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Kommentar Johnsons Brexit-Blase wird platzen

Der britische Premier ist mit seinem Brexit-Kurs ein hohes Risiko eingegangen. Nun muss Boris Johnson für sein Pokern einen hohen Preis bezahlen.
2 Kommentare
Großbritannien: Boris Johnsons Brexit-Blase wird platzen Quelle: dpa
Boris Johnson

Der Regierungschef hat sechs Abstimmungen im Parlament verloren, ein Rekord für einen neuen Premier.

(Foto: dpa)

Dass es nicht leicht werden würde, den so lange und hart umkämpften Brexit durchzusetzen, war sicher auch Boris Johnson klar, als er vor knapp zwei Monaten das Amt des britischen Premierministers übernahm. Doch mit der ihm so eigenen Unbekümmertheit übernahm er die Aufgabe. „Es wird ein bisschen ruckeln“, verkündete er munter. Aber zunehmend zeigt sich, dass das wohl selbst für ihn eine etwas zu schamlose Untertreibung war.

Eine Niederlage nach der anderen musste der Brite hinnehmen, der längst auch optisch keine so gute Figur mehr macht wie zum Auftakt seines persönlichen Wahlkampfs, als ihm seine PR-Berater eine neue Frisur und eine Diät verordnet hatten.

Sechs Abstimmungen im Parlament hat Johnson im Laufe seiner kurzen Amtszeit verloren – ein Rekord für einen neuen Premierminister. Kein Wunder also, dass er es vorzog, das so widerspenstige und lästige Parlament in eine Zwangspause zu schicken.

Im Regierungssitz in der Downing Street war man vermutlich stolz auf die raffinierten Schachzüge, die Johnson zum Erfolg verhelfen sollten: erstens alle, vor allem aber die Brexit-Hardliner in der eigenen Partei und im Volk, mit markigen Worten von der festen Entschlossenheit zu überzeugen, dass er den von ihnen gewünschten Bruch mit der EU durchzuziehen werde („Lieber liege ich tot im Graben, als nach einer Verlängerung zu fragen“); zweitens vorsorglich die EU als Buhmann hinzustellen; drittens in Verhandlungen mit Brüssel den No-Deal-Brexit als Drohung einzusetzen und dann erfolgreich mit einem neuen, backstoplosen Deal zurückzukehren. Und schließlich bei Neuwahlen die Lorbeeren für die ganzen Mühen zu ernten.

Doch Johnson – und auch sein Strategieberater Dominic Cummings – hat seine Gegner unterschätzt. Dass die Abgeordneten die No-Deal-Option versperrten und dann auch noch Neuwahlen, hat den Handlungsspielraum des Premiers stark eingeschränkt. Nach den unterschiedlichen Urteilen schottischer und englischer Richter über die Legalität der Auflösung des Parlaments ist der Brexit nun sogar zum Fall für den Obersten Gerichtshof geworden.

Am Dienstag haben die Richter das letzte Wort. Dass sich Johnson nun gegen Anschuldigungen verteidigen muss, er habe die Queen über die Gründe der Parlamentsauflösung angelogen, ist die Krönung.

Ein Karikaturist witzelte bereits, dass der Premierminister den Plan hatte, sich wegen seiner Brexit-Strategie ins Gefängnis werfen zu lassen, weil ihn das daran hindern würde, eine Verschiebung des Brexits in Brüssel zu beantragen. Man könnte darüber lachen – wenn es nicht so traurig wäre.

Mehr: Das höchste schottische Gericht stellt sich hinter die Brexit-Rebellen und erklärt die Parlamentspause für unrechtmäßig. Jetzt entscheidet die höchste Instanz.

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2 Kommentare zu "Kommentar: Johnsons Brexit-Blase wird platzen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Für einen Laien ist das alles ein bisschen verwirrend. Da heißt es einmal der "Brite" Johnson, zum anderen "nach den unterschiedlichen Urteilen schottischer und englischer Richter über die Legalität der Auflösung des Parlaments ist der Brexit nun sogar zum Fall für den Obersten Gerichtshof geworden". Ist das Oberste Gericht nun Englisch oder Schottisch oder jetzt wieder Britisch? Gibt es nationale Rechtswesen und ein übergeordnetes "Britisches"? Warum gibt es z.B. im Sport keine "britische" Mannschaften? Wie ist das mit der Nationalität: wann ist man Engländer und wann Brite?? Es heißt, dass England, Schottland, Wales und Nordirland nur "Landesteile von GB sind; und warum heißt es "Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland"? Bedeutet dies, dass das UK nur aus den "Landesteilen" England, Schottland und Wales besteht? Dann könnte doch Nordirland selbst entscheiden, wo die Grenze zwischen dem UK und der EU gezogen wird?
    Vielleicht ist das einmal einen eigenen Artikel wert, was besserem Verständnis dienen würde.

  • Von Maggie Thatcher lernen, heißt siegen lernen!!
    Man braucht dafür allerdings einen langen Atem. Den hatte Maggie, um etwa die britischen Gewerkschaften, die das UK Jahrzehnte lang terrorisiert und lahmgelegt hatten, weichzukochen.
    Und ich bin guter Dinge, dass Boris diesen langen Atem ebenfalls hat.
    Aber zunächst noch einmal in memoriam der größten europäischen Politikerin nach Katharina der Großen und Maria Theresia:
    "Das Rückgrat ist bei manchen Politikern unterentwickelt - vielleicht weil es sowenig benutzt wird."
    "Folge nie der Menge, nur weil du Angst hast, anders zu sein."
    "Wenn ich Deutsche wäre, würde ich die Bundesbank und die D-Mark auf alle Fälle behalten."
    "Das Problem vom Sozialismus ist, dass Dir irgendwann das Geld anderer Menschen ausgeht.”
    Und das beste natürlich zum Schluss:
    "We are not asking for a penny piece of Community money for Britain. What we are asking is for a very large amount of our own money back."