt. Zu meinem Bedauern hat das Gedächtnis von Herrn Schürmann eine Halbwertszeit, die eher im Bereich von Jod 131 liegt.
    Jetzt heißt es Ärmel aufkrempeln für die Energiewende - nicht jammern!

  • Keine Ahnung was in den Köpfen unserer Regierenden vorgeht, aber für den Wirtschaftsstandort Deutschland ist diese Energiepolitik der Supergau. Und auch für den Normalbürger wird dieses Experiment Energiewende immer teurer.

  • herausragender Artikel und man kann nur hoffen, dass sich ausser der PdV noch andere Parteien kritisch gegen eine viel zu verfühte Enerfiewende positionieren werden. Auch sollte viel mehr offen über die vielen Vorzüge der Kernenergie geredet werden, so wie es hier am Ende des Artikels anklingt.
    Wenn der Energieminister der USA u. Nobelpreisträger für Physik, Steven Chu sagt, dass normale Kohlekraftwerke 100x soviel Strahlung emittieren wie ein 0815 KKW, dann glaube ich ihm und nicht ARD oder ZDF.
    DIese Energiewende ist ein einziges Lügengebilde für Leichtgläubige ...einfach nicht zu fassen was in Deutschland abgeht.

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