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Kommentar Japan gerät in der Ghosn-Affäre in Erklärungsnot

Der Ex-Chef von Renault-Nissan erhebt schwere Vorwürfe gegen Japan. Das könnte eine Debatte über die Reform des Justizsystems in Gang setzen.
08.01.2020 - 17:39 Uhr Kommentieren
Japan gerät in der Affäre um Carlos Ghosn in Erklärungsnot Quelle: Reuters
Manager in Haft

Carlos Ghosn saß in Japan für mehrere Wochen in Untersuchungshaft.

(Foto: Reuters)

Für Masako Mori, Japans Justizministerin, ist die Flucht von Carlos Ghosn „unverzeihlich“. Aus ihrer Sicht ist das verständlich. Keine Regierung kann es erlauben, dass Angeklagte sich der Gerichtsbarkeit entziehen. Doch das Problem könnte für Japans Justiz größer sein als das heimliche Verschwinden des Ex-Chefs der Autoallianz aus Renault, Nissan und Mitsubishi Motor. Denn mit seiner ersten Pressekonferenz seit seiner Verhaftung im November 2018 ist Ghosn nun auf Kriegszug gegangen.

Er will sich reinwaschen von Veruntreuungsvorwürfen – und könnte damit nebenbei Japans Rechtssystem erschüttern. Denn in den Libanon geflohen und damit befreit von der Angst, wieder verhaftet zu werden, bezichtigt er Japan der „Geiseljustiz“ und bezeichnet die Staatsanwälte als Schurken, die Verdächtige brutal behandeln, isolieren – und internationale Rechtsnormen verletzen, um Geständnisse zu erpressen. Und Japan macht ihm diese Strategie leicht. Schließlich wiederholt Ghosn nur, was Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Japans Anwaltsvereinigung seit Jahren beklagen.

Die Geschichte, die nun die Welt von einem Starmanager hört, durchleiden viele ungenannte Japaner. Einmal in Haft, werden Verdächtige ohne Beisein ihrer Anwälte für Stunden verhört, unter Druck gesetzt, mit Folgen für die Familie bedroht. Wenn der Inhaftierte nicht gesteht, riskiert er eine Wiederverhaftung unter neuen Vorwürfen.

Zugleich beklagen Verteidiger immer wieder, dass ihnen Beweise vorenthalten werden und entlastendes Material unterschlagen werde. Unschuldige gestehen, um die Tortur zu beenden. Das Problem ist nur, dass infolge dieser Geständnisse 99 Prozent der Angeklagten schuldig gesprochen werden. Amnesty warnt daher, dass in Japan besonders leicht Fehlurteile drohen. Im Fall Ghosn ist die Frage nach Unschuld und Schuld ungeklärt. Wenn aber die Affäre Ghosn in Japan die Diskussion über eine Reform des Justizsystems entfacht, dann hat das Drama auch sein Gutes.

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    Mehr: Beim ersten Auftritt seit seiner Flucht in den Libanon geht der flüchtige Automanager Carlos Ghosn in die Offensive. Das Verfahren in Japan sei „politisch gesteuert und korrupt“. Nur zu einem Thema sagt er nichts.

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