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Kommentar Kaeser allein wird es nicht schaffen

Der neue Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser braucht einen tatkräftigen Aufsichtsrat, wenn er den Industriekonzern wieder auf Kurs bringen will. Der ist aber nicht in Sicht. Ein weiterer Personalwechsel ist nötig.
31.07.2013 - 14:38 Uhr 5 Kommentare
Oliver Stock

Oliver Stock, stellvertretender Chefredakteur des Handelsblatts

Wer Peter Löscher in den vergangenen Monaten getroffen und gesprochen hat, erlebte einen Mann ohne Visionen. Zwar einen der sich gegen den Abwärtstrend stemmt,  aber eben auch einen, der dabei in die Defensive geraten war. ICE's, die nicht fuhren, Windräder, die nicht liefen, mit der Solartechnik ein ganzer Geschäftsbereich, der dicht gemacht wurde – jede Baustelle für sich genommen war klein. In der Summe aber ergaben sie den Eindruck eines Konzerns, der sich verzettelt hatte.

Um so eine Phase durchzustehen, hätte Löscher Rückhalt im eigenen Laden gebraucht. Statt Menschen, die ihm den Rücken frei halten, fanden sich jedoch nur solche, die ihm in den Rücken fielen. Sein Förderer und Entdecker Gerhard Cromme zum Beispiel rückte von ihm ab. 

Ist es vor diesem Hintergrund eine gute Nachricht, dass Joe Kaeser die Führung übernimmt? Er ist zumindest keiner, der fremd ist im Unternehmen. Nein, nach mehr als 30 Jahren bei Siemens kennt er jede Strippe, die er ziehen muss, um etwas zu erreichen. Das kann helfen, das verstellt aber auch den Blick, Themen grundsätzlich neu zu denken.

Kaeser war bislang Finanzchef, das spricht dafür, dass er bei den Zahlen liefert, was er ankündigt. Hier hatte es bei Löscher zuletzt gehapert. Den Beweis, dass Zahlenversteher die besseren Unternehmenslenker sind, muss Kaeser allerdings noch erbringen. Die Pingeligkeit der Kontrolleure kann nur gemeinsam mit der Kreativität der Ingenieure Siemens wieder auf die Erfolgsspur bringen. Das gilt insbesondere für den Bereich Infrastruktur, dem schwächsten Geschäftsfeld des Weltkonzerns aus München.

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    Es kommt also darauf an, wer gemeinsam mit Kaeser Siemens wieder nach vorne treiben soll. Ein Vorstandsteam und ein starker Partner im Aufsichtsrat sind gefragt. Daran allerdings mangelt es in dem Kontrollgremium, das der angeschlagene Cromme als Präsident anführt. Gelingen wird der Kurswechsel bei Siemens erst, wenn auch Cromme das Feld räumt und ein tatkräftiger Ersatz gefunden ist.

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    5 Kommentare zu "Kommentar: Kaeser allein wird es nicht schaffen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wenn nach der Absetzung von Hr. Löscher seitens der Mitarbeiter zu hören ist, endlich wieder einer von uns, dann ist Stallgeruch wichtiger als Qualifikation, dann ist Siemens für mich ein Tanker, ähnlich einer öffentlichen Verwaltung.

      Nur keine neuen Ideen von außen, nur nicht die liebgewordenen Rituale hinterfragen. Änderungen ja, aber bitte so, daß nach der Änderung alles so ist, wie es bisher war.

      So wie es aussieht, wird auch Hr. Käser scheitern. Jedoch lasse ich mich, auch im Interesse der Mitarbeiter, gern vom Gegenteil überzeugen.


      Gerd F. Laxenberg

    • Cromme und die verbrannte Siemenswelt ...
      Wie weit ist es gekommen.

      Wir sind froh dass das Trauma Löscher beendet ist und „hoffen“ auf eine neue Zeit.

      Wie veröffentlicht - hat der bestehende Aufsichtsrat mit Herrn Cromme einer Vertragsverlängerung eines Herrn Löschers gerade mal vor wenigen Monaten mit Mehrheit zugestimmt.

      Was für eine Weitsicht.

      Das kostet Siemens mal gerade einige weitere Millionen an Abfindung.

      Was soll’s dafür entlassen wir dann wieder einige von der Werkbank damit die Rendite stimmt.

      Die Protagonisten in der Führung – Aufsichtsrat – sind die gleichen und werden Ihre Spielchen zur Selbstbestätigung und Selbstrettung so lange spielen wie es irgend geht.

      Die Fehler machen ja immer die Anderen ... jetzt eben Kaeser.

      Auf ein Neues.

      Mit nachhaltiger Entscheidung hat das schon lange nichts mehr zu tun.



      Das Siemens Management hat sich zu messen mit dem der Konkurrenz z.B. GE

      Ein Herr Immelt:


      „Mr. Immelt has been named one of the "World's Best CEOs" three times by Barron's, and since he began serving as chief executive officer, GE has been named "America's Most Admired Company" in a poll conducted by Fortune magazine and one of "The World's Most Respected Companies" in polls by Barron's and the Financial Times.“


      Das wird nicht leicht für Herrn Kaeser und kann nur gelingen wenn jetzt auch konsequent die Führung inklusive des Aufsichtsrates auf die Bedürfnisse eines Weltunternehmens umgestellt wird.

      Siemens hat keine Zeit um erst einmal gemächlich zu warten.

      Die Märkte laufen nicht nach Herrn Crommes Zeitschiene.

      Mit der „großartigen Leistung“ der „ Säuberung “ sind auch sehr Gute international anerkannte Manager gegangen oder gegangen worden.

      Ein Aderlass an Talent und Kontinuität.

      Siemens braucht kein Siechtum sondern ein Wechsel – eventuell auch ein Ende mit Schrecken und kein Schrecken ohne Ende.



      „Face it“ zur Stärkung einer mächtigen deutschen Technologiefirma.

      Herr Cromme geben sie sich einen Ruck.

    • Siemens benötigt Personen die "handlungsfähig" sind, dazu muss man in der Lage sein unternehmerisch zu denken.

      Mit einer "Beamtenmentalität" kann man kein Industriebetrieb führen.

    • Wer der Meinung ist, Joe Käser sei "tief verwurzelt" im Konzern, der verkennt, dass der Bereich, dem er kurz vor dem BenQ Desaster gerade noch rechtzeitig entsprang, längst nicht mehr zu Siemens gehört! Seit dem hatte er sich in Rest-Siemens als CFO ebenso nicht wirklich tief verwurzeln können. Im Interesse dieses immer noch hervorragenden Unternehmens sei seinem beschworenen Weg der Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit - von Finanz-Ergebnissen ? - Erfolg beschert. Hoffnung darauf sollte jedoch nicht zu üppig ausfallen. Denn die in den letzten Jahren als psychische Störung abgetanen "Visionen" sind womöglich der einzige Garant für ein zukunftsfähiges und modernes Haus Siemens.

    • Schmeißt die Juristen und Betriebswirtschaftsabsolventen endlich aus den Vorständen und gebt den Ingenieuren das Kommando, die sich damit auskennen, dann klappts auch wieder mit der deutschen Industrie, sieh Linde.

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